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Baumberg/Düsseldorf
Streit um Hunde in der Kämpe

Baumberg/Düsseldorf. Hundebesitzer können nicht verstehen, warum ihre Vierbeiner an der Leine gehen müssen, während Fahrzeuge des Ordnungsamtes durch die Urdenbacher Kämpe fahren. Von Birgit Wanninger

Mit ihrem Zwergschnauzer Jana geht Karin H. regelmäßig in der Urdenbacher Kämpe spazieren. Da lässt sie, das gibt sie zu, ihren Hund auch ohne Leine laufen. "Aber der Hund bleibt immer bei mir", sagt sie, und wenn Radfahrer kämen, bliebe der achtjährige Vierbeiner brav stehen. "Hunde müssen doch auch mal frei rumlaufen dürfen", sagt sie. "Wir nehmen halt Rücksicht aufeinander", erklärt sie.

Doch bei ihrem jüngsten Rundgang von etwa zehn Kilometer durch die Kämpe traute sie ihren Augen nicht. "Da kam mir tatsächlich ein Auto entgegen", berichtet sie. Eines vom Düsseldorfer Ordnungsamt. Sie habe das Auto angehalten und den Fahrer gefragt, was er mitten im Naturschutzgebiet wolle. "Wir dürfen das", habe der Fahrer gesagt, und Karin H. schüttelt mit dem Kopf. "Das war direkt in der Nähe vom Alterrhein, also im Naturschutzgebiet. Das kann doch nicht wahr sein", meint sie immer noch verärgert. Es könne doch nicht angehen, dass Fahrzeuge des Ordnungsamtes durch das Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe fahren, um Hundebesitzer zu jagen, die eventuell ihre Hunde nicht angeleint haben", erklärt sie. Das habe sie auch in einem Brief an den Düsseldorfer Oberbürgermeister und ans Ordnungsamt geschrieben. Auch ein Bus des Ordnungsdienstes (OSD), besetzt mit drei Personen, sei schon über die Spazierwege gefahren. Für Karin H. unerklärlich. Das Düsseldorfer Ordnungsamt bestätigt, dass Fahrzeuge des OSD ebenso wie die der Polizei sowohl durch das Landschaftsschutzgebiet als auch durch das Naturschutzgebiet fahren können. "Schließlich müssen sie schnell und effizient am Einsatzort sein." Dass mehrere Mitarbeiter im Wagen säßen, sei nicht ungewöhnlich, erklärt ein Stadtsprecher auf die Einwände der Hundebesitzerin.

Immer wieder gebe es nicht angeleinte Hunde in der Kämpe, bestätigt eine Joggerin, die morgens am Altrhein entlang läuft. Häufig habe sie schon beobachtet, dass Hundehalter ein Schwätzchen hielten und die Vierbeiner frei herumliefen. Sie habe dann kein gutes Gefühl, an den Hunden vorbeizukommen, meint sie. "Der tut nix", lautet gerne die Antwort der Hundebesitzer. Diese Aussage kann auch Silke Wiebrock vom Düsseldorfer Gartenamt bestätigen und fügt hinzu: "Im Naturschutzgebiet gehört der Hund an die Leine. Im Landschaftsschutzgebiet darf er sich frei auf den Wegen bewegen - aber nur auf den Wegen."

Nicht nur Ordnungsdienst und Polizei dürfen im Naturschutzgebiet mit dem Auto fahren, auch das Gartenamt, Förster und Landwirte. Kurzum, alle die, die eine Sondergenehmigung bekommen haben. Dazu zählt auch die Biologische Station Haus Bürgel in Baumberg. Diese hat zwei Autos, mit denen sie regelmäßig in die Kämpe fährt. "Nach einem Sturm müssen wir beispielsweise kontrollieren, ob Bäume umgefallen sind oder Äste Wege blockieren", sagt Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station. Sie und ihre Mitarbeiten schauen nach, ob Bänke freigemacht werden müssten oder ob die Infotafeln zerstört worden sind. "Das geht nicht zu Fuß, das würde viel zu lange dauern - das gilt vor allem für die Kontrollgänge", sagt Löpke. Die Anleinpflicht, die übrigens auch in allen Düsseldorfer Parkanlagen gilt, habe ihren Grund und sei keine Willkür, erklärt Wiebrock. Kot und Urin der Hunde änderten den Nitratgehalt des Bodens. Das habe Auswirkungen auf die Pflanzenarten. Seltene Sorten würden dann kaum oder gar nicht mehr wachsen. Außerdem gebe es zahlreiche Bodenbrüter, beispielsweise Rebhühner, erklärt Silke Wiebrock, deren Nester durch freilaufende Hunde zerstört werden könnten. Momentan seien wieder Hasen in der Kämpe unterwegs. Viele Hunderassen gehen aber ihrem Jagdtrieb nach - wenn sie frei rumlaufen dürfen. Da hätten die Hasen keine Chance. Deshalb der Appell: Hunde im Naturschutzgebiet angeleint lassen.

Quelle: RP
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