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Judith Förster
Vogelfalle Fensterglas

Langenfeld. So gut wie jeder dürfte schon mal einen Vogel entdeckt haben, der nach Kollision mit einer Fensterscheibe verendet ist. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) mit seiner Expertin Judith Förster will verstärkt über das Thema aufklären.

Gibt es Zahlen darüber, wie viele Opfer der "Vogelschlag an Glas" jährlich fordert?

Förster Nach Schätzungen, die sich auf amerikanische Studien beziehen, wird davon ausgegangen, dass zirka 80 Millionen Vögel im Jahr in Europa aufgrund von Kollisionen mit Glas sterben. Das Problem wird defintiv unterschätzt. Da tote Vögel oft sehr schnell durch Wildtiere oder Katzen gefressen werden, denken viele Menschen, wenn sie einen verunglückten Vogel sehen, dass es sich um einen Einzelfall handelt.

Gibt es einen Trend?

Förster Die Gefahr von Glas besteht schon so lange, wie damit gebaut wird. Nicht nur normale Fenster können ein Problem sein, auch Wintergärten, Lärmschutzwände und alle sonstigen transparenten und spiegelnden Gebäudeteile. In den letzten Jahrzehnten ist es jedoch richtig Mode geworden, viel mit Glas zu bauen. Teilweise sind komplette Gebäude von Glas umgeben. Dadurch erhöht sich automatisch die Gefahr für Vögel, an Glas zu verenden.

Manchmal fliegen Vögel nach dem Aufprall weiter . . .

Förster Je schneller ein Vogel fliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei einer Kollision stirbt. Manche Vogelarten können bis zu 100 km/h erreichen. Vögel sind überdies in einer Art "Leichtbauweise" gebaut. Dazu gehören hohle Knochen, die besonders bruchanfällig sind. Oft fliegen Vögel auch noch weg und sterben dann an inneren Verletzungen.

Woran liegt es überhaupt, dass Vögel gegen Glasscheiben fliegen?

Förster Vögel können, genau wie wir Menschen, Glas nicht sehen, denn Glas hat zwei Eigenschaften: Transparenz und Spiegelung. Wenn Vögel hinter transparentem Glas für sie interessante Strukturen, wie Bäume oder auch den Himmel, sehen, möchten sie dorthin fliegen und prallen dann gegen die Scheibe. Bei Spiegelungen wird ihnen etwas vorgegaukelt, was sie nicht als Spiegelung erkennen können - etwa die eines Baumes.

Was kann man tun, um solch einen Zusammenprall zu verhindern?

Förster Als erstes sollte man sich fragen, ob es überhaupt notwendig ist, mit Glas zu bauen. Wenn dies unbedingt gewünscht ist, gibt es derzeit nur eine ausreichend hilfreiche Methode: Sichtbare Muster von außen auf das Glas aufbringen - sonst helfen sie nicht bei Spiegelungen. Muster können entweder direkt bei der Glasproduktion aufgedruckt oder nachträglich aufgeklebt werden. Dabei müssen gewisse Abstände bei den Musterkanten eingehalten werden, etwa nach der Handflächenregel: Der größte Abstand zwischen Streifen oder Strukturen darf höchstens eine Handbreite, also zirka zehn Zentimeter betragen.

Sind bestimmte Muster empfehlenswert?

Förster Wir raten zu solchen nach der österreichischen Norm ONR 191040. Dafür werden Muster in einem Flugtunnel - ohne Kollisionsgefahr - getestet. Nicht ausreichend sind UV-reflektierende Muster, da es Vögel gibt, die kein UV-Licht wahrnehmen können. Außerdem ist man sich nicht sicher, ob Vögel, die UV-Licht wahrnehmen können, dieses nicht sogar attraktiv finden. Daher raten wir davon ab, mit sogenanntem "Vogelschutzglas" zu bauen oder nachträglich selber UV-reflektierende Muster aufzumalen.

Was erwarten Sie von den Behörden?

Förster Nach deutscher Rechtslage ist es nicht erlaubt, Gebäude zu bauen, die für geschützte Tieren, also auch für Vögel, eine Gefahr darstellen. Daher muss vogelsicheres Bauen schon während der Bauphase gefordert werden. Das ist Aufgabe der Behörden. Da diese nicht bei allen Bauvorhaben geschieht, sollten Bau- und Umweltämter, wie die Unteren Landschaftbehörden, enger zusammenarbeiten.

SOPHIE SPRENGEL STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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