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Langenfeld
Strandgut vereint Kunst, Politik und Umwelt

Langenfeld. Die Langenfelder Künstlergruppe Falter stellt bis zum 16. September im Obergeschoss des Marktkarrees aus. Von Daniele Funke

Alles, was an den Stränden angespült wird, nennt sich Strandgut. Das sind längst nicht mehr nur Muscheln, Reste von alten Fischernetzen oder Treibhölzer. Die Künstlergruppe Falter hat ihre vielfältigen Assoziationen zum Thema auf verschiedenste Arten umgesetzt.

Ein runder Haufen Sand, ummantelt von alten Schiffstauen. Darum scheinbar willkürlich verteilt: skurrile Gegenstände aus dem Meer wie ein vermodertes Weißwein-Tetrapack, eine zerfetzte Weingummitüte, ein alter Fahrradsattel, zerquetschte Einwegdosen, Plastiktüten. "Hinterlassen auch Sie ihre Fußspuren im Sand" liest der Besucher auf einem Schild vor dem Exposé. Scheinbar hat die Künstlerin den sarkastischen Umgang mit dem Thema "Meer als Müllkippe" gewählt. "Wir als Künstlergruppe setzen uns zusammen und planen ein Thema. Wie jeder einzelne von uns damit umgeht und was er daraus macht, das bleibt ihm selbst überlassen", erklärt Falter-Sprecher Claus-Peter Peters. "Manch einer wählt den Weg der klaren Bilder und Botschaften, so wie diese Künstlerin, andere halten es abstrakter, die Interpretation liegt dann bei dem einzelnen Besucher."

"Strandgut" nennt sich die aktuelle Ausstellung im Obergeschoss des Marktkarrees (Solinger-/Friedhofstraße). Eigentlich umschreibt der Begriff Gegenstände, die durch Strömungen und Tiden angeschwemmt werden. Doch laut Künstlerin Helga Elisabeth müsste diese Definition radikal überarbeitet werden. "Wie viele Menschen, Flüchtlinge, stranden mittlerweile, welch Katastrophe, es ist kaum auszuhalten..." Die Künstlerin drückt Verzweiflung und Betroffenheit beeindruckend in düsteren und symbolträchtigen Acrylmalereien aus. Ein aus rostigem Metall geformtes Schiffswrack bedarf keinerlei zusätzlicher Interpretation. "Normalerweise verkaufen wir unsere Kunstwerke. Aber von diesem Wrack möchte ich mich nicht trennen, es bedeutet mir so viel."

Ralf Blechs Leidenschaft gehört der Holzverarbeitung. "Dies hier ist tatsächlich bearbeitetes Treibholz", sagt der Langenfelder und zeigt auf eine glatte Skulptur. "Sie ist aber nicht im Rahmen der Ausstellung und der Thematik entstanden. Das ist reiner Zufall." Für die Falter-Schau hat er das künstlerische Genre gewechselt. "In der Kunst fällt einem halt manchmal auch trotz intensivem Brainstorming nichts konstruktives im bildhauerischen Bereich ein." Blech lächelt fast ein wenig entschuldigend: "Daher habe ich diesmal eine Fotocollage beigesteuert." So setzt er das Thema umweltpolitisch um. "Die Collage zeigt zwar einen fiktiven, dennoch nicht unwahrscheinlichen Blick in die Zukunft zum Thema Klimawandel."

Die Strandgut-Ausstellung ist vielseitig, zeigt neben tiefgängigen und phantasieanregenden Werken auch die klassische Schwarzweiß-Fotografie der Möwe am Strand oder oder die gute alte Miesmuschel in Acryl. "Danke für die vielen Ideen rund um das Thema", schreibt Besucherin Ingrid während der Vernissage in das ausliegende Gästebuch. Eine Seite weiter heißt es. "Tolle Ausstellung. Wiederkommen vorgenommen."

Quelle: RP
 
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