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Heimat erleben in Monheim
Wandern, wo der Rhein das Bett wechselte

Heimat erleben in Monheim: Wandern, wo der Rhein das Bett wechselte
FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Monheim. Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe lag mal auf der anderen Rheinseite. Das erfährt man bei einer Wanderung. Von Thorsten Breitkopf

Wer durch die ausgedehnte Flusslandschaft der Urdenbacher Kämpe wandert, ahnt zunächst nicht, dass er sich historisch betrachtet im Linksrheinischen befindet. Am Haus Bürgel informiert eine große Tafel vor dem Gebäude über eine Katastrophe, die im Laufe der Jahrhunderte weitgehend in Vergessenheit geriet. Es war das Jahr 1374, das als das wohl verregnetste in die Geschichte Deutschlands und der Rheinländer einging. Bereits in den ersten Wochen des Januar regnete es so andauernd, dass der Rhein permanent Hochwasser hatte. Bis Ende Mai zogen immer wieder Regenfronten über das Land und verschärften die Hochwasserlage im Rheinland extrem. Kaum waren die Pegel ein paar Zentimeter gefallen, stiegen sie auch schon wieder an. In Köln (Düsseldorf hatte noch keinen Pegel) wurde die Zehnmetermarke mehrmals deutlich überschritten. Der höchste Scheitel dieser Serie von Hochwasserwellen erreichte dort 13,35 Meter.

Wie viele Opfer die Katastrophe forderte, ist nicht überliefert. Aber eine Folge des Rekordhochwassers kann man heute noch sehen. Denn in einer Nacht des Jahres 1374 suchte sich der Rhein mit seinen großen Wassermassen im Düsseldorfer Süden ein anderes Flussbett. Vor dem Hochwasser floss er dort, wo heute der Garather Mühlenbach dahinplätschert. In jener Nacht durchbrach er sein Ufer und trennte Haus Bürgel und die Urdenbacher Kämpe von der linksrheinischen Festung Zons. Teile des Ortes wurden zerstört. Zons verlor einen Großteil seiner Fläche bei der Katastrophe - eine vermutete kleine Ortschaft mit Kirche neben dem Gut "Haus Bürgel" war vom Rheinhochwasser völlig zerstört worden. Nur die mit wesentlich stärkeren Fundamenten und Mauern ausgerüsteten Gebäude des ehemaligen Kastells "Haus Bürgel" hatten dem Wasserdruck widerstanden. Eine alte Flurbezeichnung zwischen Rhein und Bürgel, die "Kirbergerloch" lautete, ist noch ein Hinweis auf den verschwundenen Ort mit Kirche, vermuten Heimatforscher.

Die Folge des historischen Rekordhochwassers: Düsseldorf besitzt heute mit der Urdenbacher Kämpe und Haus Bürgel in den dessen Mitte eine der schönsten Auenlandschaften des Rheins.

Idealer Start für eine Herbstwanderung über den so genannten Kopfweiden-Weg ist der südliche Ortsausgang von Urdenbach. Parallel zur Straße Am Ausleger führt der Weg zum Rhein, dabei quert man Streuobstwiesen. Der Uferweg, der bei Hochwasser überflutet ist, führt am Strom entlang zum Anleger der Fähre nach Zons. Dort wird der Rhein verlassen und es geht durch die bewaldete Rheinaue am Wasserwerk zu einem Campingplatz. Haus Bürgel bleibt hinter Bäumen verborgen. Es besitzt Teile einer alten Burganlage, die selbst auf den Resten eines Römerkastells errichtet wurde. Die Biologische Station, die diesen "Kopfweiden-Weg" mit Schildern ausgewiesen hat, hat dort ihren Sitz.

Hinter dem Campingplatz wird die Urdenbacher Straße überquert und es geht über Felder Richtung Baumberg. Der Weg führt durch eine Reihe von Weidenbäumen am Rand des Naturschutzgebiets bis zu dem Urdenbacher Altrhein. Nach einigen Kilometern im alten Rheinarm wird der Ausgangspunkt bei Urdenbach wieder erreicht. Die Wanderung ist knapp zehn Kilometer lang.

Quelle: RP
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