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Langenfeld
Blinde und sehende Radler fahren gemeinsam Tandem

Langenfeld: Blinde und sehende Radler fahren gemeinsam Tandem
Rainer Neubert (r.) und Susanne Winther (2.v.r.) sind in der Langenfelder Gruppe "Weiße Speiche" regelmäßig mit dem Tandem unterwegs. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. "Tandemfahren ist ganz anders als Radfahren", klärt Rainer Neubert auf. Der 70-jährige, sportliche Hildener, seit jeher begeisterter Radler, hörte vor zwei Jahren von der Tandemgruppe "Weiße Speiche".

In dieser seit 27 Jahren existierenden Gruppe fahren sehende "Piloten" mit Blinden beziehungsweise sehbehinderten Beifahrern. Zunächst galt es für Neubert, mit dem Tandem zurechtzukommen, erst mal ohne Beifahrer. "Der Radius ist größer, der Bremsweg länger, bei Engstellen wie Pfosten ist die Länge von rund 2,50 Metern zu bedenken", sagt er.

Die Fahrt mit Beisitzer muss geübt werden, man tauscht sich permanent aus. "Wenn ich schalten will, muss der Beifahrer eine Pause beim Treten machen, oder das Tempo rausnehmen, weil wir auf eine rote Ampel oder Engstelle zufahren." Natürlich redet auch der Pilot viel, schließlich soll der Beifahrer wissen, was es auf der Strecke zu "sehen" gibt. "Das schult die eigene Wahrnehmung, ich selbst nehme dabei meine Umwelt aufmerksamer wahr", so Neubert.

Wohin die wöchentliche Ausfahrt geht, wird in der Gruppe demokratisch entschieden. Jeder hat seine Lieblingsstrecken, Beifahrerin Susanne Winther schätzt die Strecken am Rhein entlang. Vielleicht auch, weil dort richtig Tempo gefahren werden kann. Der Fahrer warnt vor herabhängenden Zweigen, freilaufenden Hunden oder drohenden Schlaglöchern. Der Beifahrer macht sich nützlich, in dem er die Zeichen beim Abbiegen gibt, schließlich muss der "Pilot" die Hände am Lenker halten, "zum Beispiel bei einem 120 Kilogramm schweren Hintermann".

Lenken, Schalten oder Klingeln sind Aufgaben des Piloten; der Co-Pilot hat zwar auch einen Lenker, aber nur, um sich festzuhalten. "Blinde sind eigentlich vorbildliche Tandembeifahrer", schmunzelt Neubert. Ein sehender Beifahrer neigt dazu, Gewicht zu verlagern, um dem Fahrer über die Schulter zu schauen, oder sich (zu früh) in eine Kurve zu legen. Beides erfordert Gegenlenken. Im Sommer treffen sich die Gruppenmitglieder wöchentlich.

Aktuell sind 15 "Piloten" dabei, übrigens ehrenamtlich, so dass auch im Urlaub genügend Radler die Lenker der sechs Tandems am Freizeitpark übernehmen können. mmo

Quelle: RP
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