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Langenfeld/Solingen
300 Jahre alte Uhr schmückt Wasserburg

Langenfeld/Solingen: 300 Jahre alte Uhr schmückt Wasserburg
Der Uhrmachermeister Ralf Reichwein (l.) hat die alte Rahmenuhr im Geschichtsraum der Wasserburg aufgehängt. Der Fördervereinsvorsitzende Lothar Marienhagen freut sich über die Dauerleihgabe von Christian Beier (r.). FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Der Solinger Fotograf Christian Beier (46) ist mit tickenden Zeitanzeigern groß geworden. Sein Vater war Juwelier und Uhrmachermeister. Nach dessen Tod hat Christian Beier eine alte, bergische Rahmenuhr geerbt und sie zunächst in sein Einfamilienhaus gehängt.

Doch da passte sie nicht nur rein optisch weniger gut hin. Auch die Familienmitglieder konnten sich nur schwer an die laut tickende und zur Stunde schlagende Dekoration gewöhnen. "Ich habe deshalb nach einem Ort gesucht, der zu der über 300 Jahre alten Uhr passt", sagt Beier. Schlussendlich hat er sich für die Wasserburg Haus Graven entschieden und die Uhr als Dauerleihgabe deren Förderverein überlassen. Jetzt hängt sie im Geschichtsraum von Haus Graven. "Jeder, der diesen historischen Raumbetritt, kann die Uhr sehen", freut sich Beier über den exponierten Platz für das wertvolle, historische Zeugnis alter Uhrmachkunst.

Die Freude ist beidseitig. Aus dem Arbeitskreis Geschichtsraum, der immer auf der Suche nach authentischen Einrichtungsgegenständen ist, haben sich gleich Mitglieder gefunden, die bereit sind, die Uhr einmal in der Woche aufzuziehen. "Sie geht bis auf zwei bis drei Minuten am Tag noch ziemlich genau", sagt Beier. Sein Vater hat die Uhr vor 40 Jahren von einem Bauern erworben und restauriert. Alles ist original erhalten bis auf den Rahmen und die Frontscheibe, die in der ursprünglichen Form ersetzt wurden.

Uhrmachermeister Ralf Reichwein (Solingen) hat die Uhr erneut überholt und auch fachgerecht in Haus Graven aufgehängt - unentgeltlich. Die Geschichte der "Bergischen Rahmenuhr" beginnt Anfang des 18. Jahrhunderts. Die ausgestellte Uhr wurde von dem Solinger Uhrmacher Wilhelm Herder hergestellt, datiert und signiert auf 1720. Sie dürfte eine der ältesten existierenden "Bergischen Rahmenuhren" sein. Die "Schwesteruhr" vom selben Uhrmacher befindet sich im Besitz von Schloss Burg. Herder machte vermutlich eine Lehre bei dem bekannten Kölner Uhrmacher Johann Jacob Vogel. Er fertigte die ersten typischen bergischen Uhren als Wanduhren in Rahmenform in Kombination mit eisernem Stangenwerk, Spindelhemmung, Schlossscheibe, Gewichtsantrieb und vorderem Zapplerpendel. Die Gehäuse glichen einem Bilderrahmen. Die Uhrmacher stellten das Werk her, die Uhrgehäuse aber entstammten der Arbeit guter Schreiner. Der Geschichtsraum ist sonn- und feiertags, 14-17 Uhr, geöffnet.

Heike Schoog

Quelle: RP
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