| 17.47 Uhr

Wespen-Angriff in Monheim
"Kinder rissen sich aus Panik die Kleider vom Leib"

Monheim: Wespenschwarm greift Kindergartenkinder an
Monheim: Wespenschwarm greift Kindergartenkinder an FOTO: Patrick Schüller
Monheim. Es war wie im Horrorfilm: Auf dem Weg zum Spielplatz wurde am Montag eine Kindergartengruppe Opfer eines aggressiven Wespenschwarms. Zwei Kinder mussten mit Stichen am Kopf ins Krankenhaus, 15 wurden verletzt. Vor Panik und Schmerzen rissen sie sich ihre Kleidung vom Leib.  Von Dirk Neubauer und Jessica Kuschnik

Vier Notärzte und 33 Feuerwehrleute mit insgesamt 13 Fahrzeugen waren am Montagvormittag im Einsatz, um eine Gruppe des Waldkindergartens in Monheim vor einem aggressiven Wespenschwarm in Sicherheit zu bringen. Der hatte mit mehreren tausend Tieren die Kinder auf dem Weg zu einem Spielplatz attackiert. Zwei Kinder wurden sofort mit Blaulicht in das Kinderklinikum nach Leverkusen transportiert, 15 weitere und zwei Erwachsene mussten vor Ort behandelt werden.

Gegen elf Uhr hatte sich die Kindergartengruppe auf Wunsch der Drei- bis Sechsjährigen zum "Mäuseplatz" aufgemacht. Ihren Spielplatz suchen die Kinder jeden Tag selbst aus. Auf einem Waldweg war die Gruppe offenbar dem Erdnest der Wespen zu nahe gekommen. "Eine solch aggressive Reaktion der Tiere habe ich noch nie erlebt", sagte die Leiterin des Kindergartens, Sabine Schwandt. Die Insekten hätten sich in den Haaren der Kinder verfangen und sie mehrfach in den Kopf gestochen. Andere Tiere seien in Ärmel und Jackenkragen gekrabbelt und stachen dort zu. "Einige Kinder haben sich in Panik und vor Schmerzen die Kleider vom Leib gerissen", sagte Sabine Schwandt.

Hintergrund: Wespenstiche - Das müssen Sie wissen FOTO: AP

Fünf Begleitpersonen und zwei Spaziergängerin mühten sich nach Kräften, die Kinder zu beruhigen und ihnen zu helfen. Einige Erzieherinnen hatten selbst viele Stiche abbekommen. In einem sozialen Netzwerk schreibt eine der unmittelbar beteiligten Betreuerinnen, sie allein wurde 25 Mal gestochen.

Bereits im ersten Alarmruf an die Feuerwehr Monheim war von vielen betroffenen Kindern die Rede. Deshalb zog der Einsatzleiter von Anfang an Kräfte aus Langenfeld und Hilden hinzu. Aus Ratingen eilte der leitende Notarzt des Kreises Mettmann herbei. "Die insgesamt vier Notärzte vor Ort haben alle Kinder und Erwachsenen eingehend untersucht und die Schwellungen rund um die Stiche mit Eis-Packs gekühlt", sagte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Monheim, Achim Bremer. Zugleich wurden die Kinder beruhigt. Einige Mädchen und Jungen weigerten sich aus Angst vor den Wespen, ihre Jacken und Hosen wieder anziehen. Sie wurden in wärmende Decken gehüllt und den nach und nach eintreffenden Eltern übergeben. Mütter und Väter bekamen laut Feuerwehr von den Notärzten noch Hinweise, worauf sie in den folgenden Stunden achten sollten.

Tipps gegen Wespen FOTO: AP

In erster Linie geht es nach Auskunft von Ärzten darum, allergische Reaktionen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zudem müsse vermieden werden, dass Schwellungen die Atemwege blockieren. Kindergartenleiterin Schwandt will den Vorfall in den nächsten Tagen mit den Kindern aufarbeiten: "Die aggressiven Wespen, die schmerzhaften Stiche, aber auch die vielen Einsatzkräfte waren für die Kinder ein einschneidendes Erlebnis."
Auch wenn der Eindruck eines aggressiven Verhaltens vonseiten der Tiere entstünde, sei dies doch eine normale Reaktion, sagt Heinz Mehlhorn, Professor für Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität. "Wenn ein Erdnest erschüttert wird, etwa wenn Kinder darüber hinweg laufen, verteidigen die Wespen ihr Revier. Schlägt eines der Kinder nach ihnen, geben einzelne Tiere Pheromone ab, die die anderen alarmieren und sie zum Angriff übergehen lässt", so der Experte. Kinder seien daher besonders häufig von Wespenangriffen betroffen, da sie schneller als Erwachsene in Panik geraten. Es könne aber nicht die Rede davon sein, dass die Wespen aggressiver sind als sonst. Zudem seien die Tiere im Juli besonders aktiv. "Die Schwärme erreichen dann ihre höchste Zahl an Individuen und sind unterbeschäftigt", sagt eine Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) NRW.

Die Bilder des Einsatzes gibt es hier. 

 

Quelle: RP
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