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Langenfeld
Stadtmuseum würdigt 34 Exilkünstler

Langenfeld: Stadtmuseum würdigt 34 Exilkünstler
Bei der Eröffnung der Ausstellung "1933 - 1945 Schicksale einer verschollenen Generation". Museumsleiterin Dr. Hella-Sabrina Lange mit Leihgeber Thomas B. Schumann. FOTO: rm-
Langenfeld. Ausstellung "1933-1945 - Schicksale einer verschollenen Generation" zeigt Werke von kaum bekannten Künstlern, die zur NS-Zeit geflüchtet waren. Von Viola Gräfenstein

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatten ab 1933 zehntausende Kulturschaffende wegen ihrer politischen Gesinnung oder jüdischen Herkunft Deutschland verlassen. Die von den Machthabern unerwünschten Werke wurden in öffentlichen Bücherverbrennungen oder bei der Entfernung so genannter "entarteter Kunst" aus Museen systematisch vernichtet, verboten und verfemt. Die am Sonntag im Stadtmuseum eröffnete Ausstellung "1933-1945 - Schicksale einer verschollenen Generation" zeigt Werke von 34 ins Ausland geflüchteten Künstlerinnen und Künstlern, die nach 1945 im Abseits des Vergessens blieben.

Viele der eher unbekannten 34 Künstler, die aus Angst vor Verfolgung und Deportation Nazideutschland verlassen hatten, gingen nach Paris, in die USA oder nach England. Die jetzt in Langenfeld präsentierten 42 Werke von Ludwig Meidner, Arthur Kaufmann, Charlotte Berend-Corinth, Franz Monjau, Juli Wolfthorn und 29 weiteren Künstlern stammen aus der Sammlung "Memoria" von Thomas B. Schumann aus Hürth. Er hat sich das Bewahren und Erinnern an die damaligen Exilkünstler zu seiner Lebensaufgabe gemacht.

Es gehe in dieser neuen Ausstellung im Freiherr-vom-Stein-Haus nicht um große Namen, betonte Bürgermeister Frank Schneider bei der Vernissage. Vielmehr wolle das Stadtmuseum anderen Exilkünstlern, "die ebenso wichtig waren, einen Platz geben, einzelne Schicksale beleuchten und an sie erinnern".

Zu sehen sind etwa Porträts bekannter Persönlichkeiten wie Thomas und Heinrich Mann, gezeichnet von Benedikt F. Dolbin. Die vielfältige Schau zeigt ebenso romantische Landschaften wie die "Drei Fischerboote bei Alassio" von Charlotte Berend-Corinth wie auch kritische Auseinandersetzungen mit damaligen politischen Zuständen; hierzu zählen etwa Adolf Fleischmanns "Internierungslager" sowie Arthur Kaufmanns "Flüchtlinge".

Die Ausstellung zeigt nach den Worten von Museumschefin Dr. Hella-Sabrina Lange Werke von Künstlern, "die in einer faszinierenden Zeit des Stilpluralismus tätig waren und gibt den Verfolgten eine Heimat wider das Vergessen". Sie solle außerdem darauf hinweisen, dass es noch immer kein Museum für Exilkünstler in Deutschland gibt.

Dies unterstreicht Sammler Schumann. "Es gibt in Deutschland an die achttausend unter anderem vom Bund finanzierte Museen zu fast jedem Thema wie Currywurst, Schokolade, Torf oder Selterswasser, nur kein Museum des Exils. Die Emigranten, sind die letzte Verfolgtengruppe ohne museales Memorial." Leihgeber Schumann widmet sich seit vielen Jahren nicht nur als Kunstsammler, PEN-Mitglied, sondern auch als Verleger für Exil-Kultur des einzigartigen Verlags Edition Memoria der Exil-Thematik widmet. Als Kind hatte er einst Katja Mann getroffen, die Witwe von Thomas Mann. "Seitdem ließ mich das Thema nicht mehr los. Ich wollte etwas für die Vergessenen und gegen das Vergessen tun." Mit Schumann setzen sich auch Prominente wie Nobelpreisträgerin Herta Müller oder Filmregisseur Georg Stefan Troller für ein Museum des Exils ein.

"Es ist wichtig, auch einmal an die unbekannten Exil-Künstler zu erinnern und ihnen ein Gesicht zu geben", sagt Museumsbesucher Elmar Wünderlich aus Köln. "Schade, dass hier heute nur ältere Museumsbesucher da sind. Das Thema hier ist gerade auch für junge Leute sehr wichtig", meint Dagmar Plötz aus Köln. Für einen berührenden musikalischen Rahmen sorgte das Duo "Raufaser", etwa mit Bertolt Brechts "Lied einer deutschen Mutter". Das passte "sehr gut zu der Ausstellung", befand Ulrike Meyer.

Quelle: RP
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