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Auf Dem Weg Nach Rio Silke Spiegelburg
Norm für Rio geschafft - und Kassel im Blick

Langenfeld. Die Stabhochspringerin des TSV Bayer hat 4,50 Meter übersprungen und damit einen großen Schritt Richtung Olympia gemacht. Nun stehen die Deutschen Meisterschaften in Kassel an. Im Juli folgt die EM in Amsterdam - und dann Rio. Von Dorian Audersch

LEVERKUSEN Warum ausgerechnet Stabhochsprung? Für Silke Spiegelburg stellte sich diese Frage eigentlich nie. Drei ältere Brüder hat die Athletin - und alle sind oder waren in dieser Disziplin unterwegs. Trainiert wurde das Trio zunächst von Vater Ansgar, der zwar selbst nie Leistungssportler war, aber das Wissen aus seinen Sport- und Biologie-Diplomen nutzte, um Trainingsmethoden zu entwickeln. Mit Erfolg: Richard Spiegelburg wurde unter anderem 2001 Deutscher Meister und feierte weitere Erfolge. Seine knapp neun Jahre jüngere Schwester, die nach eigenem Bekunden erstmals im Grundschulalter zum Stab griff, hat am kommenden Wochenende in Kassel die Chance, ihren siebten nationalen Titel zu gewinnen.

Wichtiger ist aber, dass sie beim jüngsten Wettkampf in Zweibrücken über 4,50 Meter sprang und damit die Norm für die Olympischen Spiele geschafft hat. Rio ist die vermutlich letzte Gelegenheit für die 30-Jährige, Edelmetall bei Olympischen Spielen zu gewinnen. Sie spielt mit dem Gedanken, nach der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin ihre Karriere zu beenden. Das Studium der Gesundheitsökonomie habe sie jedenfalls abgeschlossen, sagt sie mit Blick auf die Zeit nach dem Sport. "Im Moment liegt mein Fokus aber klar auf den kommenden Turnieren."

Für Spiegelburg geht es auch noch um die Frage, ob sie nach Rio fahren darf. Insgesamt kommen fünf Frauen für den Olympia-Kader in Frage. Vom TSV Bayer ist sie nach der Verletzung von Katharina Bauer nun die einzige Kandidatin. "Sie ist gut in Form, ich traue ihr 4,75 bis 4,80 Meter zu - und vielleicht sogar noch etwas mehr", sagt Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathletik-Abteilung. 4,82 Meter ist ihre 2012 in Monaco aufgestellte Bestleistung unter freiem Himmel. Es ist bis heute der Deutschlandrekord.

Dass sie gut in Form ist, liegt auch an einer Neuordnung ihres Umfeldes. Weil das Pendeln zwischen Zweibrücken, wo der Bundesstützpunkt für Stabhochspringen ist, und Stuttgart, wo Spiegelburg 2014 aus Leverkusen hinzog, auf Dauer zu anstrengend war, disponierte sie um. Seitdem ist ihr Bruder Richard ihr Trainer. Zuvor wurde sie zunächst von Leszek Klima und dann von Andrej Tiwontchik gecoacht. "Das war ein Umbruch für mich", sagt sie. Nun gelte es, sich nach der geschafften Norm für Rio Stück für Stück zu steigern. "Mein Ziel ist jetzt, das Ergebnis zu wiederholen - und zu verbessern."

Derzeit absolviert sie etwa zehn Trainingseinheiten pro Woche. Im Moment sei sie "nur noch Sportlerin", beschreibt die 30-Jährige die Situation. Das sei ein Full-Time-Job. "Nach der Deutschen Meisterschaft folgen noch ein paar kleinere Turniere, bevor im Juli die EM losgeht." Das seien die Standortbestimmungen für alle Leichtathleten mit Ambitionen für Rio. "Abwarten" sei derzeit ihr Motto. "Ich will das Schritt für Schritt angehen - bis zum Höhepunkt."

Ihre Karriere auf nationaler Ebene ist bemerkenswert, und auch auf internationaler Ebene hat sie viele Erfolge erreicht - unter anderem Silber bei der EM 2010 in Barcelona. Allerdings fehlt ihr noch etwas, um ihre Laufbahn zu krönen: Eine Medaille bei Olympischen Spielen. 2012 in London erreichte sie Platz vier. In Peking (2008) war es Rang sieben. In Athen (2004) war sie gerade einmal 18 Jahre alt und sprang auf Platz 13. Auch bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau und 2009 in Berlin sowie bei der EM 2012 in Helsinki sprang sie knapp an einer Medaille vorbei - jeweils auf Platz vier.

2014 war das vielleicht bitterste Jahr in ihrer Karriere. Ein Haarriss im Kahnbein zwang sie zu zu einer langen Pause. Die in ihrer Kindheit geweckte Leidenschaft für ihren Sport hat sie allerdings nie verloren. "Ich habe einiges ausprobiert, aber Stabhochsprung hat mir am besten gefallen", sagt sie. Warum? "Mir gefällt einfach das Gefühl vom Fliegen."

Quelle: RP
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