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Lokalsport
Schmidts Luxussituation wirft spannende Personalfragen auf

Leverkusen. Der Trainer hat durch die Rückkehr der Verletzten personell viel mehr Möglichkeiten. Der volle Kader birgt aber auch Probleme - gestandene Spieler sitzen plötzlich auf der Bank. Schmidts Taktgefühl ist gefragt. Von Stefanie Sandmeier

Roger Schmidt hatte vor der Partie beim FC Schalke 04 so viele fitte Spieler wie lange nicht mehr in seiner Mannschaft. Dass der Leverkusener Trainer dies gleich mehrfach betonte, zeigt, wie wenig selbstverständlich das in den vergangenen Monaten war. Vor der Partie auf Schalke befand sich der 49-Jährige seit langem wieder in der komfortablen Situation, aus einer fast vollständigen Mannschaft einen Kader für ein Bundesliga-Spiel zusammenstellen zu können.

Eine Situation, an der Schmidt verständlicherweise Gefallen findet. "Man kriegt ein Gespür dafür, wie gut unser Kader ist, wenn alle da sind", schwärmte der Trainer. Auch wenn gerade die erste Halbzeit gezeigt hat, dass noch nicht alle Langzeitverletzten wieder ihre volle Leistungsstärke erreicht haben, so bestätigte der 3:2-Erfolg - mehr noch als die Siege zuvor - doch vor allem eines: Die Mannschaft ist sehr wohl stark genug für das Erreichen ihrer Ziele. Das hat sie mit ihrer überzeugenden zweiten Halbzeit bewiesen, die man nach einem 0:2-Rückstand erst einmal mit einer solchen Offensivwucht ins Ziel bringen muss.

Platz drei ist der Werkself damit so gut wie nicht mehr zu nehmen, die am Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin mit einem Sieg den Matchball im Kampf um den direkten Champions-League-Platz verwandeln kann. Zumal Borussia Mönchengladbach drei Stunden früher bei Bayern München gefordert ist und es dort schwer haben wird, weiter Boden gut zu machen.

Wie es mit dieser Leverkusener Mannschaft weitergeht, wird spannend zu beobachten sein. Ebenso, wer diesen Weg mit Roger Schmidt weiter bestreitet - auf dessen Taktgefühl es ankommt, wenn es darum geht, jeden Einzelnen (vor allem die auf der Bank) bei Laune zu halten und vom großen Ganzen zu überzeugen. Am Samstag waren dies gestandene Profis wie Stefan Kießling, Hakan Calhanoglu und Christoph Kramer. Während Kießling in der zweiten Hälfte bei der Aufholjagd half, blieben die anderen draußen. Schmidt sah das als Chance, beiden nach vielen Einsätzen eine Pause zu gönnen. Das hieße aber nicht, dass dies auch künftig so sein müsse, sagte der Trainer.

Für Kramer, der nicht rundum glücklich wirkt, ist das eine neue Situation. So gut wie in allen Partien stand er von Beginn an auf dem Rasen. Angreifer Admir Mehmedi gehörte sogar nicht einmal zum Kader. Keiner von ihnen wird dauerhaft Gefallen daran finden, nicht zu spielen. Es sei denn, man bekennt sich gerade in den Wochen mit Dreifachbelastung zu einem System mit Rotation. Es wird also auch darauf ankommen, wie Roger Schmidt seine Personalentscheidungen an den Mann bringt, wenn er Spieler, die sich mehr Einsatzzeit erhoffen, nicht verlieren will.

Jetzt, da sich der Kader wieder gefüllt hat, ist ein Positionskampf entfacht worden, der für die Leistung nur förderlich sein kann. Der aber künftig häufiger Härtefälle hervorrufen wird. Beispiel: defensives Mittelfeld, das ist herausragend besetzt. Rückkehrer Charles Aránguiz heizt den Konkurrenzkampf noch einmal an - den nicht zuletzt auch die jungen Kräfte befeuerten. Akteure wie Vladlen Yurchenko, Benjamin Henrichs, Marlon Frey und Andre Ramalho wiesen während der Verletztenmisere ihre Fähigkeit nach, in der Bundesliga mitspielen zu können. Schmidt freut sich über "hervorragende Optionen". Das Kunststück wird es jetzt sein, den hochbegabten Kader zusammen zu halten.

Quelle: RP
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