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Monheim
Warum Kinder auch mal stürzen dürfen

Monheim: Warum Kinder auch mal stürzen dürfen
Zu den Monheimer Spielplatz-Highlights gehört auch die neue Anlage an der Kapellenstraße mit der Schelmenturm-Rutsche. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Auf dem Spielplatz lernen Kinder fürs Leben: zum Beispiel Selbstständigkeit und Risiken einschätzen. Das funktioniert aber nur, wenn Eltern sich zurückhalten. Dazu gab es beim Landes-Treffen von Spielplatzpaten in Monheim eine "Monheimer Erklärung". Von Cristina Segovia-Buendía und Sabine Schmitt

Der Spielplatz im Monheimer Musikantenviertel. Passend zum Standort sind die Spielgeräte Instrumenten nachempfunden, einer Klarinette etwa oder einer Blockflöte. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein hübscher Themen-Spielplatz für Kleinkinder, hat auch ein weitreichendes Konzept. "Da ist zum Beispiel diese Schaukel", sagt Spielplatz-Scout Eva Heggemann. "Anders als bei einer herkömmlichen Schaukel, legt man sich mit dem Bauch darauf". Der Vorteil: Die Kinder können das alleine. Sie brauchen die Eltern nicht und erst recht keine Helikopter-Eltern. Eltern müssen und sollen nicht unmittelbar daneben stehen und kontrollieren. Sie sollen nur beobachten. Den Kindern bietet das eine Riesenchance. Sie können sich ausprobieren. "Das ist gut für das Selbstbewusstsein, und die Kinder lernen, Risiken einzuschätzen", sagt Heggemann. Und Risiken einschätzen lernen, übertrage sich vom Spielplatz später auf das Leben.

Dieser Aspekt, der bei der Neugestaltung von Monheimer Spielplätzen längst berücksichtigt wird, war eines der Themen, um die es auf der 17. Landeskonferenz für Spielplatzpaten aus ganz NRW im Monheimer Rathaus ging.

Der ABA Fachverband für Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hatte eingeladen und 40 engagierte Spielplatzpaten kamen. Zum Thema "Risiko als Spielwert" referierte der Spielplatzdesinger Günter Beltzig. Er sagte zum Beispiel: "Der größte Risikofaktor sind die Eltern." So zeige eine Studie, dass die meisten Unfälle auf einem Spielplatz dann passierten, wenn Eltern dabei sind, so Günter Beltzig. Der Spielplatzdesigner aus Ingolstadt, gelernter Industriedesigner, war viele Jahre bei Siemens beschäftigt und konzipiert als Freiberufler seit mehr als 40 Jahren Spielplätze.

Er kritisierte zudem Sicherungsmaßnahmen wie Zäune und Geländer. Denn auch von ihnen ginge Gefahr aus. Zäune zum Beispiel würden statt als Absperrung und Schutz von Kindern eher als Klettergerüst genutzt.

Mit Fotos von verschiedenen Spielplätzen untermalte Beltzig seine Aussagen, dass Kinder Objekte häufig anders nutzen, als Erwachsene es von ihnen erwarten. Statt auf Schaukeln zu schaukeln, waren einige Kinder auf dessen Gerüst geklettert und sprangen von oben heiter herunter. Was bei manchen Eltern vielleicht Panik verursacht, sei aber wichtig für die Entwicklung, selbst vor dem Hintergrund eines möglichen Sturzes. Nur so würden Kinder und Jugendliche lernen, mit erkennbaren Risiken umzugehen. Deshalb stimmte die Konferenz auch über die "Monheimer Erklärung" ab, eine Fortschreibung der "Hagener Erklärung" von 1995. Dabei geht es darum, dass es kontraproduktiv sein soll, "das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen risikofrei zu gestalten". Denn: "Junge Menschen sind häufig dann am stärksten gefährdet, wenn Behütung und Aufsicht überspannt werden", so steht es in der Erklärung.

Rainer Deimel, Referent des ABA, sagte abschließend: "Der Gefährdungsgrad von Jugendlichen sinkt, wenn sie mit Risiken vertraut sind und eine Art Risikomündigkeit erreichen." Die Monheimer Spielplatz-Scouts sind da ganz bei ihm. Deshalb bemühen sie sich, auf Monheims Spielplätzen altersgemäße Herausforderungen zu schaffen. Übrigens in Kooperation mit Spielplatzpaten und Anwohnern.

Quelle: RP
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