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Langenfeld
Verwahrloste Katzen: Veterinär mit Wut-Mails bombardiert

Langenfeld: Verwahrloste Katzen: Veterinär mit Wut-Mails bombardiert
Bilder von den verwahrlosten Langenfelder Katzen, die die AG Tiere auf Facebook postete, sorgten für eine Welle der Empörung, die auch im Kreisveterinäramt anbrandete. FOTO: rm-
Langenfeld. Tierschützer empören sich über verwahrloste Katzen in Langenfeld und lösen damit einen "Shitstorm" aus. Beim Veterinäramt gingen bisher rund 200 Wut-Mails ein.  Von D. Schmidt-Elmendorff

Eine Empörungswelle hat jetzt das Veterinäramt des Kreises Mettmann getroffen. "200 E-Mails gingen bei Amtsleiter Norbert Kruse ein", berichtet ein Mitarbeiter. Auslöser war ein Aufruf der AG Tiere am 2. Juli auf Facebook. Auf einem Grundstück am Stadtrand von Langenfeld lebten drei sterbenskranke Katzen, die sich in einem erbärmlichen Zustand befänden, erklärten die Tierschützer. Ihnen sei es gelungen, einen Kater zu fangen, der nur durch eine Not-OP gerettet werden konnte. Er habe offene Wunden, Maden im Bauch und sein Fell sei von Parasiten übersät. Der Grundstücksbesitzer habe den Tierschützern aber zwischenzeitlich verboten, sein Grundstück zu betreten, um Lebendfallen aufzustellen.

Der Vorwurf: "Amtsveterinär und Ordnungsamt waren vor Ort, haben aber nichts unternommen." In einer konzertierten Aktion wollten die Tierfreunde dem Amt Dampf machen. "Uns war der Fall schon am 29. Juni bekannt. Am selben Tag, um 15.50 Uhr, hatten wir schon einvernehmlich mit dem Eigentümer besprochen, dass er der AG Tiere Zutritt gewährt, damit sie die Tiere einfangen kann", teilte Kreis-Sprecherin Daniela Hitzemann am Dienstag auf Basis einer Aktennotiz mit. Der Grundstückseigentümer habe mit den verwilderten Katzen auch gar nichts zu tun, sie hielten sich lediglich in seinem Garten auf.

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Ihm sei aber untersagt worden, sie weiter anzufüttern - auch weil dies Ratten anlocke, ergänzte Hitzemann. Am 2. Juli habe es einen weiteren Besuch gegeben. "Die Anschuldigungen waren insofern ungerechtfertigt, weil an diesem Tag längst eine Vereinbarung getroffen war", so Hitzemann. Bei dem Treffen am Donnerstag habe sich der Kreisveterinär daher ausbedungen, dass die AG Tiere die Welle, die sie auf Facebook losgetreten hat, wieder eindämme. "Insbesondere sollte der Grundstückseigentümer nicht mehr behelligt werden", sagte die Kreis-Sprecherin. Auch das Veterinäramt erhielt sehr unfreundliche E-Mails. "Man könnte es als Shit-storm bezeichnen", so Hitzemann.

"Das war nicht absehbar, dass unser Post so hochkocht. Wir haben natürlich keinen Einfluss auf Form und Inhalt der Beiträge auf den Internetforen oder der Mails an die Behörde", rechtfertigt sich Gabriele Müller von der AG Tiere. "Unser Problem an dem sehr heißen Tag war, dass niemand beim Veterinäramt erreichbar war und wir mit diesem grausigen Elend konfrontiert waren." Sie räumt auch ein, dass der Eigentümer grundsätzlich jedes Recht hat, den Tierschützern den Zutritt zu seinem Grundstück verwehren. Inzwischen sei er kooperativ. Im Vorgarten stünden zwei Lebendfallen.

"Die AG-Tiere-Leute sind Privatleute, eine Behörde kann eher in die Grundrechte eingreifen", erklärt Heike Müller, stellvertretende Leiterin des Langenfelder Ordnungsamts. Deshalb habe einer ihrer Mitarbeiter bei dem Besuch am Montag vorsorglich Amtshilfe geleistet. "Eine Privatperson kann aber nicht einfach auf ein Grundstück latschen und Katzen mitnehmen."

Am Ende postete die AG Tiere deeskalierend: "Keine weiteren Anrufe, keine eigenmächtigen Aktionen gegen den Besitzer, keine Aggressionen oder Drohungen".

Quelle: RP