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Leszek Hoft: Dieser Mann ist Handball

Analyse: Leszek Hoft: Dieser Mann ist Handball
Zeichensprache: Leszek Hoft ist Perfektionist. Für seine Spieler ist er Förderer und Forderer zugleich. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Langenfeld. Der erfahrene Coach will beim Drittligisten SG Ratingen die zweite Mannschaft aus der Bezirksliga in die Verbandsliga führen und dabei die Talente besonders fördern. Auch der Oberligist SG Langenfeld schätzt die Arbeit des in Solingen lebenden Polen sehr. Von Michael Deutzmann

Vermutlich ist Leszek Hoft einer der jüngsten Menschen, die das eine oder andere Jahr jenseits der 60 schon hinter sich haben. Ganz sicher lodert in ihm das Feuer für den Handball immer noch so intensiv wie seit einer halben Ewigkeit. Und weil der in Solingen lebende Pole aus Danzig als Fachmann einen erstklassigen Ruf genießt, braucht er über einen Mangel an Beschäftigung nicht zu klagen - obwohl sich der frühere Lehrer inzwischen im Ruhestand befindet. Sein enormes Handball-Wissen und seine pädagogische Leidenschaft nutzt nicht nur der Verband, der Hoft für die Trainer-Ausbildung einspannt. Der Drittligist SG Ratingen konnte ihn vor der Saison als Coach der zweiten Mannschaft verpflichten und als Förder-Trainer für die A-Jugend. Für die SG Langenfeld, deren Oberliga-Team er bis zum Ende der vergangenen Serie betreute, betreibt er noch mehr echte Basisarbeit - von der B- bis zur E-Jugend.

Als im Frühjahr 2015 feststand, dass Hoft die SGL am Ende der Saison als Cheftrainer verlassen wird, fasste er einen Beschluss: "Ich mache nur noch etwas Verrücktes." Und so war das Angebot der Ratinger - weil einer, der sich immer nur mit streng auf Leistung ausgerichtetem Handball befasst hatte, nun ein paar Etagen tiefer auf Hobby-Ebene mit ihren ganz anderen Schwerpunkten einstieg. "Das ist echt total verrückt", betont Hoft, "und das ist bis heute sehr schwierig für mich."

Die Arbeit mit dem aktuellen Bezirksliga-Team läuft trotzdem so gut, dass der angepeilte Sprung in die Landesliga gelingen wird. Acht Spieltage vor dem Ende der Saison liegen die verlustpunktfreien Ratinger mit acht Zählern Vorsprung an der Tabellenspitze. Hoft macht eine klare Ansage: "Wenn wir nicht aufsteigen, bin ich weg." Selbst für das Jahr danach fordert er schon jetzt die nächste Meisterschaft - und den Durchmarsch in die Verbandsliga.

Das hat nicht zuletzt mit den eigenen A-Jugendlichen zu tun, die unter der Regie der Trainer Etienne Mensger und Lino Glöckler die Oberliga dominiert haben. Das Team holte mit dem 44:25 beim Vierten ATV Biesel bereits drei Spieltage vor Schluss die Niederrheinmeisterschaft - und will nun auf jeden Fall in die neue Nordrheinliga. Ob die Mannschaft sogar die Chance auf einen Platz in der Jugend-Bundesliga wahrnehmen dürfte, werden die Beteiligten intern erst sorgfältig abwägen. "Das wäre schon sehr hart", erklärt Hoft.

Ihm geht es nicht zuletzt darum, über ein besonderes Fördertraining talentierte Jugendliche an die Senioren heranzuführen. Fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kamen bereits regelmäßig in der Zweiten zum Einsatz - und nicht nur als Lückenbüßer. Das Beispiel Yannick Nitzschmann zeigt, wie es im Idealfall laufen kann. "Mit Leszek Hoft hat Yannick einen Mentor an seiner Seite, der in engem Kontakt zu seinen Eltern steht und so zum Beispiel auch über seine schulischen Leistungen bestens informiert ist", sagt Bastian Schlierkamp, der 1. Vorsitzende der SG und Manager der Drittliga-Mannschaft. Hoft erhält von Nitzschmann eine regelmäßige Rückmeldung darüber, wie das Training des SG-Talents läuft, das zum jüngeren Jahrgang gehört und deshalb in der nächsten Saison weiter für die A-Jugend spielberechtigt ist. "Der Sprung in die 3. Liga ist eine riesengroße Umstellung", erklärt Hoft, "wer das schaffen will, muss mehr arbeiten als andere."

Der Kreis-Nachbar will im Nachwuchs-Bereich ebenfalls viel bewegen, obwohl Dennis Werkmeister aktuell keine großen Sorgen sieht. "Wir haben zwei sehr junge Mannschaften", betont der Trainer des Oberliga-Teams, der als Sportlicher Leiter zugleich fürs große Ganze verantwortlich ist. Spieler wie Philipp Wolter (22), Mirko Stolley (22) oder Tim Schickhaus (23) gehören zum Oberliga-Kader, andere wie Tobias Kolletzko (22), Steffen Hambrock (22), Max Guggenmos (23) oder Philipp Ißling (22) spielen im Verbandsliga-Team. Und alle zusammen stammen aus der eigenen A-Jugend. Rund fünf Jahre älter ist Matthias Herff (27), der Kapitän der ersten Mannschaft.

Dass die oberen Senioren-Teams weiter auf eigenen Nachwuchs bauen können, ist für Werkmeister eine Überlebens-Strategie für die kommenden Jahre. "Etwas anderes können wir uns überhaupt nicht erlauben." Deshalb soll das Konzept greifen, in dem Jugendleiter Frank Holzweißig als Trainer für die A-Jugend selbst verantwortlich ist. Dahinter ist Leszek Hoft mit eingebunden, indem er sich in Förderstunden zusätzlich um jüngere Spieler kümmert. "Da sind ein paar talentierte Jungs dabei", findet Hoft. Diesem Teil seiner Arbeit widmet er sich übrigens ganz besonders gerne: "Ich liebe das." Das Feuer in ihm brennt eben immer noch.

Quelle: RP
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