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Prüflinge
Hildener Klinik bietet jetzt "Hypnobirthing" an

Die Geburtshilfe im St.-Josefs-Krankenhaus befürwortet von je her die natürliche Geburt. Von Daniele Funke

Der Begriff Hypnose hat ein schlechtes Image: Kontrollverlust, Willenlosigkeit, marionettenhaftes Verhalten. "Das ist die Art von Showhypnose, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen. Die Hypnobirthing-Methode hat mit all dem wenig zu tun. Hypnose ist nichts anderes als der Zustand der Tiefenentspannung", erklärt Aleksandra Schönthal. Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe weiß, wovon sie spricht: Ihre beiden Kinder Isabella und Julian hat sie selbst mit Hilfe der in Europa recht neuen Geburtshilfemethode zur Welt gebracht. "Damals habe ich überlegt, warum ich einen normalen Geburtsvorbereitungskurs besuchen soll, schließlich kenne ich mich ja mit der Anatomie der Frau und dem Verlauf einer Geburt bestens aus", erzählt die junge Ärztin: "Dann habe ich von Hypnobirthing erfahren und mich darauf eingelassen."

Konkret bedeutet das: Aleksandra Schönthal hat gelernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören, sich zu vertrauen, den Schmerz nicht abzulehnen, sondern anzunehmen als etwas, dass sie ihrem großen Glück, der Geburt des Kindes, ein Stück näher bringt. "In vielen Kursen wird viel zu viel über mögliche Komplikationen gesprochen. Das schürt unnötig Ängste und bringt viele Frauen dazu, sich selbst nicht mehr wahrzunehmen, sondern nur noch nach Anleitung der Ärzte zu agieren." Vier Sitzungen à 180 Minuten, möglichst von der 24. bis zur 28. Schwangerschaftswoche werden empfohlen. So hat die werdende Mutter und ihre Begleitung noch genügend Zeit, die Übungen bis zur Geburt zu verinnerlichen. "Zu Beginn des Kurses bekommen die Frauen auch eine CD mit spezieller Musik. Wenn sie die Übungen immer mit der Musik koppeln, kann die klassische Konditionierung einsetzen: Im Kreißsaal hören sie die Musik und sind automatisch in diesem tiefenentspannten Zustand", schildert Aleksandra Schönthal.

Chefarzt Dr. Krystian Kuboth ist stolz auf sein für neue Methoden offenes Team. "Wir wollen eigentlich immer das Ziel erreichen, die Geburt eines Kindes der Natur zu überlassen und möglichst wenig einzugreifen; natürlich immer unter der Prämisse, dass es allen Beteiligten gut geht und dabei kein Risiko entsteht. Wir haben jedes Mal eine Hochachtung vor dem Moment der Geburt."

Durch die neue Methode, die aus den USA stammt, kann keiner Frau eine schmerzfreie Geburt versprochen werden. "Das wäre der völlig falsche Ansatz", sagt Dr. Schönfeld, "Wenn Schmerzmittel oder ein Kaiserschnitt nötig sind, werden wir natürlich handeln. Bis dahin aber können wir die Frauen lehren, mehr Selbstvertrauen zu haben und auf den Körper zu hören. Wir vermeiden daher auch negativ belegte Worte wie Schmerz oder Wehe, und sprechen stattdessen von Spannung und Welle. Worte haben nämlich eine ganz schöne Macht."

Anmelden können sich werdende Eltern ab sofort. Die Kosten erstatten die Krankenkassen nicht. Krankenhausdirektorin Monika Felkl sagt: "Das kommt oft erst viel später, wenn die Kassen den Erfolg einer Behandlungsmethode anerkennen."

Quelle: RP
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