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Monheim
Stolperstein für ein Denunziations-Opfer

Monheim: Stolperstein für ein Denunziations-Opfer
Der Historiker Karl-Heinz Hennen (re.) und Bürgermeister Daniel Zimmermann richteten die Gedenkfeier aus. In der Mitte des gemauerten Felds befindet sich der Stolperstein mit der Messingplatte (kleines Foto) für Ernst Kolisch. FOTO: rm-; Stadt
Monheim. In Monheim wurde der 14. Gedenkstein verlegt. Bürgermeister Zimmermann sprach bei der Feier. Von Petra Czyperek

13 Stolpersteine erinnern in Monheim bereits an das Schicksaal jüdischer Mitbürger und an den katholischen Pfarrer Franz Boehm - sie alle waren von den Nationalsozialisten verfolgt und später ermordet worden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hatte die quadratischen Pflasterstücke 2003 verlegt. Jetzt gibt es am historischen Kran neben dem Monbag-See einen weiteren Gedenkstein - für Ernst Kolisch, dem es lange gelungen war, seine jüdische Abstammung zu verbergen. Er arbeitete 1944 bei der Kies- und Sandbaggerei Schwartner an der Opladener Straße und lebte gegenüber im Waldschlößchen in einem möblierten Zimmer. Die Tochter seiner Wirtin denunzierte den gebürtigen Tschechen. Er wurde festgenommen und starb 1945 im KZ Buchenwald.

Zur Gedenkstunde waren neben Bürgermeister Daniel Zimmermann auch mehrere städtische Fachbereichsleiter und der Historiker Karl-Heinz Hennen gekommen. Der hatte in seinem 2014 erschienenen Buch "Geschichte der Juden in Monheim" das bis dahin kaum bekannte Schicksal von Kolisch beschrieben. Michael Emmerich aus Haan habe ihn auf das tragische Ereignis aufmerksam gemacht, erläuterte er. Emmerich recherchierte 2012 für seine Magisterarbeit und stellte ihm seine Ergebnisse über Kolisch zur Verfügung, als er hörte, dass der Monheimer eine Dokumentation zum Thema plante.

Kolisch kam 1908 nach Deutschland: ein schlanker Mann mit blauen Augen und braunem Haar. Er arbeitete in wechselnden Beschäftigungsverhältnissen unter anderem im Buchhandel und später als Buchhalter, zuletzt bei der Firma Schwartner. Nach seiner Verhaftung kam er zunächst nach Langenfeld und wenige Tage später in das Gerichtsgefängnis in Opladen, dann nach Düsseldorf. Am 1. Dezember wurde er als "Polizeihäftling-Jude" nach Buchenwald überführt. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 46 066. Wohl schon infolge der Gestapo-Haft stark abgemagert, wog er nur noch 56 Kilogramm. Er starb am 26. März 1945. In den knapp vier Monaten gab es 22 Krankmeldungen. Unter anderem war er am 17. März mit dem Befund "Allgemeine Schwäche - Colitis" in das Krankenrevier gegangen.

Als man vor eineinhalb Jahren beschlossen hatte, für Kolisch einen symbolischen Stolperstein am Kran zu verlegen, habe er nicht gedacht, dass es in Deutschland wieder so viele fremdenfeindliche Anschläge geben würde, wie es aktuell der Fall sei, sagte Bürgermeister Daniel Zimmermann bei der Gedenkfeier. Mit den Stolpersteinen gebe man den KZ-Häftlingen ihren Namen zurück. Zimmermann wies darauf hin, wie unnötig die Denunziation von Kolisch war. "Niemand hat sie dazu gezwungen." Hätte sie einfach ihren Mund gehalten, wäre kein Menschenleben ausgelöscht worden. "Sie hat es bewusst getan." Zum Abschluss der Gedenkfeier legten die Teilnehmer nach jüdischem Brauch Steine neben dem Kranz am Gedenkstein ab.

Quelle: RP
 
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