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Riskant: Der Traum vom Wieder-Aufstieg

Analyse: Riskant: Der Traum vom Wieder-Aufstieg
Abschied: Weil Kreisläufer Dustin Thöne, Torhüter Tobias Geske und Rückraumspieler Tim Menzlaff (von links) den Verein verlassen, verliert die SG Langenfeld viel handballerische Qualität. FOTO: Ralph Matzerath (Archiv)
Langenfeld. Für die Handballer der SG Langenfeld ist das Abenteuer 3. Liga vorbei. Am Ende fehlte nur ein einziges Tor, um wenigstens die Qualifikation zu erreichen. Die Mannschaft hat kein Wunder verpasst. Ein Wunder war, dass sie überhaupt bis zum Schluss hoffen durfte. Von Michael Deutzmann

Der Vorhang ist gefallen und das Theater vorübergehend geschlossen. Was bleibt, sind viele Erinnerungen an die Premieren-Saison in der 3. Liga. Unter dem Strich fehlte den Handballern der SG Langenfeld (SGL) in einer dramatischen Endphase nur ein einziges Tor, um wenigstens die Qualifikation der Drittletzten aus den vier Gruppen zu erreichen. Dass der Vorstoß in die etwas größere Welt des Handballs ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang sein würde, war klar. Und die SGL hat auch kein Wunder verpasst. Es war eher ein Wunder, dass diese Mannschaft mit den bescheidenden Langenfelder Mitteln überhaupt die Chance hatte, das rettende Ufer zu erreichen.

Auf der Zielgeraden der märchenhaften Saison 2016/2017 sicherte sich das Team von Trainer Dennis Werkmeister neben dem Triumph im Deutschen Amateurpokal den Aufstieg aus der Oberliga in die 3. Liga. Verstärkungen gab es nicht und der einzige Neue von außerhalb war Torhüter Tobias Joest (Bergischer HC II). Die SGL konnte etwa die vom Verband geforderte 10 000-Euro-Bürgschaft durch den Gesamtverein vorlegen, aber wenig zusätzlich in den Kader investieren. Die Mannschaft wagte den Versuch, mit einem nicht drittliga-tauglichen Hintergrund die Klasse zu halten.

Die Hinrunde brachte bei 5:25 Punkten einige schmerzhafte Ergebnisse - wie das 24:28 bei der später weit abgeschlagenen SG Ratingen oder das 26:29 beim TuS Volmetal, der nun in der Qualifikation weiter um den Klassenerhalt kämpft. Im zweiten Teil der Serie erlitt der Aufsteiger ebenfalls Rückschläge - wie mit dem 25:32 bei der Ahle-ner SG, die sich direkt retten konnte, oder mit dem 27:28 beim TV Korschenbroich nach einer Führung bis in die Schlussphase. Insgesamt allerdings holte der Klassen-Neuling sensationelle 14:16 Zähler.

"Wir haben eine überragende Rückrunde gespielt", sagt Dennis Werkmeister. Er ist jetzt der Ex-Trainer, trägt aber als Sportlicher Leiter weiter Verantwortung - nachdem er genau jene Position mitten in der Saison schon mal abgegeben hatte. Offizielle Begründung: Hohe berufliche Belastung, Angst vor Abnutzungs-Erscheinungen (was damals so gut wie niemand glaubte). Jetzt soll er sich um die erste und zweite Mannschaft sowie um die Gewinnung neuer Sponsoren kümmern. "Im sportlichen Bereich waren wir gar nicht so weit weg", erklärt Werkmeister, "aber vom finanziellen Hintergrund her hatten wir nicht die Möglichkeiten für die 3. Liga." Für die kommende Saison in der Nordrheinliga sieht er die SGL zumindest personell sehr gut aufgestellt: "Ich bin total optimistisch und ich habe vollstes Vertrauen in unseren neuen Trainer." Das ist der erfahrene Jurek Tomasik, der vom Oberligisten Unitas Haan kommt.

Nicht mehr zur Verfügung stehen Tim Menzlaff (zum Leichlinger TV), Dustin Thöne (Longericher SC), Tobias Geske (HG Remscheid), Andreas Nelte, Matthias Herff und Alexander Klimke (alle Zweite). Damit geht viel Qualität. Rückraumspieler Menzlaff war der drittbeste Feldtorschütze der 3. Liga und Kreisläufer Thöne der Spieler mit der größten Entwicklung in den vergangenen Jahren. Keeper Geske lieferte viele Kostproben seines Könnens, während Team-Senior Nelte (35) immer als inneres Bindeglied galt. Kapitän Herff und Rechtsaußen Klimke waren als SGL-Eigengewächse ebenfalls wichtig für die Mannschaft.

Fünf Neue stehen fest. Vom Bergischen HC II aus der Nordrheinliga kommen Mats Heyde (Kreisläufer) und Felix Korbmacher (Rückraum). Jan Schirweit (Kreisläufer) wechselt vom Oberligisten Mettmann-Sport zur SGL, Lasse Fuhrmann (Rechtsaußen) mit Trainer Tomasik aus Haan. Fabian Bremer kehrt aus Münster (Studium) zurück und bildet nun mit Alexander Riebau das Torhüter-Gespann. Tobias Joest, zuletzt im Wechsel mit Geske zwischen den Pfosten, legt einen längeren Auslands-Aufenthalt ein. "Ein bis zwei Spieler kommen noch hinzu", erklärt Werkmeister, der Langenfeld grundsätzlich sehr gut gerüstet sieht, "und wir sind erpicht darauf, auf die Jugend zu setzen."

Seiner großen Zuversicht verlieh er zum ersten Mal am vergangenen Wochenende direkt nach dem letzten Spiel in der 3. Liga übers Hallenmikrofon Ausdruck: "Wir kommen zurück, wir greifen wieder an." Dabei bleibt er auch eine knappe Woche später: "Mein Anspruch ist klar, dass wir ganz oben mitspielen wollen." Das ist mindestens sehr mutig - weil der Trainer neu ist, weil sich alle erst aneinander gewöhnen müssen, weil Handball eine anspruchsvolle Sportart mit komplexen Abläufen ist. Das braucht erfahrungsgemäß vor allem eins: Zeit. Deshalb steht Handball-Langenfeld vor dem nächsten Abenteuer. Wie es ausgeht, weiß vorerst keiner. An die Rückkehr in die 3. Liga sollte allerdings lieber keiner denken. An zu hohen Erwartungen sind auch andere bereits gescheitert.

Quelle: RP
 
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