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Langenfeld
Verwirrspiel um Windräder in Reusrath

Langenfeld. Der mögliche Windkraft-Standort im Langenfelder Süden bleibt – auch wenn der an der A59 hinzukommt. Das sorgte beim "Winddialog" in der Stadthalle für Unmut. Doch die WKA-Gegner haben sich zu früh erbost. Von Thomas Gutmann

Nach mehr als einer Stunde Planerlatein hat Klaus Jach (73) die Nase voll. "Wir wünschen uns Auskünfte über die Windrad-Pläne in Reusrath, und was bekommen wir: Vorträge, die vielleicht angehende Ingenieure interessieren", kommentiert der Reusrather enttäuscht die Veranstaltung, die er soeben vorzeitig verließ. Ein "Winddialog" sollte es am Mittwochabend in der Stadthalle werden: zwischen auswärtigen Fachleuten und fast 100 interessierten Langenfeldern. Die Mehrheit dürfte ihr Kommen bereut haben – zumindest bis nach eindreiviertel Stunden ermüdender Einführung in die Grundlagen der Windkraft-Planung (Landschaftsbild, Schallemissionen, Schattenwurf) der städtische Planungsamtschef Stephan Anhalt endlich die Sprache auf Langenfeld brachte.

Der Planungsausschuss werde am Donnerstag nächster Woche über die Festlegung zweier "Ergänzungsstandorte" für Windkraftanlagen (WKA) an der A 59 entscheiden: südlich des Wasserskigeländes (7 Hektar) und nördlich des Autobahnkreuzes Monheim (24 Hektar). Parallel dazu – laut Anhalt terminlich ein Zufall – wird auch der zuständige Ausschuss in Monheim über zwei WKA-Konzentrationszonen an der A 59 beraten (insgesamt rund 64 Hektar beiderseits der Knipprather Straße). Faktisch ermöglichen beide Städte damit einen zusammenhängenden WKA-Standort für fünf große Windräder.

Viele aus dem "Winddialog"-Publikum sind Anhänger der Bürgerinitiative "Ruhiger Horizont Reusrath", somit Gegner von WKA im Stadtsüden. Deshalb vernahmen sie Anhalts Botschaft zunächst gerne. Haben sie doch noch die wiederholt vorgetragene Aussage von Bürgermeister Frank Schneider im Ohr, die dieser in einem RP-Gespräch im September so formulierte: "Wenn sich eine gemeinsame Konzentrationszone mit Monheim realisieren lässt, wäre dieser Standort mein Favorit. Sonst bleibt es bei Reusrath."

"Sonst", das heißt doch wohl: "entweder oder". Anhalt jedoch sagt in der Stadthalle: "Die Ergänzungsstandorte an der Autobahn eignen sich n i c h t als Ersatz für die Zone in Reusrath." "Warum nicht", fragt ein Zuhörer. Das gehe planungsrechtlich nicht, so der Amtsleiter: Wenn beide Städte bei null anfingen, könnten sie einen Zweckverband für den A 59-Standort gründen, Langenfeld aber habe bereits vor Jahren Reusrath für zulässig erklärt.

Unruhe im Saal. Matthias Saturnus von den Reusrather WKA-Gegnern fragt empört: "Also bis zu sechs Windräder statt drei in Langenfeld? Nehmen Sie uns als Bürgerinitiative überhaupt wahr?" Da wiederholt Anhalt, was zuvor in der Aufregung unterging: An der A 59 seien höhere Anlagen möglich, aber in Reusrath bleibe es bei der Begrenzung auf 100 Meter. Zu Erinnerung: Dieses Limit legte die Stadt bei der Einrichtung der Zone 2007 fest, um den WKA-Betrieb dort unrentabel zu machen und somit zu verhindern. Zwischenzeitlich rückte die Rathausspitze zwar politisch von der Höhenbegrenzung ab ("Windkraft in Langenfeld ermöglichen"), aber formal gilt das Limit bis heute.

Nachdem ein Zuhörer in klarstem Rheinisch an die Bürgermeister-Worte erinnerte ("Wenn das mit Monnem kütt, is Reusrath außen vor"), gab Wolfgang Ufers von "Haus und Grund" eine Handreichung zur Anhalt-Interpretation: Investoren bauten ungern dort, wo sie zu viele Auflagen fürchten. "Lassen Sie uns also lieber an der A 59 ein paar große Windräder hinstellen, und dann haben wir unsere Ruhe, vielleicht auch in Reusrath!"

Ob vielleicht oder ganz sicher, darüber wird womöglich die Verwaltungsgerichtsbarkeit entscheiden. Nämlich dann, wenn der Investor, der den Betrieb eines 150-Meter-Windrads in Reusrath beantragt hat, gegen das 100-Meter-Limit klagen sollte. Stephan Anhalt hält die Begrenzung, wie er am Donnerstag im RP-Gespräch sagte, für "gerichtsfest".

(RP/ac)
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