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Lokalsport
Platz drei im Schatten der Topklubs

Leverkusen. Vieles dreht sich in der Wahrnehmung um den FC Bayern und Borussia Dortmund. Leverkusen spielt in der Fußball-Öffentlichkeit eine kleinere Rolle - obwohl es sportlich betrachtet nicht erst seit dieser Saison dritte Kraft ist. Von Stefanie Sandmeier

Sie waren vorbereitet in Leverkusen. Das letzte Pflichtspiel der Saison war mit dem 3:2-Erfolg über den FC Ingolstadt gerade geschafft, als aus den Lautsprechern der BayArena die Champions-League-Hymne ertönte. Durch das Stadion flogen rot-schwarze Luftschlangen und die Profis zogen sich T-Shirts an. Darauf stand zu lesen: "Und wieder Königsklasse". Darunter aufgereiht die Spielzeiten, in denen Bayer 04 in der Champions League bislang vertreten war.

In der kommenden Saison wird der Verein zum elften Mal dabei sein. Eine Serie von zuletzt acht Siegen in neun Partien hat es möglich gemacht. "Dass wir uns wieder direkt für die Champions League qualifiziert haben, ist nicht selbstverständlich", sagte Sportchef Rudi Völler, der die zwischenzeitlich "schwierigen Zeiten" nicht verheimlichte.

Der Sieg gegen Ingolstadt spiegelte noch einmal eine Saison mit "Höhen und Tiefen" wider, die Julian Brandt symbolträchtig als "Achterbahnfahrt" bezeichnete. Unter dem Strich aber und ungeachtet von Schwächephasen - beispielhaft seien die Spieltage 22 bis 25 genannt, an denen die Werkself nur einen von zwölf möglichen Punkten holte - hat die Mannschaft ihr großes Saisonziel erreicht. Der Werksklub ist die dritte Fußball-Kraft in Deutschland und marschiert mit 60 Punkten auf direktem Weg in die Champions League.

Wirtschaftlich ist man jedoch bei weitem nicht Teil des Top-Trios, was die Erfolgsbilanz der Leverkusener umso beachtlicher macht, die es dennoch schafften, einen hochtalentierten Kader mit entsprechender Qualität auf die Reise zu schicken. Wie schnell man abrutschen kann, hat das Beispiel Wolfsburg gezeigt, das sich trotz seines teuren Kaders nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifizierte.

Zum siebten Mal in Serie beendete Bayer 04 eine Saison in den Top fünf der Tabelle, zum vierten Mal nacheinander gelang die Qualifikation für die Königsklasse. In der Zehn-Jahres-Wertung der Bundesliga belegt der Klub Rang drei. "Wir können stolz sein auf die vergangenen zehn Jahre", findet Völler. Dennoch: In der öffentlichen Wahrnehmung kapriziert sich ein Großteil der Aufmerksamkeit auf den Zweikampf der Münchner mit dem BVB. Bayer 04 steht demgegenüber wenig beachtet im Schatten der beiden Klubs. Das mag sicher auch daran liegen, dass der Verein seit Jahren keinen Titel mehr gewann.

Verärgert über die mangelnde Wertschätzung sei er aber nicht, entgegnete Rudi Völler: "Man muss allerdings immer wieder darauf hinweisen." Für diese Spielzeit gesprochen, sorgte man in Leverkusen allerdings zum Teil auch selbst dafür, dass andere Themen - wie die Vielzahl an Verletzten oder Roger Schmidts Innenraumsperre - das rein sportliche Geschehen überstrahlten. So nahm dann beim Saisonfinale gegen Ingolstadt letztlich auch kaum jemand Notiz davon, dass Bayer 04 in den letzten acht Spielen genauso häufig gewann wie der FC Bayern München.

Dass man dem Rekordmeister in naher Zukunft über die 34 Spieltage im Titelrennen gefährlich werden könnte, bezeichnet aber nicht nur Geschäftsführer Michael Schade als "unwahrscheinlich". In dieser Saison ist das Führungs-Duo Bayern und Dortmund mit 28 und 18 Punkten meilenweit enteilt. Roger Schmidt kündigte an, diesen viel zu großen Abstand im kommenden Jahr reduzieren und auch in den anderen beiden Wettbewerben besser abschneiden zu wollen.

Dass man den beiden Topklubs an der Spitze in naher Zukunft zumindest einen DFB-Pokal-Titel abnehmen kann, dass, sagt Völler, "muss unser Ziel sein." Sport Seite

Verletzung: Roberto Hilbert musste gegen Ingolstadt mit Schmerzen im Knie ausgewechselt werden. Dem Rechtsverteidiger droht die nächste Pause. Die genaue Diagnose soll heute nach einer MRT-Untersuchung erfolgen.

Quelle: RP
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