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Monheim
Stadt baut Internationale Klassen aus

Monheim: Stadt baut Internationale Klassen aus
Veronika Pesch und Tomaz Biffio gehören dem multiprofessionellen Team von Lehrkräften und Sozialpädagogen an, das sich um die Flüchtlingskinder der Internationalen Klasse plus im Haus der Jugend kümmert. FOTO: Matzerath
Monheim. Die Stadt Monheim stellt sich auf einen weiterhin starken Zuzug von Flüchtlingen ein und will daher die Mittel für den Ausbau der Internationalen Klassen verdoppeln - auf insgesamt 120.000 Euro pro Jahr. Seit dem Schuljahr 2013/14 unterhält sie an der Sekundarschule eine Internationale Klasse für Kinder der Klassen 5 bis 7, die über keine oder geringe Deutschkenntnisse verfügen. Von D. Schmidt-Elmendorff

Die Internationale Klasse 2 für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren ist an der Peter-Ustinov-Gesamtschule angesiedelt. Die Schüler Klassen durchlaufen zwei Phasen: In der ersten steht die Vermittlung der deutschen Sprache im Vordergrund, die Schüler nehmen aber schon in ausgewählten Fächern (Sport, Kunst) am Unterricht der regulären Klasse teil.

In der zweiten Phase soll sich der Schwerpunkt mehr in Richtung Integration verlagern, die Schüler mehr Unterricht in der Regelklasse erhalten. An der Gesamtschule wurde dies allerdings wegen der dortigen Klassenstärken bisher nicht umgesetzt, heißt es im Projektbericht der begleitenden Universität Duisburg-Essen. Die Kinder werden von Studierenden der Uni auf Honorarbasis unterrichtet.

Erst nach den Herbstferien wurde unter dem Titel "Internationale Klasse plus" eine Gruppe für Kinder und Jugendliche eingerichtet, die noch nie oder nur unregelmäßig eine Schule besucht haben. "Das sind Kinder ohne klassische Bildungsbiographie, die nicht alphabetisiert sind und im schulischen Regelkontext Schwierigkeiten haben", erklärt Peter Heimann, Leiter des Bereichs Schule und Sport. Ursprünglich sei diese Maßnahme für Kinder aus dem Kulturkreis der Sinti und Roma konzipiert worden, daher rechnet die Stadt mit einer hohen Fluktuation.

Die 13 im Haus der Jugend betreuten Kinder stammten vornehmlich aus Südosteuropa, aber auch aus Afghanistan und Syrien, so Heimann. "Sie erhalten dort eine Tagesstruktur, zwei Stunden täglich Sprachunterricht, über erlebnispädagogische Angebote werden sie in ein Regelsystem gebracht, lernen etwa Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein." Anhand von kreativen Angeboten werde die Persönlichkeitsentwicklung gefördert und motorische Fähigkeiten geschult, schließlich kennten die wenigsten von ihnen den Umgang mit Schere und Stift, ergänzt Günther Pfeil, Leiter der Abteilung außerschulische Bildung. Der Plan sei natürlich, ihnen eine Anschlussperspektive zu geben, deshalb arbeiteten auch Lehrkräfte aus den örtlichen Schulen in der Konzeptgruppe mit, sagt Heimann.

Da die Internationalen Klassen sich erst ab Schüler ab 10 Jahren wenden, müssen die Grundschulen die schulpflichtigen Flüchtlingskinder direkt aufnehmen. Dies betrifft schwerpunktmäßig die Hermann-Gmeiner-Schule. "26 Kinder - international bunt gemischt - werden derzeit bei uns in der Sprachförderung unterrichtet", berichtet Schulleiterin Claudia Ullenboom. Diese Förderung sei ein allgemeines Modell, das den besonderen Anforderungen der Flüchtlingskinder nicht gerecht wird. Um das System in Kleingruppen bzw eine Einzelförderung umwandeln zu können, habe die Schulverwaltung der Schule für zwei Jahre 1,5 Stellenanteile an Integrationshilfen zugesprochen. "Man muss dann sehen, ob es eine Anschlussförderung gibt", so Ullenboom. Die Schule habe immer schon Kinder, die mit wenig Deutschkenntnissen eingeschult wurden, gefördert, aber jetzt würden diese Stellen ausschließlich für Flüchtlingskinder genutzt. "Dabei ist die große Welle noch gar nicht bei uns angekommen."

Eine Herausforderung bleiben auch für die Stadt die schwer zu prognostizierenden Flüchtlingszahlen. "Viele schulpflichtige Kinder befinden sich derzeit ja noch in der Registrierungsphase und stehen noch gar nicht vor unserer Tür", sagt Heimann. Bei steigenden Schülerzahlen könnte sich ein Raumproblem an der Sekundarschule ergeben, wenn wegen der im Rahmen der Schulenentwicklung geplanten Umbauten der Unterricht in Container verlegt wird.

Quelle: RP
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