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Langenfeld/Monheim
Streit um Windräder verschärft sich

Langenfeld/Monheim. Der mögliche Bau von bis zu fünf Windkraftanlagen (WKA) an der A 59 sorgt für wachsenden Unfrieden zwischen Befürfwortern und Gegnern des Projekts. Die Langenfelder Grünen haben jetzt Anti-WKA-Proteste in Berghausen zum Anlass genommen, einen Gegner der Windräder persönlich aufs Korn zu nehmen: "Die jetzt tatsächlich vorhandenen Belästigungen für die Berghausener in Gestalt von lauten Sommer- und Strandpartys, Flutlicht, Lautsprecherdurchsagen und dem regelmäßig hohen Verkehrsaufkommen sowohl durch den Fußballplatz wie durch die Wasserski-Anlage erträgt man mehr oder weniger geduldig, aber auf 600 bis 3000 Meter entfernte, umweltverträgliche Windanlagen reagiert man allergisch", schreibt Grünen-Ortschef Günter Herweg in einer Pressemitteilung. Von Thomas Gutmann

Gemeint ist Johannes Sühs. Der Betreiber der Wasserskianlage hatte sich, wie berichtet, vorige Woche in der Monheimer Bürgeranhörung zu Wort gemeldet: Die geplanten, möglicherweise mehr als 200 Meter hohen Windräder würden den Naherholungswert des gesamten Gebiets am Knipprather Wald optisch wie akustisch erheblich schmälern. "Die Menschen in unserem Ballungsraum haben genug Stress und wollen sich auch irgendwo erholen, ob nun bei Spaziergängen oder geselligen Abenden am Strand. Dafür wird dieses Gebiet zwischen beiden Städten seit gut 30 Jahren entwickelt. Wollen wir das alles aufs Spiel setzen", legte Sühs jetzt in einem RP-Gespräch nach.

Für die Grünen sind das alles "nur die alten, unhaltbaren Scheinargumente von Verschattung und Lärmbelästigung", wie Dietmar Sonntag, neuer Ratsherr der Grünen in Langenfeld, nach einer Besichtigungsfahrt seiner Partei zu einem Windpark in Korschenbroich erklärte. In hundert Meter Abstand höre man nur noch den frischen Wind. Davon hätten sich selbst einige Reusrather WKA-Gegner, die mitgefahren seien, überzeugen können.

Mit Eindrücken von solchen Überlandfahrten werben auch Teile der CDU für die von Bund und Ländern betriebene "Energiewende" nach dem vorgezogenen Atomausstieg infolge der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima vor zwei Jahren. "Wir waren überrascht, wie vergleichsweise leise diese Windräder rotieren", erinnert sich Hans-Dieter Clauser, Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung in Langenfeld, an die Besichtigung eines "Bürger-Windparks" im Rothaargebirge. Für den ehemaligen Landtagsabgeordneten gilt deshalb trotz der immer deutlicher zutage tretenden Schattenseiten der planwirtschaftlich organisierten "Energiewende" (steigende Strompreise, Stilllegung moderner Gaskraftwerke etc.) auch weiterhin: "Wer das eine (den Atomausstieg) will, der muss das andere (die Windräder) mögen."

Über diesen offiziellen CDU-Kurs schütteln indes nicht nur in Berghausen viele Christdemokraten wie etwa Unternehmer Johannes Sühs den Kopf. Auch der Monheimer Stadtverbandsvorsitzende Markus Gronauer kann sich über den "überstürzten Atomausstieg" und den "volkswirtschaftlich schädlichen Zeitdruck", den sich "dieses Land bei dem im Prinzip richtigen Umbau des Energiesystems" setzt, geradezu in Rage reden. "Windräder sind teuer und hässlich", sagt er mit Blick auf die Milliarden-Subventionen, die an die "Ökostrom"-Produzenten fließen. "Und dafür sollen wir auch noch unsere Landschaft entstellen?" Weshalb hat dann seine Ratsfraktion das Verfahren zur Ausweisung einer WKA-Konzentrationszone mit auf den Weg gebracht? "Weil WKA an der A 59 das geringere Übel sind. Die werden kommen – ob wir wollen oder nicht." Da ist Langenfelds CDU-Chef Hans-Georg Jansen, obgleich offiziell kein Gegner des Projekts, anderer Meinung: "Wir sind erst am Anfang des Planverfahrens. Ich sehe an unserem Horizont noch kein Windrad." Vor einer möglichen Flächennutzungsplan-Änderung wird neben dem Landschaftsbild unter anderem auch der Artenschutz (Vögel, Fledemäuse etc.) in den Blick genommen. Naturschützer haben bereits Bedenken gegen die WKA geäußert.

(RP/ac)
 
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