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Lokalsport
Voller Einsatz unter Wasser

Langenfeld. Beim Unterwasserrugby geht es ziemlich zur Sache. Langenfeld ist Tabellenführer der zweiten Bundesliga. Von Dirk Neubauer

Erst zieht es leicht. Dann pochen die Lungen. Wer kurz vor der scheinbaren Ohnmacht auf den Schnorchel im Mund beißt und noch drei, vier Sekunden länger unter Wasser bleibt, macht den Unterschied: Unterwasser-Rugby wurde in Deutschland erfunden, angeblich von Kampftauchern. "Spätestens in einem Meisterschaftsspiel vergisst man die Angst um die Atemluft", versichert Markus Heckrath. Er trainiert drei Mal pro Woche im Langenfelder Hallenbad ein Spitzenteam, bestehend aus 15 Aktiven: Die Unterwasser-Rugby-Mannschaft der SV Langenfeld von 1912 führt derzeit die Tabelle in der 2. Bundesliga West an. Wird Langenfeld in der Saison 2015/16 West-Meister? Heckrath antwortet als Bundesliga-Trainer natürlich taktisch und Mannschafts-motivierend: "Das weiß ich noch nicht. Andere Teams spielen auch gut. Wir müssen uns anstrengen."

Mittwochabend an der Langforter Straße. Kurz nach 21 Uhr versenken die Spieler ihre Körbe auf dem Beckengrund vor den Sprungtürmen, jeweils einen auf jeder Querseite des Beckens. Später, beim Spiel, werden Torhüter rücklings über der Öffnung liegen, dürfen sich aber nicht am Korb-Rand festhalten. Das Spielgerät selbst ist etwa so groß wie ein Handball, gefüllt mit Salzwasser. Deshalb bleibt die Kugel unter Wasser, muss aber für einen Wurf von maximal zwei, zweieinhalb Metern gestoßen werden wie an Land eine Stahlkugel. Eine Mannschaft besteht aus zwölf Spielern, von denen jeweils sechs im Wasser sind. Gewechselt wird fliegend - wie beim Eishockey. Ein Spiel dauert zwei Mal 15 Minuten.

"Mich fasziniert am Unterwasser-Rugby das Dreidimensionale", sagt Markus Heckrath. Ein Gegner kann überall herkommen, von vorn, von unten. Und das jederzeit. Geschützt durch einen Wasserballhelm, Mundschutz, bei den Herren auch ein Suspensorium gehen die Spieler aufeinander los. Es handelt sich um einen Vollkontakt-Sport, bei dem aber nur derjenige angegriffen werden darf, der gerade den Ball hat. Es ist lediglich verboten, jemanden unter Wasser zu drücken, festzuhalten oder Maske und Schnorchel vom Gesicht zu reißen.

Darauf achten in einem Meisterschaftsspiel drei Schiedsrichter, zwei im Becken, einer am Beckenrand. "Aber es ist überhaupt nicht so brutal, wie man vielleicht vermutet, wenn man den Sport nicht kennt", versichert Markus Heckrath. Blaue Flecken scheinen dennoch an der Tagesordnung zu sein, wie ein Kontrollblick am Beckenrand verrät.

"Na ja, aber das ist auch schon das Einzige", versichert Stephani Roth. Auch die 27-Jährige hält das Raunen über die Härte der Sportart für übertrieben. Ihr gefällt vielmehr, dass Frauen und Männer beim Unterwasser-Rugby in einer Mannschaft spielen: "Manchmal hilft es beim Unterwasser-Rugby, wenn man klein und flink ist." Die Spielzüge werden sorgfältig eingeübt; das schnelle Spiel erlaubt nur eine knappe Verständigung mit Gesten unter Wasser.

Das größte Manko beim Unterwasser-Rugby ist dies: Zuschauer sehen kaum mehr vom Spiel als die Wasseroberfläche. Falls nahe dieser Linie um den Ball gerungen wird, brodelt das Wasser, als habe jemand einem hungrigen Piranha-Schwarm eine Rinderhälfte zugeworfen. Doch schon nach wenigen Sekunden ist das vorbei. Und es kreisen nur einige Feldspieler an der Oberfläche, durch Schnorchel atmend und bereit, sich ins nächste Getümmel zu stürzen. Meisterschaftsspiele und internationale Wettbewerber werden mittlerweile durch Unterwasserkameras aufgezeichnet und ins Netz gestreamt.

Quelle: RP
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