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Unbeugsam: Gallier liefern einen großen Kampf

Lokalsport: Unbeugsam: Gallier liefern einen großen Kampf
Im Anflug: Dustin Thöne (mit Ball) steuerte drei Tore für Langenfeld bei, das einen der Drittliga-Favoriten am Rand einer Niederlage hatte. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Der Handball-Drittligist SG Langenfeld stand beim 30:30 gegen Krefeld dank einer beeindruckenden Partie sogar dicht vor einem Sieg, Von Michael Deutzmann

Die Gallier sind wieder da und diesmal steckte auch drin, was hinten draufstand. Es war die SG Langenfeld (SGL in echt. Dabei hatte der Handball-Drittligist, der als einer der Außenseiter zum Kampf um den Klassenerhalt angetreten ist, für seine Heimpremiere nach dem Aufstieg eine echte Last zu tragen - die 28:39-Auftaktpleite beim Leichlinger TV. Außerdem kam der Vorjahresdritte HSG Krefeld, der den Sprung in die 2. Liga anpeilt. Langenfeld schien jedoch alle Zweifel über Bord geworfen zu haben, bearbeitete den Favoriten mit Leidenschaft und verwandelte die Halle am Konrad-Adenauer-Gymnasium in ein Tollhaus. Und als die Partie vorbei war, stand immerhin ein verdientes 30:30 (14:12) auf der Anzeigetafel.

Der Jubel war zuerst verhalten und der Ärger ziemlich groß. Das hatte mit den letzten Sequenzen der Partie zu tun, in der die SGL mit einem 28:26 (55.) auf die Zielgerade einbog. Dann kassierte Vinzenz Preissegger eine Zeitstrafe und Langenfeld in Unterzahl den Ausgleich - 28:27 (55.), 28:28 (57.). Das 29:28 (57.) von Matthias Herff beantwortet Krefeld mit dem 29:29 (58.) und das 30:29 (58.) von Eich 35 Sekunden vor Schluss mit dem 30:30. Die SGL brauchte nun nur ein paar Blicke, um die Taktik zu vereinbaren. Eine Idee war, ruhig einen Freiwurf herauszuholen und Tim Menzlaff in eine gute Wurfposition zu bringen.

Der Plan funktionierte, doch die Unparteiischen Christopher Hillebrand/Stefan Umbescheidt (Handball-Kreis Hellweg) ließen die Zeit nicht stoppen - obwohl Krefeld nicht daran dachte, die beim Freiwurf vorgeschriebene Distanz einzuhalten. Gleichzeitig lief die Uhr für die verbleibenden sechs Sekunden weiter. Und das Theater setzte sich fort beim finalen Freiwurf-Versuch, den Menzlaff gegen die dichte HSG-Mauer noch vielversprechend hätte ausführen können - theoretisch, denn ein Krefelder sprang ihm beherzt entgegen. Werkmeister ging anschließend in die Diskussion mit den Unparteiischen. Ergebnis: "Sie haben ihren Fehler zugegeben. Es hätte einen Siebenmeter für uns und eine Rote Karte gegen Krefeld geben müssen." Das stimmt, weil zur Saison 2016/2017 neue Regeln gelten - und eine davon betrifft die letzten 30 Sekunden. Dazu gehört, dass das Blockieren eines Freiwurfs durch das verteidigende Team einen Siebenmeter für die angreifende Mannschaft und eine Rote Karte für die Deckung bringen muss.

Wenig später allerdings wich der Zorn dem Stolz über eine grandiose kämpferische Leistung. "Wir wollten denen so lange wie möglich auf die Nerven gehen", sagte Torhüter Tobias Geske, "und jetzt haben die Gallier ihren ersten Erfolg in der 3. Liga. Die Halle war phantastisch. Das war so laut - geil." Kapitän Matthias Herff sah es ähnlich: "Wir haben Kampfstärke und Moral bewiesen. So macht das wieder Spaß."

Die Basis fürs Unentschieden waren der enorme Einsatz und die klar verbesserte Abwehr. Nur Dario Polman, den niederländischen Nationalspieler der HSG, bekam Langenfeld nie ganz in den Griff (elf Treffer/darunter drei Siebenmeter). "Das ist schon ein Guter", lobte SGL-Coach Werkmeister, dem jedoch der Auftritt seines Teams noch besser gefiel: "Ich bin gerade unheimlich stolz." Im Paket waren seine Spielmacher André Eich (neun Tore/sechs Siebenmeter) und André Boelken (fünf) zudem gleichwertig.

Die Gastgeber ließen sich vom frühen Rückstand nicht irritieren - 0:2 (3.), 2:3 (6.), 5:3 (10.), 7:5 (14.), 9:7 (18.), 10:8 (20.), 11:11 (26.). Zwei Szenen zeigten besonders gut, dass Langenfeld bereit war. Als noch zehn Sekunden in der ersten Hälfte zu absolvieren waren, traf Krefelds Gerrit Kuhfuss die Latte und die SGL schaltete schnell. Ergebnis: Gerade rechtzeitig wuchtete Dustin Thöne den Ball vorne zur 14:12-Führung ins Tor. Dann schien Tim Menzlaff gescheitert zu sein, aber der Ball landete erneut beim Rückraumspieler - der das 15:13 erzielte (32.). Diesmal steckte bei den Galliern eben drin, was hinten draufstand. Es war Langenfeld in echt.

SG Langenfeld: Joest, Geske - Thöne (3), Heide (4), Wolter, Preissegger (1), Adams, Klimke, Herff (1), Stolley (1), Eich (9/6), Boelken (5), Menzlaff (6), Nelte.

Quelle: RP
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