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Der Regionalliga-Check
Sportfreunde arbeiten am Wunder

Langenfeld. Sportlich läuft alles großartig beim Spitzenreiter der Fußball-Oberliga. Trotzdem existieren noch ein paar riesige Hürden für den Aufstieg. Von Michael Deutzmann

MONHEIM Die Dinge beginnen sich zu verselbstständigen. Als die Sportfreunde Baumberg (SFB) kurz vor Weihnachten die Tabellenspitze übernahmen und dann zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte auf Platz eins in der Fußball-Oberliga überwinterten, galt der Gedanke an die Regionalliga vielleicht noch als Irrwitz. Mehr als eine zweifellos sehr schöne Moment-Aufnahme schien das nicht zu sein. Inzwischen ist das Team von Trainer Salah El Halimi vier Spiele weiter - und immer noch Erster. Derzeit können die Baumberger ihren Vorsprung sogar ausbauen, obwohl sie selbst nicht mal im Einsatz sind. Und so war das vergangene Wochenende wieder nur dazu geeignet, die Stellung der Mannschaft zu kräftigen.

Die Partie des Ersten bei der SSVg. Velbert fiel aus und Baumberg kam um die Chance, die Serie seiner Spiele ohne Niederlage auf 13 auszubauen. Also blieb es bei 44 Punkten. Gleichzeitig musste sich der Zweite SV Straelen im Heimspiel gegen Ratingen 04/19 mit einem 1:1 begnügen. Im Duell zwischen dem TV Jahn Hiesfeld und der SpVg. Schonnebeck gab es ebenfalls ein 1:1. Deshalb liegt Baumberg jetzt drei Zähler vor Straelen (41) und vier vor Schonnebeck (40), die jeweils eine Partie mehr ausgetragen haben. Es folgt der TV Jahn Hiesfeld (37), der kürzlich erklärt hat, beim Verband erst gar keine Lizenz für die Regionalliga zu beantragen.

Für diesen Komplex sind auch in Baumberg nicht die Mannschaft oder das Trainerteam zuständig, sondern die Führungskräfte um den Vorsitzenden Jürgen Schick. Einer der nicht wenigen Bereiche ist die Suche nach einem geeigneten Stadion. Die aktuell genutzte Anlage an der Sandstraße ist draußen. Es gibt die Idee, einen Teil der Spiele mit einem vermutlich überschaubaren Zuschauer-Andrang eventuell auf der neuen Bezirkssportanlage "Am Waldbeerenweg" auszutragen. Dann wäre zusätzlich "nur" ein Stadion für die Spiele mit dem so bezeichneten "erhöhten Risiko" erforderlich - etwa gegen RW Essen, den Wuppertaler SV oder Alemannia Aachen. Langenfeld fällt eher aus, weil dort bei einem Brand im vergangenen Jahr die Tribüne zerstört wurde.

Blieben Benrath oder Leverkusen, wo Baumberg im August 2013 schon einmal zu Gast war. Damals gab es im Ulrich-Haberland-Stadion in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten FC Ingolstadt trotz einer starken Leistung vor 2500 Zuschauern eine 1:4-Niederlage. "Ich denke, Leverkusen würde zu teuer", sagt SFB-Chef Schick, "wir haben aber noch mit niemandem konkret gesprochen oder verhandelt. Das sind alles ungelegte Eier." Besonderes Kopfzerbrechen bereitet ihm zudem die Pflicht, den Ordnungs- und Sicherheitsdienst in bestimmten Fällen bei einem gewerblichen Unternehmen einkaufen zu müssen.

Mannschaft und Trainer sehen die Angelegenheit relativ klar. "Ich bin bei diesen Dingen komplett raus", sagt Trainer Salah El Halimi, "wir konzentrieren und auf das Fußballerische." Mittelfeldspieler Louis Klotz, der seit 2010 für die Sportfreunde unterwegs ist und sich den internen Titel "Mister Baumberg" verdient hat, verzichtet ebenfalls auf eine Aussage, die ihm später als zu großspurig ausgelegt werden könnte. Seine Formel: "Wir versuchen immer, jedes Spiel zu gewinnen. Und wenn wir ab jetzt jedes Spiel gewinnen, stehen wir am Ende sehr weit oben." Mathematisch ist diese These sicher nicht angreifbar.

Auf Baumberg warten im letzten guten Drittel der Saison weitere 13 Aufgaben und jede einzelne ist auf ihre Art gefährlich. "Wenn du nur zwei Prozent weniger gibst, kannst du bereits dein blaues Wunder erleben", glaubt Coach El Halimi. Er wird nicht müde beim Hinweis darauf, dass die Sportfreunde immer an ihr Limit gehen müssen - auch am kommenden Sonntag (15 Uhr, Sandstraße) im Heimspiel gegen den stark gefährdeten Drittletzten Cronenberger SC, der wohl alleine aus eigenem Interesse viel Gegenwehr leisten wird. Auf der anderen Seite ist aber die aktuelle Situation ein Genuss für alle Baumberger, die sich sehr auf die nächsten Wochen freuen. Da könnte es passieren, dass sich die Dinge verselbstständigen. Angefangen hat es ja schon.

Quelle: RP
 
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