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Lesereihe
Autorin liest, wo andere sonst schwimmen

Lesereihe: Autorin liest, wo andere sonst schwimmen
Die Autorin Anna Ulrike Bleier liest im trockenen Becken des Mona Mare aus ihrem Roman "Schwimmerbecken". Damit startet das Ulla-Hahn-Haus eine neue Lesereihe. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Es ist ein ungewöhnliches Bild. Wo normalerweise Schwimmer durchs Wasser gleiten, stehen Stühle auf dem Fliesenboden. Das leere Schwimmbecken im Mona Mare war Schauplatz der ersten Eventlesung einer neuen Reihe, die das Ulla-Hahn-Haus organisiert. "Lesungen an ungewöhnlichen Orten", erklärt Siegfried Bast, Projektleiter für den Jugendbereich des Ulla-Hahn-Hauses, der schon am Nachmittag mit rund zehn Kindern im Einsatz war. Denn nach einer kreativen Bastelstunde, bei der Tiefseewesen und Tiefseefortbewegungsmittel gestaltet werden, liest der Schauspieler, Regisseur und Kinderbuchautor Thomas Klischke aus seinem Buch "Käpt'n Kaos und der Tiefseeplanet" und entführt die jungen Zuhörer in die tiefsten Tiefen des Tiefseeplaneten, wo sie auf eine geheimnisvolle Unterwasserstadt und einen gläsernen Seedrachen trafen.

Am Abend sind die Erwachsenen eingeladen, eine Lesung mit Anna Ulrike Bleier zu erleben, die aus ihrem Episodenroman mit dem passenden Titel "Schwimmerbecken" vorträgt. "Der Roman hat 58 Episoden, die nicht chronologisch gelesen werden müssen", klärt die in Regensburg geborene Autorin das Publikum auf. Inzwischen lebt Anna Ulrike Bleier seit 25 Jahren in Köln, doch es waren ihre Reisen in die alte Heimat, die sie zu ihrem Debütroman inspirierten. "Ich habe in einem Freibad zwei Mädchen zugehört", erzählt sie. Dabei habe sie der Klang der bayrischen Sprache, die Melodie ihrer Kindheit, gefesselt. So erzählt sie in den einzelnen Episoden die Geschichte von Luise, die in Bayern als Schwimmlehrerin arbeitet. Und weil Anna Ulrike Bleier, als sie mit dem Schreiben ihres Romans begonnen hat, nur so "Oma mäßig" schwimmen konnte, hat sie einen Technikkurs belegt, um sich in die Schwimmlehrerin einzufühlen. In den einzelnen Episoden lernt der Leser die Gedankenwelt der Protagonistin kennen. Die in der "Ich-Form" geschriebenen Einblicke führen zurück in Luises Kindheit, wie in Episode 12, in der beschrieben wird, wie sie ins Freibad geht, Tag für Tag, um ihre innere Unruhe loszuwerden. "Ich war zu unruhig zum Schwimmen und zu unruhig zum Nichtschwimmen."

Sie philosophiert über die Fliesen, hat eine eindrückliche Begegnung mit dem Bademeister und seiner Kaffeemaschine und denkt über das Schwimmen nach: "Während ich schwimme, bleibt die Zeit stehen. Die Welt hört auf zu schlucken, damit ich nicht ertrinke." In "Schwimmerbecken" trifft Luise nicht nur ihr "Bruderherz" wieder, den sie seit fünf Jahren aus den Augen verloren hat, sondern rettet die junge Frau Charly vor dem Ertrinken und versucht, ihr das Schwimmen beizubringen. Ernüchtert stellt Luise in Episode 53 fest: "In Wahrheit kann man keinen Menschen retten. Man kann noch nicht einmal sich selber retten." Autobiografisch ist die Handlung nicht, aber Anna Ulrike Bleier gibt zu: "Die Atmosphäre, das Unausgesprochene, das ist autobiografisch." In der feuchtwarmen Luft im leeren Schwimmbecken wirken die Texte in jedem Fall sehr authentisch. SANDRA GRUENWALD

Quelle: RP
 
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