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Langenfeld
Viele RP-Leser lehnen Biotonne ab

Langenfeld: Viele RP-Leser lehnen Biotonne ab
In manchen Städten sind sie selbstverständlich. In Langenfeld gibt es sie (noch) nicht. Die Meinungen über den Nutzen der braunen Tonnen sind geteilt. Jetzt berät der Rat über die Einführung. FOTO: umi
Langenfeld. Über die Einführung der Biotonne in Langenfeld ab 2016 diskutiert auf einen Bürgerantrag hin heute der Stadtrat. Im Leserforum unserer Redaktion gehen die Meinungen hierzu auseinander. Von Stephan Meisel

Karl Wilhelm Bergfeld fordert in einem Bürgerantrag zur heutigen Ratssitzung die Einführung der Biotonne spätestens zum 1. Januar 2016. "Langenfeld ist die einzige Stadt im Kreis Mettmann, die noch kein Holsystem für Bioabfälle hat", kritisiert der Ortsvorsitzende des Naturschutzbunds BUND. Nicht gelten lässt er das Gegenargument der Stadtverwaltung, dass in Langenfeld in überdurchschnittlich vielen Gärten kompostiert werde und dass an den beiden Grünschnitt-Annahmestellen Hansastraße und Industriestraße auch Küchenabfälle abgegeben werden können.

Bürgermeister Frank Schneider hält es nach eigenen Worten für "ausgeschlossen", dass die Langenfelder bereits im nächsten Jahr eine Biotonne vor ihrem Haus stehen haben werden. "Dafür muss das Abfuhrsystem umgestellt werden und es müssen neben den braunen Tonnen auch entsprechende Fahrzeuge angeschafft werden. Bürger müssen wissen, dass sie das auch Geld kosten wird."

Im RP-Leserforum meldeten sich vor allem Kritiker, aber auch Befürworter solch einer Abholung von Grünschnitt, Gemüse- und Obstabfällen zu Wort. Hier einige dieser Stimmen:

"Wir und keiner unserer Nachbarn will eine Biotonne", schreibt Gerda Roggenbruck. "Wir werfen keine Lebensmittel weg und haben für eine Biotonne viel zu viele, meist sperrige Gartenabfälle." Mit ähnlichen Worten argumentiert Walter Lutze gegen eine Änderung. "Küchenabfälle und Kleinschnitt kommen auf den Kompost. Großabfall bringen wir zur Sammelstelle; der passt sowieso nicht in die Biotonne. Deren Herstellung und Abtransport belasten die Umwelt viel mehr." Wie Steffi Lieske ("Überflüssig!") wendet sich auch Karl-Josef Müller gegen die Biotonne. "Unsere Bioabfälle bringe ich regelmäßig mit dem Grünschnitt zur Annahmestelle an der Industriestraße. So haben wir keine überflüssige und unangenehm riechende Tonne in der Ecke stehen", die auch noch Ungeziefer anziehe.

Als "sehr hilfreich und vernünftig" bezeichnet indes Ulla Moonen die Einführung einer Biotonne. Bei Papier, Glas und Plastikmüll funktioniere die Mülltrennung, dies funktioniere anderswo auch bei Kompostierbarem besser. "Das weiß, wer jemals in Bayern eine Ferienwohnung gemietet hat." Moonen regt indes an, die Biotonne anfänglich nicht zur Pflicht zu machen. Eine solche hielte Pramatha Mitra hingegen für nötig.

Seine 14-tägig geleerte 60-Liter-Restmülltonne sei meist nicht voll, meint Berthold Schwarz, der gegen den braunen Zusatzbehälter ist. In Langenfeld seien die Möglichkeiten "hervorragend", den Grünschnitt loszuwerden. "Kaffeesatz kommt in den Garten. Eine zusätzliche Tonne für den relativ geringen Restbioabfall ist überflüssig." So sieht es auch Herbert Seifert, der es für wichtiger hielte, wenn sich der BUND-Ortsverein um "wilde Müllkippen kümmern und diese auch beseitigen würde - und nicht um anderer Leute bewährte Praxis".

"Richtig ist, dass Grünabfälle grundsätzlich nicht in die Restmülltonne gehören", merkt Jochen Prauß an. Doch seien "Bio- und Grünreste erst dann Abfall, wenn man sie nicht mehr haben will, ansonsten handelt es sich um Wertstoffe, die die Gartenbiologie bereichern". Prauß ist gegen Biotonnen in einer Stadt mit relativ hohem Eigenheim- und Gartenanteil und der gerne genutzten Möglichkeit, durch Eigenkompostierung die Restmüllkosten zu senken.

Quelle: RP
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