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Kreis Mettmann
Tierische Invasion im Neanderland

Kreis Mettmann: Tierische Invasion im Neanderland
Waschbären sind deutschlandweit auf dem Vormarsch, auch im Neanderland. FOTO: Klaus Tamm
Kreis Mettmann. Aus "Touristen" sind längst Mitbewohner in der Region geworden: beispielsweise Waschbären, Buchsbaumzünsler, Kanadagans und Weinbergschnecke. Von Sabine Maguire

Sie kommen in Kisten und Koffern. Manche werden vom Winde verweht. Andere büchsen einfach nur aus, weil jemand vergessen hat, den Vogelkäfig und das Fenster zuzumachen. Gemeint sind exotische Invasoren, die seit Jahren auch das Neanderland bevölkern. Waren sie anfangs das, was man wohl "tierische Touristen" nennen könnte, so sind sie längst zu Mitbewohnern geworden. Manche von ihnen mutieren zu Plagegeistern, die sich kaum noch vertreiben lassen und die heimische Tierwelt ordentlich in Stress versetzen.

Die Wespenspinne war bis vor etwa 50 Jahren vor allem im südlichen Europa verbreitet.

Andere sind einfach nur putzig anzuschauen, wie die Halsbandsittiche auf der Düsseldorfer Königsallee. Einige von ihnen sind ein paar Kilometer weiter ins ländliche Hochdahl umgezogen - direkt in den Garten des Chefs der Unteren Landschaftsbehörde (ULB). "Sie saßen bei mir im Apfelbaum", erinnert sich Klaus Adolphy an den Tag, als er die possierlichen Papageien im Vorjahr erstmals sichtete. "Bei mir dürfen sie auch Äpfel fressen."

Vermutlich würde das Statement anders ausfallen, wären es nicht Halsbandsittiche, sondern Waschbären gewesen. Die hätten wohl auf der Suche nach Essbarem Mülltonnen durchstöbert oder gar auf dem Dachboden randaliert. Aus Expertensicht weiß Adolphy: "Wir müssen uns damit arrangieren." Die Waschbären-Population sei längst zu groß, als dass man die Tiere noch in ihre angestammte Heimat zurückdrängen könnte." Neozoen oder auch Neobiotika: Auf diese Fachvokabeln hören die Zugewanderten oder Zugeflogenen mit Migrationshintergrund. Manche von ihnen leben schon seit Jahrzehnten hier. Andere wiederum - wie der Buchsbaumzünsler - sind neu zugereist. Die Eier und auch die Raupen des Schmetterlings verstecken sich im Buchsbaumlaub und sind quasi als kostenlose Beigabe im Gartencenter käuflich zu erwerben.

Klaus Adolphy, Untere Landschaftsbehörde, hatte Halsbandsittiche in seinem Garten. FOTO: achu

"Mit dem weltweiten Warentausch kommen natürlich immer mehr Arten aus Asien oder Amerika nach Europa. Allerdings gelingt es den wenigsten, hier auch sesshaft zu werden", weiß Klaus Adolphy. Dafür sorgen diejenigen, die es schaffen, zuweilen für reichlich Ärger unter den Artenschützern. So stehen die in der Haaner Grube 7 von Naturschützern gehegten und gepflegten Kröten auf der Speisekarte besagter Waschbären ganz oben. "Vor einigen Jahren konnten wir Froschkonzerte in der Grube 7 genießen, heute herrscht da Ruhe", stellt Landschaftswächter Hans-Joachim Friebe fest.

Ziemlich eng wird es auch für den heimischen Marienkäfer. Die asiatischen Konkurrenten laden nämlich winzige Parasiten auf dem Rücken ihrer buckeligen Verwandtschaft ab, um beim Kampf um den Lebensraum zu punkten.

Die Kanadagans fällt unter die Rubrik "komplizierter Neubürger". Sie liebt kurz geschorenen Rasen und wenn nebenan noch ein Schwimmbecken für Erfrischung sorgt... "Am Unterbacher See gibt es deshalb große Probleme", weiß Adolphy. Dass es auch anders geht, zeigt die Multi-Kulti-Schneckengesellschaft im Neandertal. Naturschützer melden: Die Integration der gefleckten, irgendwann wohl vom Lkw gefallenen Weinbergschnecke klappt bestens.

Quelle: RP
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