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Interview Daniel Berg
"Ich habe richtig Bock auf die Zweite Liga"

Langenfeld Longhorns: Kapitän Daniel Berg im Interview
Führungskraft: Daniel Berg verkörpert wie kein zweiter Langenfelder die Leidenschaft für den Football. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Daniel Berg ist Ur-Langenfelder und hat bei den Longhorns in den vergangenen Jahren alles mitgemacht - unter anderem die Insolvenz und den Neuanfang ganz unten. In der vergangenen Saison gehörte Berg zum Team, das in der Regionalliga die Rückkehr in die 2. Bundesliga schaffte.

Im Interview spricht der 30 Jahre alte Kapitän vor dem Auftakt am kommenden Sonntag (16 Uhr, Stadion Jahnstraße) gegen die Paderborn Dolphins über seine Leidenschaft für den Football, die persönlichen Ziele und die Aussichten der Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt.

2011 sind die Langenfeld Longhorns wegen einer Insolvenz gezwungenermaßen aus der 2. Liga abgestiegen und mussten ganz unten neu anfangen. Am kommenden Wochenende feiern Sie nun nach sechs Jahren Abstinenz die Rückkehr. Wie groß ist die Vorfreude?

Berg Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie sehr ich mich auf diesen Moment gefreut habe und wie lange mir die Zeit bis dahin vorkam. Gerade die letzten drei Jahre in der Regionalliga kamen mir ewig vor. Nun endlich wieder in der zweithöchsten Spielklasse angekommen zu sein, ist etwas sehr Besonderes für mich - vor allem auch, weil ich damals aus der Jugend sozusagen in ein gemachtes Nest hineingewachsen bin. Die Arbeit bis zur GFL 2 hatten damals andere gemacht. Jetzt können das Team und ich sagen, dass wir den Weg von ganz unten selbst gemeistert haben.

Sie waren auch 2011 bei den Longhorns aktiv. War nach der Insolvenz absehbar, dass es Langenfeld so bald wieder nach oben schaffen würde?

Berg Ich erinnere mich an diesen Tag, als wir von unserem damaligen Vorsitzenden mitgeteilt bekommen haben, dass der Verein in die Insolvenz müsse, als ob es gestern war. Wir waren natürlich geknickt und sehr traurig. Da es zu der Zeit aber das erste Mal unsere zweite Mannschaft gab und wir direkt wussten, dass sie die Saison spielen durften, war es für mich klar, dass dies nun das Team war, in dem ich spielen würde. Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe der Insolvenz stand ich mit den Jungs auf dem Trainingsplatz. Ich glaube, ich habe den einen oder anderen damals inspiriert und zu einer gewissen Jetzt-erst recht-Stimmung angeregt. Als dann nach wenigen Wochen klar war, dass nur sehr wenige Spieler den Verein wechseln, war uns klar, dass das Ziel nur heißen konnte: So schnell wie möglich wieder nach oben.

Welchen Anteil hatte Headcoach Michael Hap?

Berg Michael Hap hatte damals die Leistungsträger kurz vor der Mitteilung unseres Vorsitzenden bereits zur Seite genommen und über die Insolvenz informiert. Er hatte uns direkt seinen Zuspruch gegeben, dass er es natürlich keinem übel nehmen würde, in dieser Situation den Verein zu wechseln. Zugleich hat er aber auch klargemacht, dass er bleiben würde und den Verein wieder in die Zweite Liga holen wollte. Dass er sich selbstverständlich über jeden freuen würde, der bliebe. Mit diesem Ausblick haben wir die Insolvenz eher als Chance gesehen, um Strukturen im Team und Verein neu aufzubauen und um uns selbst zu beweisen, dass wir es wieder schaffen können, in die GFL 2 aufzusteigen.

Sie kennen die 2. Liga aus eigener Erfahrung. Worauf wird es ankommen, um sich dort zu etablieren?

BERG Besonders herausfordernd ist nicht nur die Tatsache, dass wir bei fast jedem Gegner gegen hervorragend ausgebildete US-Amerikaner spielen müssen, sondern auch die Anzahl der Spiele - nämlich 14 statt zehn, in Verbindung mit weiten Auswärtsfahrten zum Beispiel nach Lübeck, Rostock oder Potsdam. Vier Spiele mehr klingt erst einmal nicht nach viel mehr. Wenn man aber bedenkt, dass wir im Gegensatz zur Regionalliga keine sechs Wochen Sommerpause mehr haben, sondern die Saison wesentlich gedrückter geplant ist und wir diesmal zum Beispiel sieben Spiele am Stück haben, ist das ein ganzes Stück härter. Football ist. milde ausgedrückt, ein körperlich betonter Sport, der nach jedem Spiel Blessuren hinterlässt. Diese nicht richtig auskurieren zu können, macht den Sport noch härter, als er eh schon ist.

In Joey Sanchez haben Sie jetzt seit Langem wieder einen US-Amerikaner in der Mannschaft. Wie wichtig sind solche Spieler?

Berg Gerade auf der Quarterback-Position merkt man die qualitativen Unterschiede extrem zwischen einem Spieler, der meistens, seitdem er gerade richtig laufen kann, schon spielt und ausgebildet wurde, teilweise fünfmal die Woche trainiert hat - und uns Deutschen, die vielleicht im jugendlichen Alter mit zwei Mal die Woche Training beginnen. Es gibt nur wenig deutsche Quarterbacks, die die Bälle so weit und so genau werfen können wie US-Amerikaner. Ich bin sicher, Joey wird uns stark unterstützen können. Nicht nur spielerisch, sondern auch auf der menschlichen Ebene ist Joey ein Gewinn für das Team.

Was ist in dieser Saison möglich für die Longhorns?

Berg Als Aufsteiger können wir uns erst einmal nur den Klassenerhalt als Ziel setzen. Wenn man überlegt, dass zwei von acht Teams absteigen, ist das schwierig genug. Man weiß jedoch nicht, was alles passieren kann. Gerade bei den Gegnern, die von weiter her kommen, kann es sein, dass mal wichtige Spieler die lange Fahrt nicht mit antreten können und uns so vielleicht eine Überraschung gelingt.

Welche persönlichen Ziele haben Sie?

Berg Die Coaches und das Team verlassen sich auf mich als Teamcaptain - und damit als mentale Stütze, gerade wenn es vielleicht mal nicht so gut läuft. Aber als Runningback muss ich auch unsere Drives mit First Downs am Leben halten, damit die Offense Raumgewinn erzielen kann. Natürlich sollte der eine oder andere Touchdown dabei sein. In den letzten Jahren lief das ganz gut. Ich muss aber langsam eingestehen, dass es mit 30 Jahren nicht mehr ganz so einfach geht wie mit 20. Obwohl man eigentlich mehr trainieren müsste als die Jungspunde, schafft man es aufgrund von Beruf und anderen Verpflichtungen nicht mehr so häufig und intensiv. Trotzdem glaube ich, dass ich das Level einigermaßen halten kann. Und will es mir auch selbst noch mal beweisen. Darüber hinaus gilt es die Jungs zu unterstützen und mitzuziehen, die zum ersten Mal GFL 2 spielen werden. Definitiv habe ich Bock ohne Ende, mit den Jungs wieder in der GFL 2 auf dem Feld zu stehen.

MARTIN RÖMER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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