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Svea Wolf - auf Umwegen zur Nationaltorhüterin

Lokalsport: Svea Wolf - auf Umwegen zur Nationaltorhüterin
FOTO: RTHC
Leverkusen. Die 17-jährige Keeperin des RTHC und U 16-Nationalspielerin gilt als großes Hockey-Talent. Auch ihre beiden Schwestern spielen in Leverkusen. Von Tobias Knüfermann

"Der oder die Schwächste muss ins Tor" - das ungeschriebene Gesetz kennt jedes Kind. Beim Fußball auf der Straße, beim Schulsport oder zu Hause im Garten. Die etwas fragwürdige und nicht gerade faire Regel sorgt nicht immer für gute Laune unter Kindern. Für Svea Rose gilt das allerdings nicht.

Für die 17-jährige Torhüterin des RTHC Leverkusen war diese Regel der Startschuss für eine beeindruckende Entwicklung. 2009 war Svea neun Jahre alt und probierte sich bei den C-Mädchen des RTHC aus - zunächst mit bescheidendem Erfolg. Der Umstand, dass bei einem Turnier in Bremen keine Torhüterin zur Verfügung stand, entpuppte sich für Rose als Glücksfall. Sie schlüpfte eher mäßig gelaunt in die muffige Torhüter-Ausrüstung, machte dabei aber eine richtig gute Figur. Und zwar so gut, dass sie die Rüstung bis heute nicht mehr los geworden ist.

Sieben Jahre später hat Svea Rose als Torhüterin der deutschen U 16-Nationalmannschaft bereits drei Länderspiele absolviert und gilt als eins der größten Talente. Selbstkritisch reflektiert die Gymnasiastin die erste Zeit mit dem Hockeyschläger: "Ich muss wirklich zugeben, dass ich auf dem Feld keine gute Figur gemacht habe. Im Tor fühle ich mich dagegen pudelwohl."

Für eine erfolgreiche Sportkarriere tut die 17-Jährige einiges. Mindestens vier Mal in der Woche steht Mannschaftstraining auf dem Plan, dazu kommen noch Athletik-Einheiten und ein spezielles Torwarttraining. "Ich trainiere bei der weiblichen Jugend B, aber auch schon bei der A-Jugend - und seit April auch bei den Damen", erklärt Svea, die vor dem Hockeysport Leichtathletik ausprobierte und auch Fußball sowie Volleyball lernen wollte.

Bestens geeignet scheint das RTHC-Talent aber für die Position zwischen den Pfosten. Dabei hilft ihr vor allem ihre extreme Beweglichkeit, wodurch sie sich den Spitznamen "Flummi" einheimste. Zeit für andere Hobbys bleibt da kaum, wobei Svea, die nächstes Jahr ihr Abitur am Gymnasium Odenthal ablegen wird, regelmäßig in einer Band Gitarre spielt.

RTHC-Damentrainer Volker Fried, der auch die B-Jugend trainiert, hält auf seine Torhüterin große Stücke: "Svea hat im letzten Jahr eine sehr erfreuliche Entwicklung vollzogen und ist eine Hoffnungsträgerin des RTHC. Sie ist eine echte Persönlichkeit, die ihre Vorderleute prima lenkt, sehr leichtfüßig ist und sich auf der Line sehr reaktionsstark bewegt. An ihrer Fußarbeit und dem Stellungsspiel muss sie aber noch arbeiten."

Das hat sich die Keeperin auch selbst auf die Fahne geschrieben. "Es gibt noch genug Dinge zu verbessern. Aktuell arbeite ich viel an Eins-gegen-Eins-Situationen und dem Klären nach Außen", erklärt Svea, die für Torhüter-Verhältnisse mit 1,60 Meter relativ klein ist.

Dass dies kein Nachteil sein muss, bewies sie bei ihren bisher drei Auftritten im Nationalteam. Gleich beim Debüt an Pfingsten gab es nach dem 1:0 über die USA ein Sonderlob von Bundestrainer Aditya Pasarakonda: "Svea hat insgesamt ein sehr gutes Spiel gemacht. Zum Ende hat sie uns den Sieg mit einer gehaltenen kurzen Ecke festgehalten." Damit bestätigte die 16-Jährige eine ihrer Stärken eindrucksvoll: "Ich mag Drucksituationen sehr gerne und blühe dann erst richtig auf."

Mitte Juli stand Svea beim Sechs-Nationen-Turnier im belgischen Antwerpen erneut zwischen den Pfosten und machte ihre Sache gut. In der Halle gewann sie mit dem Mädchen A des RTHC 2013 den Deutschen Meistertitel, auf dem Feld holte sie den Vize-Titel.

Für die nahe Zukunft hat sich Rose einiges vorgenommen: "Es wäre toll, auch den Sprung in die deutsche U 18-Auswahl zu schaffen. Zudem bin ich ab der Feldsaison 2017 für die Regionalligadamen spielberechtigt, dort würde ich mich gern etablieren."

Sollte "Sve", wie sie von ihren Mitspielerinnen kurz gerufen wird, für eine längere Zeit im Leverkusener Tor stehen, könnte es vielleicht mal zu einer Schwestern-Combo kommen. Sowohl Leonie (elf Jahre), als auch Lia (sieben) eifern mit dem Hockeystock dem kleinen weißen Hartgummiball hinterher. Leonie versucht sich mittlerweile ebenfalls als Torhüterin. Ganz im Gegensatz übrigens zu den Eltern: Mama und Papa Rose haben selbst nie Hockey gespielt.

Quelle: RP
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