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Einwurf
Über Werbung und menschlichen Respekt

Langenfeld. Es war ein Spektakel der ungewöhnlichen Sorte. Und beide Mannschaften sorgten dafür, dass keiner der über 700 Zuschauer in der Halle am Konrad-Adenauer-Gymnasium sein Kommen bereuen musste. Natürlich: Es gab schon größere Handball-Leckerbissen. Trotzdem war das Treffen der beiden Top-Teams in der Oberliga mal wieder eine perfekte Werbung für die Sportart. Die SG Langenfeld (SGL) und die HSG Bergische Panther bekämpften sich über die gesamten 60 Minuten mit allen erlaubten Mitteln. Sicher kam es dabei zu grenzwertigen Aktionen, die nicht unbedingt sein mussten, Auf der anderen Seite war die Atmosphäre in den meisten Fällen bei aller Rivalität von sportlichem Respekt geprägt. Hier verdiente sich unter anderem der Gäste-Coach Boris Komuczki eine Top-Note. Direkt nach der Schluss-Sirene suchte er die Unparteiischen sowie das Kampfgericht auf, um ihnen zum Abschluss eines ereignisreichen Abends die Hand zu reichen. Als SGL-Verantwortlicher nahm der stellvertretende Abteilungsleiter Uwe Stolley die Glückwünsche des HSG-Trainers entgegen - der sich natürlich auch nach seinem Langenfelder Kollegen umschaute. Dennis Werkmeister war allerdings gerade noch nicht greifbar, weil er sich mitten in einer großen Traube jubelnder Spieler befand. Komuczkis Auftritt war eine tolle Geste, die Hochachtung verdient.

Die Grenzen des guten Geschmacks überschritten die Beteiligten auf beiden Seiten extrem selten . Ein Beispiel war jene Szene, als nach einem Foul an Philipp Wolter die folgende Forderung deutlich zu hören war: "Raus die Sau, raus die Sau." Das darf nicht mal in großzügiger Auslegung als Forderung nach einer Zeitstrafe gegen den betreffenden Spieler der Gäste durchgehen. Derartige Entgleistungen, die von einem Mangel an Respekt zeugen, braucht kein Mensch. Und der Handball überlässt so etwas bestimmt gerne anderen Sportarten, in denen so etwas Alltag sein mag.

Der graue Alltag scheint derzeit bei den Landesliga-Fußballern der Sportfreunde Baumberg (SFB) Einzug zu halten. Das 1:2 beim VfL Benrath taugte jedenfalls kaum dazu, die Stimmung großartig aufzuhellen. Es ist nun an den Baumbergern, sich einmal kurz zu schütteln und dann den Knopf für einen Neustart nach der Winterpause zu drücken. Der Tabellenführer hat vermutlich kein großes Interesse daran, die vor der Winterpause bereits deutlich abgeschlagene Konkurrenz im Kampf um den Aufstieg noch einmal zu neuem Leben zu erwecken.

Eine Etage tiefer lebt der Bezirksliga-Erste FC Monheim gerade vor, wie so etwas geht. Der Spitzenreiter hat zweimal in Folge kurzen Prozess gemacht - 6:1 gegen Unterrath, 7:1 gegen Marco Düsseldorf. Setzt sich der Trend fort, knacken die Monheimer in dieser Saison vielleicht die 100-Tore-Marke (derzeit 64). Das wäre dann auch ein Spektakel der ungewöhnlichen Sorte.

Michael Deutzmann

Quelle: RP
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