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Monheim
Ulla Hahn überreicht Autor Wulf Dorn Literaturpreis

Monheim. Der Roman "Phobia" von Wulf Dorn hat durch die Attentate in Paris eine besonders bedrückende Note bekommen. Entsprechend schwierig verlief am Samstag im Ulla-Hahn-Haus die Verleihung des UH!-Autorenpreises der Monheimer Jungen Leser an den Schriftsteller. In seinem ausgezeichneten Werk "Phobia" geht es um die Zerbrechlichkeit des Lebens. Alles, was wichtig ist, kann jeden Moment vorbei sein. Terrorismus spielt eine Rolle, aber auch Ängste und Abgründe der menschlichen Psyche. Von Dorian Audersch

Nach der Mordserie der Terroristen in Paris war bei der Preisübergabe niemandem nach Feiern zumute. Fassungslosigkeit und Trauer standen im Mittelpunkt aber auch Trotz: "Angst ist kein guter Lehrer", meint Namensgeberin Ulla Hahn. "Sie ist für das Überleben notwendig, aber für das Leben braucht man genau das Gegenteil." Offenheit, Respekt, Toleranz, Freiheit und Gleichheit - das seien Wesensmerkmale der Gesellschaft, die islamistische Terroristen zerstören wollen. Für Ulla Hahn sind die Namen der Jugendjury, die den mit 2000 Euro dotierten Preis alle zwei Jahre vergibt, bereits ein Beleg für das gute Miteinander der Kulturen, Religionen und Ethnien. Neun Mitglieder aus sechs Nationen mit fünf Muttersprachen sind in dem Gremium vertreten, das aus Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums und der Peter-Ustinov-Gesamtschule beteht. "Wunderbar" findet das die Schriftstellerin. Zu Dorns Roman hat sie ebenfalls Lob parat. "Das Buch kann einen das Gruseln lehren, aber damit ist es nicht getan." Es gehe vielmehr um Abgründe der menschlichen Psyche und Verwirrspiele. "An Spannung fehlt es nicht, aber Angst lebt in unseren Köpfen und nur dort können wir ihr begegnen."

Auch Bürgermeister Daniel Zimmermann fällt es nach eigenem Bekunden schwer, nach den Attentaten zur Tagesordnung überzugehen. "Angst, Krieg und Verwirrung werden nach Europa getragen, um unsere Werte und Ideale gezielt zu erschüttern." Um so wichtiger sei eine "Jetzt erst recht"-Mentalität. "Gerade Literatur steht für die Freiheit des Wortes und des Geistes."

Dorn stellt das Thema Angst in den Mittelpunkt. Dabei geht es um diffuse, aber auch sehr konkrete Ängste. Rund 20 Jahre hat der Autor in einer Psychiatrie gearbeitet. In seinem Roman gehe es "in den Keller des Unterbewusstseins". Das Preisgeld will er der Stiftung Lesen zukommen lassen, damit auch weiterhin Kindern und Jugendlichen die Welt der Literatur für sich erschließen können.

Zur Begründung, warum "Phobia" sich gegen die anderen fünf Bücher durchsetzte, sagt Sarah Liedtke aus der Jury: "Wir sind förmlich mit diesem Buch verschmolzen. Es ist ein fesselndes Erlebnis, wirft viele interessante Fragen auf und ist relevant, spannend und gut geschrieben."

Quelle: RP
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