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Monheim
Stadtplanerin findet verborgene Schätze

Monheim. Das Architekturbüro Hendrix und die Verwaltung hoffen bei der Bestandsaufnahme erhaltenswerter Gebäude in der Altstadt auf die Hilfe der Anwohner. Von Petra Czyperek

Anett Mesletzky (35) blickt durch ein schmiedeeisernes und mit Ranken verziertes Gartentörchen in einen Hinterhof an der Freiheit. Dort steht noch die alte Backstube der ehemaligen Bäckerei, die früher im Vorderhaus ansässig gewesen ist. So wie es aussieht, wird die Backstube jetzt als Schuppen genutzt. Die Mauern haben zwar dicke Risse, doch das alte Fachwerk ist deutlich sichtbar. "Manche Dinge, die im Hinterhof schlummern, lassen sich gut von der Straße aus erkennen", sagt die Diplom-Ingenieurin. Seit rund einem Jahr arbeitet sie im Team der Monheimer Bauaufsicht.

Zusammen mit dem Architekturbüro Hendrix macht die Stadtplanerin in der historischen Altstadt gerade eine Bestandsaufnahme, bei der erhaltenswerte Gebäude und Ensembles erfasst werden. Dabei hofft die Stadtverwaltung sehr auf die Hilfe der Anwohner. "Ich möchte die Eigentümer für die historische Bausubstanz sensibilisieren, damit die Bauten nicht irgendwann verschwinden", sagt Mesletzky. "Nur was man kennt, weiß man zu schätzen."

Innerhalb der nächsten Wochen wollen Experten weiter auf Schatzsuche gehen. Einige ausgewählte Objekte seien bereits mit einer Thermographie-Kamera in Augenschein genommen worden. "So lässt sich das Fachwerk auch hinter einer verputzen Fassade erkennen", erklärt Mesletzky. Besonders interessant sind für sie die rückwärtigen Bereiche der Wohnhäuser im Denkmalschutzbereich zwischen Grabenstraße einschließlich Kradepohl - Kirchgässchen - Franz-Boehm-Straße bis Kapellenstraße. "Oft finden sich dort historisch wertvolle Anbauten oder Ställe", weiß die Ingenieurin. Sie weist dabei unter anderem auf ein windschiefes Gebäude im Hinterhof eines Hauses an der Poetengasse hin. "Das sieht beispielsweise nach einem ehemaligen Stall aus." Auch dort sind die Holzbalken des Fachwerkbaus von der Straße aus deutlich zu sehen.

Doch nicht alle historischen Befunde lassen sich auf den ersten Blick erkennen. "In diesen Fällen sind wir auf die Zusammenarbeit mit den Altstadtbewohnern angewiesen", sagt die 35-Jährige. "Wir freuen uns über jede Hilfe von Eigentümern, die stolz auf ihr Gebäude sind und den Experten die Möglichkeit geben, einen Blick in den Garten- oder Hofbereich zu werfen."

Nach der Altstadtsatzung, die der Rat bereits 2005 beschlossen hat, und dem 2013 aufgelegten Fassadenprogramm, ist der Blick in die Innenhöfe ein weiterer Baustein zum Schutz und zur Wiederherstellung des alten Erscheinungsbildes. "Das lässt sich natürlich nicht übers Knie brechen", sagt Mesletzky. Deshalb gebe es auch keinen Zeitrahmen für die Umsetzung. Wichtig sei vielmehr eine gute Kooperation mit den Besitzern. "Wir informieren sie und laden zum Gespräch ein." Manche wüssten vielleicht gar nicht, welche Schätze im Hinterhof schlummerten. In einigen Fällen reichten bereits kleine Maßnahmen aus, um sie zu heben. So ließen beispielsweise die Anwohner eines Hauses an der Zollstraße Türen und Fenster denkmalgerecht sanieren. Sie konnten mit dieser Aktion den alten Charme des Gebäudes wieder aufleben lassen.

Entschließen sich Eigentümer zu einer solchen Sanierung, beteiligt sich die Stadt mit 40 Prozent der Gesamtkosten, höchstens aber mit 15.000 Euro. Manfred Poell hat sein Architekturbüro an der Turmstraße/Ecke Freiheit. Noch bevor das Fassadenprogramm aufgelegt worden ist, ließ er die Außenwand komplett sanieren. Auch das "Zollhaus 1257", in dem sich ein Restaurant befindet, ist in seinem Besitz und wurde aufwendig restauriert. "Das kann für den Einzelnen schon ein Kraftakt sein - trotz Fördergelder."

Quelle: RP
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