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Gut Gegeben
Ernte, Essen und Genießen im Oberschlesischen Museum

Schlesier wissen, wie aus simplen Zutaten ein Festmahl wird. Sollen andere doch vorm Gewürzregal verzweifeln, mehr als Salz, Pfeffer und Pfiff braucht es nicht. Dazu mal eine schöne Dörrpflaume oder ein Schuss Bier und fertig sind die kulinarischen Spezialitäten. Mit "Für Leibe und Seele" thematisiert das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM) Facetten von Essen und Genuss. Von Valeska von Dolega

"Das Gute liegt so nah", erklärt Museumsleiter Stephan Kaiser bezüglich der attraktiven Kulinarika aus der befreundeten Region, die die Kultur des Essens und Trinkens markieren. In fünf Themenräume hat Museumsmitarbeiterin Christine Pleus die Exponate aufgeteilt. Der fruchtbare Boden rechts und links der Oder sowie Nutztiere wie Bentheimer Eber und Ziege markieren die "Basis, wie alles begann".

Über Möglichkeiten der Veredlung, Methoden der Konservierung mit Kochgeschirr, typische Berufe, wichtige Hilfsmittel bis hin zu koscherem Geschirr reichen die Ausstellungsstücke. Darunter sind Erstaunliches und Kurioses und immer wieder uralte Werkzeuge zu sehen.

Exemplarisch für die Phase von Ackerbau und Viehzucht ist ein Rübenheber. "Um 1820 wurde in Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik gegründet." Bis dahin war Zucker Luxus, den Nimbus der Exklusivität verlor er dann bald. Einem gewissen Franz Carl Archat wurde dafür ein Denkmal gebaut. Die Büste ist natürlich aus Zucker.

Lieblingsgerichte, die die meisten nur durch die Erinnerung von Großmüttern kennen, sind Spezialitäten, die nach Heimweh schmecken. "Mit verschiedenen Rezepturen werden verschiedene Berufsgruppen vorgestellt", die Pfefferküchler gehören hier ebenso dazu wie Imker. Aber auch die berühmten schlesischen Kartoffelklöße, die ja im Grunde die Verwandten der italienischen Gnocchi sind, finden ihren Platz. Neben Sauerkraut und Rouladen.

"In unserem Netzwerk präsentieren wir täglich ein anderes Rezept", verweisen die Macher auf einen praktischen Nutzwert der sonst so lehrreichen Ausstellung. "Es gibt sehr viele Bezugspunkte für das Publikum. Jeder hat seinen Aha-Moment", sagt Christine Pleus mit Blick auf nostalgisches Geschirr, die umfassenden Informationen zum Beruf der Hauswirtschafterin, und allerlei Geräten, die wie chirurgisches Besteck aussehen, aber zu ihrer Zeit handelsübliche Schäler oder Entkerner waren.

Und wie erfinderisch Not macht, wird auch gezeigt. Missernten, Schädlingsbefall oder Krieg sorgten für Lebensmittelknappheit.

Zu sehen ist die Schau im Oberschlesischen Landesmuseum an der Bahnhofstraße 62, Ratingen-Hösel noch bis zum 15. Oktober. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. www.oslm.de

Quelle: RP
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