| 00.00 Uhr

Analyse
Verrückt: Baumberg spielt einfach zu schön

Analyse: Verrückt: Baumberg spielt einfach zu schön
Da war die Welt in Ordnung: Pascal Schmitz (links), Trainer Salah El Halimi (rechts) und Torschütze Louis Klotz (verdeckt) feiern gemeinsam einen Klotz-Treffer und am Ende einen verdienten 4:1-Sieg über den VfB Hilden. FOTO: Ralph Matzerath (ARCHIV)
Monheim. Der Fußball-Oberligist verlor mit 1:2 in Cronenberg, obwohl er die bessere Mannschaft war. Das Team von Trainer Salah El Halimi verfügt über große technische Mittel, doch vorne fehlt manchmal die letzte Entschlossenheit. Hinten wäre ein Schuss mehr rustikales Eingreifen hilfreich. Von Michael Deutzmann

Auf den ersten Blick erinnert das eine oder andere durchaus an die Saison vor zwei Jahren. Die Sportfreunde Baumberg (SFB) waren damals in der Fußball-Oberliga mit einer Mannschaft am Start, denen viele aufgrund ihrer personellen Qualität einen Platz in höheren Tabellenregionen zutrauten. Das Ergebnis: Baumberg quälte sich damals unter der Regie von Trainer Marc Schweiger von Beginn an durch die erste Halbserie, wechselte im Winter den obersten Übungsleiter - und stieg am Ende mit Salah El Halimi dennoch ab. Ein Grund: Die Mannschaft war damals eben keine, sondern eher eine lose Ansammlung von Einzelspielern. Weil sich das gründlich geändert hat, konnte Baumberg den direkten Wieder-Aufstieg in die Oberliga schaffen. Dort sind jetzt zehn Spieltage vorbei - und die Sportfreunde scheinen sich nach der völlig überflüssigen 1:2-Niederlage beim Cronenberger SC erneut nach unten orientieren zu müssen. "Wir hatten eine ganz gute Position", sagt El Halimi, "aber jetzt ist es so, dass wir wieder mitten drin sind im Geschäft - und zwar im Abstiegskampf." Dafür gibt es ein paar Gründe. Der wichtigste: Baumberg spielt einfach zu schön. Dafür war Cronenberg der beste Beweis.

Die Gäste dominierten von Beginn an und ließen sich zunächst von der Verhinderungs-Taktik der Wuppertaler nicht aus der Ruhe bringen. Viele Angriffe, immer wieder angekurbelt von Louis Klotz und Ivan Pusic, sahen sehr ordentlich aus. Was aber fehlte, waren meist die echte Leidenschaft und der entschlossene Abschluss. Auf der einen Seite wies Baumberg erneut die Fertigkeit zu Toren mit dem Prädikat besonders wertvoll nach - wie beim 1:1 (51.) durch Kapitän Pusic. Derartige Kunstschüsse vom linken Strafraumeck nach rechts oben beherrschen nicht viele Fußballer.

Auf der anderen Seite brauchte Baumberg oft zu lange, um einen Angriff zu Ende zu bringen - oder es traf ganz falsche Entscheidungen. Doppelt schmerzhaft für die Sportfreunde: Mittelstürmer Miguel Lopez Torres wirkte in der 61. Minute vor allem unentschlossen. Ein Lopez Torres in bester Form hätte sich eine derart günstige Gelegenheit frei vor dem gegnerischen Keeper höchstwahrscheinlich kaum entgegen lassen. Da hieß es 1:1 - und eine Führung hätte das Spiel wohl zugunsten der Gäste entschieden.

Beide Gegentreffer wären bei energischem Eingreifen zu verhindern gewesen. Baumberg bekam zweimal die Quittung dafür, dass es selbst sehr brenzlige Szenen meistens spielerisch lösen will. Beim 0:1 (44.) unterband zuerst keiner die Flanke und ein paar Sekunden darauf verließ sich jeder auf den anderen. Ähnlich unglücklich entstand das 1:2 (61.), weil die Gäste den Konter durch energisches Eingreifen hätten unterbinden können. Es ging erneut schief, dass die Mannschaft in erster Linie auf ihre spielerischen Mittel vertraute und keinen Philosophie-Wechsel vornahm, der den zweiten Rückstand vermutlich verhindert hätte. Trainer El Halimi bringt es präzise auf den Punkt: "Wir müssen das anders lösen."

Baumberg betreibt keine Schönspielerei, aber es spielt oft zu schön - was ein Unterschied ist. Dann kommt hinzu, dass sich regelmäßig eigene Fehler einstellen, die das Arbeiten erschweren und am Ende teuer sind. Das passierte jetzt erneut - wie beim 1:2 gegen Bocholt, beim 2:3 in Düsseldorf-West, beim 1:2 gegen SW Essen und beim 2:5 in Schonnebeck. Hoffnung macht den Sportfreunden die Frage, die jeder nach dem 1:2 in Cronenberg so ähnlich stellte: "Wie dumm sind wir eigentlich?" Auf den zweiten Blick erinnert demnach wenig an die Situation aus der ersten Hälfte 2015/2016. Baumberg scheint lernfähig zu sein und spielt guten Fußball. Manchmal ist er nur zu schön.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Verrückt: Baumberg spielt einfach zu schön


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.