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Langenfeld/Monheim
Was für Radfahrer noch zu tun ist

Langenfeld/Monheim: Was für Radfahrer noch zu tun ist
Die Baumberger Kreuzung Geschwister-Scholl- / Hegelstraße birgt für Radler Gefahren, meinen Jutta Lincke, Jürgen Wüsthoff und Wilhelm Beck (ADFC). FOTO: Miserius
Langenfeld/Monheim. Langenfeld und Monheim wollen in Zukunft "fahrradfreundlicher" sein. In beiden Rathäusern laufen die Planungen. Von Dorian Audersch

Vor knapp 30 Jahren hat Jutta Lincke ihr Auto quasi "abgeschafft". Die Monheimerin ist seitdem täglich mit dem Rad unterwegs. Auf zwei Rädern sei im Grunde jedes Ziel in der Stadt erreichbar, sagt sie. Auf ihren Touren stellt Lincke allerdings immer wieder Defizite fest. Unübersichtliche Regelungen, merkwürdig geführte Radwege, verwirrende Beschilderungen und zu wenig Möglichkeiten zum Abstellen ihres Rads sind ihr ein Dorn im Auge. Deswegen engagiert sie sich seit vielen Jahren im Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). "Die Stadt sollte bei Planungen der Infrastruktur immer die Belange der Radfahrer beachten", fordert Lincke.

Entsprechend froh ist sie darüber, dass die Stadt Monheim in die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden (AGFS) aufgenommen werden will. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, denn noch ist Monheim eher eine "Autostadt". Um den Radverkehr zu fördern, hat die Stadt mit Stephanie Augustyniok eine "Fahrradbeauftragte" eingestellt. Anfang Juni gab es einen ersten Workshop mit Bürgern. "Monheim hat gute Voraussetzungen, für den Radverkehr", sagt Augustyniok, "aber es ist auch klar, dass noch viel zu tun ist."

Gemeint sind damit unter anderem die Kriterien, die Monheim erfüllen muss, um in den Kreis der AGFS aufgenommen zu werden. Das Ziel ist die "Stadt der kurzen Wege". Dafür ist laut der Vorgaben eine "klare, stringente und systematische Radverkehrspolitik" nötig. Der Anteil der Radler am Gesamtverkehr soll zudem von bisher 11 auf mindestens 25 Prozent steigen. Hinzu kommen viele einzelne Kriterien wie etwa ein einheitliches Radwegenetz, Abstellanlagen, Marketing und Aufklärung sowie eine Vernetzung von Alltags- und Freizeitmobilität.

Derzeit entwickeln die Planer im Rathaus mit dem Kölner Büro VIA ein Konzept, um die Ziele zu erreichen. "Im Herbst sind weitere Workshops mit Bürgern geplant, um die Pläne abzurunden", sagt Augustyniok. Danach könne schrittweise die Umsetzung erfolgen. "Oft sind es Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen."

Die Erfahrung haben auch die Langenfelder Planer gemacht. Wolfgang Honskamp, Referatsleiter für Umwelt, Verkehr und Tiefbau im Rathaus und selbst viel mit dem Rad unterwegs, wähnt Langenfeld auf einem guten Weg. Die Stadt hat ebenfalls das Ziel, in die AGFS zu kommen. Wichtiger sei allerdings der Weg dahin. "Wir haben bereits an vielen Stellen Angebotsstreifen für Radfahrer auf den Fahrbahnen eingerichtet", so der 60-Jährige. Beispiele dafür seien die Jahnstraße, Richrather Straße und der Zehntenweg. Ein weiteres Beispiel seien die Fahrradboxen am S-Bahnhof.

"Außerdem haben wir schon lange Einbahnstraßen für Fahrräder in Gegenrichtung geöffnet und mehr als 1000 Abstellplätze in der Innenstadt geschaffen", unterstreicht Honskamp. Bei stark frequentierten Knotenpunkten wie etwa der Kreuzung am Berliner Platz gebe es hingegen keine einfache Lösung. Ein Überschuss an Einpendlern, sieben Autobahn-Zu- und Abfahrten, viele Gewerbegebiete und die Lage mitten im Ballungsraum Köln/Düsseldorf sorgen demnach für viel Verkehr. Radlern bleibe dabei oft nur wenig Platz: "Das wird sich auf die Schnelle auch nicht beheben lassen", meint Honskamp.

Insgesamt ist Langenfeld in Sachen Fahrradfreundlichkeit noch einen Schritt voraus. Die Stadt hat 2014 zum "Jahr des Fahrrads" erklärt. Viele Aktionen rund ums Radeln sind im Programm. "Fahrradfahrer haben in der Stadtplanung zu Zeiten des Wirtschaftswunders keine Rolle gespielt", bedauert der Referatsleister. "Das hat sich inzwischen geändert." Trotzdem sei es schwierig, die Versäumnisse der Vergangenheit zu beheben. "Es geht nur in kleinen Schritten."

Quelle: RP
 
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