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Szene Langenfeld
Ein Nachwuchskabarettist sucht den Durchblick

Langenfeld. Einen Stuhl, ein Glas Wasser und ein Buch - die "Mattias-Engling-Gesamtausgabe Band 1" von geplanten 17, wie wir im Laufe des Abends erfahren werden - mehr braucht er nicht, der Jungkabarettist mit der runden Brille und den rosa Socken. Im Langenfelder Schaustall, wo er die Bühne betritt, ist Mattias Engling vielen im Publikum bereits gut bekannt. Denn der Kleinkünstler wuchs in Langenfeld auf, verdiente sich seine ersten Sporen im Unterhaltungsgeschäft mit dem hiesigen Improvisationstheater "puzzled", das am 7. Januar ebenfalls wieder im Schaustall zu erleben sein wird.

An diesem Abend steht er jedoch wieder einmal allein auf de Bühne. Alles dreht sich um die Sorgen und Bedürfnisse dieses jungen Mannes im Angesicht von Globalisierung und Gut-Menschentum, von Krieg und Krisen, von Politik und Pragmatismus. Er symbolisiert die Probleme einer neuen Generation von jungen Erwachsenen, die versucht, zu verstehen, die ja etwas ändern will - und doch immer wieder aufs Neue scheitert.

Sein Programm oszilliert zwischen Understatement und Selbstbehauptung, zwischen Aufruf zur Rebellion und dem Sich-doch-lieber-zurückziehen-Wollen ins behagliche Nest des Wohlstandsbürgertums und ist dabei immer wieder ein Plädoyer für die Demokratie: "Wir müssen einfach wieder mehr streiten!"

Mattias Engling braucht keine Requisiten auf der Bühne. Ganz im Zentrum seines Programms steht die Figur des verkopften, gutsituierten Jungstudenten, der sich der Probleme der Politik mit ihren vielen Widersprüchen durchaus bewusst und dennoch kaum in der Lage ist, etwas zu ändern: "Es macht hier ja gar keinen Unterschied, ob ich Ihnen mit feiner Ironie die Machenschaften des Kapitalismus auf den Punkt bringe, oder ob ich dadaistische Gedichte vortrage!" Und doch schimmert zwischen all dem immer wieder ein Funken Hoffnung auf. Ein Anlauf, der noch nicht gewagt wurde, ein Abzweig, den es noch auszuprobieren gilt. "Besser scheitern", nannte das schon Samuel Beckett. Und vielleicht geht es genau darum: immer wieder loszugehen und es einfach noch einmal zu versuchen.

In knapp anderthalb Stunden kommt Mattias Engling von Trump zu Kartoffelsalat, von der Flüchtlingskrise auf Unterwäschemodels, von Aphrodite auf Überwachung. Sein Vortrag spinnt sich fortlaufend weiter, ohne Unterbrechung, ohne innezuhalten, sodass - zugegeben - der durchaus geneigte Zuschauer nach 45 Minuten für eine Pause nicht undankbar ist. Doch gelingt es Engling immer wieder, sein Publikum einzufangen und in Atem zu halten.

Zwischen staubtrockenem Humor und Augenzwinkern schafft er einen unterhaltsamen, anregenden und witzigen Abend. Es ist keine Comedy, die hier gezeigt wird, sondern politisch-gesellschaftliches Kabarett von einem jungen Mann, der auch keine Lösung hat, der immer wieder aufs Neue losgeht, probiert, fragt, scheitert und vielleicht umkehrt. Von reflektierenden Jungkünstlern wie ihm wünscht man sich mehr auf deutschen Theaterbühnen. Mehr über den Künstler gibt's unter www.mattias-engling.de. pepa

Quelle: RP
 
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