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Langenfeld/Monheim
Tafeln konkurrieren um Spender

Langenfeld/Monheim: Tafeln konkurrieren um Spender
Diana Rauch kümmert sich für den SkF Langenfeld federführend um den Sozialladen Die Tüte. An vier Tagen pro Woche holt ihr Team überschüssige Lebensmittel von Einzelhändlern ab, zweimal wöchentlich sind Regelverkaufstage. FOTO: Matzerath
Langenfeld/Monheim. Der Langenfelder Sozialladen "Die Tüte" erhält ausgerechnet vom größten Lebensmittel-Filialisten der Stadt keine überschüssige Ware. Bedürftige Kunden klagen deshalb über leere Regale: "Oft ist nur noch Brot übrig". Von Thomas Gutmann

Jasmin Yassin reiht sich regelmäßig in die Kundschaft der "Tüte" an der Immigrather Straße ein. Der Laden des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) verkauft Lebensmittel-Spenden zu Cent-Preisen an bedürftige Langenfelder. "Ich bin Altenpflegerin, komme aber mit meinem Einkommen kaum über die Runden", sagt die 26-Jährige. Deshalb zieht sie oft dienstags oder donnerstags, einem der Ausgabetage, eine Losnummer und wartet mit Dutzenden anderen, bis sie an der Reihe ist einzukaufen. "Wenn ich Pech habe und ich erst als dreißigste oder später in den Laden darf, ist oft nur noch Brot übrig", seufzt Yassin. Das gehe nun schon seit einem halben Jahr so. Die Schuldigen macht sie in mehreren Lebensmittel-Ketten aus: "Von denen bekommt die ,Tüte' nichts."

Stimmt das? Rainer Sartoris vom SkF antwortet mit einem "Jein". Was die Nicht-Spender angeht, bestätigt er dies für den SB-Warenmarkt "Real": "Wir würden uns natürlich wünschen, wenn wir auch vom größten Lebensmittelhändler der Stadt unterstützt werden würden. Aber Real ist vertraglich an die Tafeln gebunden, die dem Bundesverband Deutsche Tafel angehören. Dazu zählen wir nicht."

Nach Auskunft von Real beliefert die Langenfelder Filiale seit Jahren die Tafel des Sozialdiensts Katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Monheim. Eine vertragliche Exklusivleistung ist dies laut Evelin Schulz vom Tafelverband in Berlin aber keineswegs: Vielmehr bleibe von den überschüssigen Lebensmitteln von Real für die "Tüte" schlicht nichts mehr übrig. Dass Bedürftige in Langenfeld deshalb zum Teil vor leeren Regalen stehen, stellt SkF-Bereichsleiter Sartoris nicht in Abrede, sagt aber auch: "Wir haben nie den Anspruch erhoben, ein volles Sortiment zu bieten." Vielmehr wüssten die rund 30 Mitarbeiter der "Tüte" (darunter ein hauptamtlicher) nie, mit wie vielen und welchen Spenden sie bei der Abholung in Discountern und anderen Läden aktuell rechnen können. "Milchprodukte sind generell knapper als etwa Gemüse, aber es kommt auch ,Überfluss' vor." So sei kürzlich eine ganze Tonne "Twix" angekommen. Dann helfen Kooperationen mit anderen Tafeln, etwa der in Hilden.

Knapp 50 Kunden hatte die "Tüte" im Mai an einem durchschnittlichen Ausgabetag. Auf die betroffenen Haushalte umgerechnet, erreicht sie etwa dreimal so viele Menschen. Könnte der SkF ihnen zuliebe nicht dem Tafelverband beitreten, um auch von "Real" Spenden zu erhalten? "Dafür müssten wir unser Konzept ändern. Flatrate statt Einzelpreise. Aber das wollen wir nicht. Wir möchten, dass die Kunden möglichst gezielt das kaufen, was sie auch benötigen", sagt Sartoris. Eine Flatrate gibt's hingegen bei der Monheimer Tafel. Diejenigen, die dienstags oder donnerstags ins Johanneshaus an der Brandenburger Allee kommen, bezahlen gewissermaßen Eintritt (4 Euro) und dürfen dann zugreifen bis zu einem Limit, das ihre Haushaltsgröße vorgibt. Wer wann an der Reihe ist, entscheidet auch in Monheim das Los. Gehen Spätplatzierte regelmäßig leer aus? "Nein", sagt SKFM-Geschäftsführer Elmar Borgmann, räumt aber ein: "Etwa 10 bis 15 Prozent äußern sich unzufrieden mit dem, was sie erhalten haben."

Die Monheimer Tafel erreicht laut Borgmann zurzeit etwa 500 bis 600 Menschen. Das seien gut 100 mehr als vor der Flüchtlingswelle im vorigen Jahr. Die Langenfelder "Tüte" hat laut Sartoris ebenfalls mehr Kunden als vor Jahresfrist. Schlangen von 100 Leuten und mehr, wie noch im Winter, bildeten sich aber nicht mehr vor dem Sozialladen.

Quelle: RP
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