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Leverkusen. Der Weg nach Rio war für Linda Stahl alles andere als leicht. Lange musste sie um ihr Ticket zur Olympiade bangen. Monatelang lieferte sich die Speerwerferin des TSV Bayer ein Qualifikationsrennen mit ihrer Vereinskollegin Katharina Molitor sowie Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) und Christina Obergföll (LG Offenburg). Dann kam die Leichtathletik-EM in Amsterdam - und Stahl warf 65,25 Meter. Von Dorian Audersch

Erst die Silbermedaille in den Niederlanden brachte die Gewissheit, in Brasilien dabei zu sein. Das ist jetzt knapp vier Wochen her. Für Molitor nahm es anschließend einen weniger erfreulichen Verlauf. Der Leichtathletik-Verband (DLV) und der Olympische Sportbund (DOSB) gaben Obergföll den Vorzug. Auch das juristische Nachspiel hat daran nichts geändert. Was für Stahl in Rio möglich ist, kann Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathletikabteilung des TSV, nur schwer einschätzen. "Wenn alles gut läuft, sie einen guten Tag hat und es einfach passt, ist auch eine Medaille drin", sagt der 64-Jährige. Eine "sichere Geschichte" sei das aber nicht.

Die gebürtige Steinheimerin kam 2003 von der LG Lippe-Süd zum TSV Bayer. International auf sich aufmerksam machte sie mit dem achten Platz bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2007 in Osaka (Japan). Im gleichen Jahr gewann sie bei den U 23-Europameisterschaften Gold. 2010 folgte Gold bei der EM in Barcelona. 2012 in Helsinki und 2014 in Zürich ließ sie Bronze folgen. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann sie ebenfalls Bronze. Die Bestleistung der von Helge Zöllkau trainierten Athletin liegt bei 67,32 Metern.

Während sie auf der Jagd nach Edelmetall um die Welt flog, blieb für ihr Medizinstudium wenig Zeit. Geschafft hat sie es dennoch - mit einer für Leistungssportler typischen Mischung aus Fleiß, Disziplin und Ehrgeiz. Hinzu kommen Bescheidenheit und Sinn für Humor - zum Beispiel, wenn sie ihre mittlerweile zwölfjährige Sportlerlaufbahn als "halbwegs professionell" bezeichnet, was angesichts ihrer Erfolge freilich ebenso "halbwegs" untertrieben ist. Nach Rio, sagte Stahl vor Kurzem, fange für sie das "normale Leben" an. Dann wird sie zeitnah ihre Arbeit als Ärztin im Klinikum Leverkusen fortsetzen. Vorher ist die Medizinerin aber noch als Medaillenjägerin unterwegs - ein letztes Mal auf der internationalen Bühne.

Quelle: RP
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