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Langenfeld
Wasserburg: Mauern aufgespürt

Langenfeld: Wasserburg: Mauern aufgespürt
Den Ergebnisbericht stellten auf dem Burggelände (v.l.) Lothar Marienhagen, Peter Speldrich, Ulrike Vogel, Ilse Mundt und Juliane Kreutzmann vor. FOTO: rm-
Langenfeld. Spezialisten hatten neben Haus Graven Fundamente der einstigen Hauptburg geortet. Jetzt legten sie ihren Ergebnisbericht vor. Von Stephan Meisel

Neben der Wiescheider Wasserburg Haus Graven hatten Spezialisten mit geophysikalischen Methoden im Sommer den Boden untersucht. Mit Erfolg: "Sie haben dort tatsächlich Fundamente geortet", verriet im August Lothar Marienhagen unserer Zeitung. Offensichtlich seien dies Mauerreste der im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zerstörten Burganlage aus dem 13./14. Jahrhundert, die im Gegensatz zu der 1656 wieder aufgebauten und heute als Haus Graven bekannten Vorburg nicht mehr vorhanden ist. Jetzt legten der Vorsitzende des Haus-Graven-Fördervereins, die städtische Kulturbüro-Chefin Juliane Kreutzmann und weitere an dem Forschungsprojekt Beteiligte den Ergebnisbericht der Geofact GmbH vor.

Nach Angaben des städtischen Denkmalschützers Stephan Anhalt handelt es sich bei der neben dem Südostflügel der heutigen Wasserburg im Boden georteten geradlinigen Elemente "ziemlich sicher um Fundamente des einstigen Herrenhauses". Über dieses Hauptgebäude der 1326 erstmals erwähnten Burganlage sei nur sehr wenig bekannt, sagen Ulrike Vogel und Ilse Mundt aus dem geschichtlichen Arbeitskreis des Fördervereins Haus Graven. Konrad Gumprecht von Velbrück hatte nach den Kriegszerstörungen 1656 die massive Vorburg wieder aufbauen lassen; für Scheune, Ställe und Knechtunterkünfte. Da der Adelige mit seiner Familie ein Jahrzehnt lang auf Haus Graven wohnte, geht Kreutzmann davon aus, "dass auch die Hauptburg wieder bewohnbar hergerichtet worden war, obwohl uns darüber keine Berichte vorliegen." Einem archivierten Dokument zufolge wurde das zuletzt vom Pächter bewohnte herrschaftliche Gebäude 1790 abgebrochen. Kreutzmann: "1898 waren Grundmauern noch sichtbar. Wann sie abgetragen wurden, haben wir bislang nicht herausbekommen."

"Wir wollten hierzu Erkenntnisse gewinnen, ohne auf dem Burggelände gleich Bagger anrollen zu lassen", sagt Anhalt. Über die Bonner Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland sei er auf die Firma Geofact gestoßen. Drei Spezialisten gingen im Sommer mit magnetischen Spezialgeräten und Georadar das Gelände neben dem Teich ab. Sie sendeten kurze elektromagnetische Impulse in den Boden, registrierten die an Mauerresten gebrochenen Radarwellen und erstellten daraus am Computer ein dreidimensionales Modell. Anhalt: "Ab einer Tiefe von etwa einem Meter sind deutlich lineare, rechtwinklige Strukturen zu erkennen, die Fundamenten zugeordnet werden können. Ein Quadrat aus dickeren Mauern könnte das Fundament eines Turms sein."

Anhalt hat den Ergebnisbericht an das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege geschickt. "Eine kleinere Grabung wäre durchaus möglich, eine komplette Freilegung der Grundmauern wird aber wohl kaum befürwortet werden. Das hat auch finanzielle Gründe." Marienhagen will vor einer Aussage über das weitere Vorgehen die Bewertung dieser Behörde abwarten. "Wir wollen aber schon zumindest eine Informationstafel aufstellen." Vielleicht beteiligt sich hieran erneut der Umwelt- und Verschönerungsverein, der nach Angaben seines Vorsitzenden Peter Speldrich die Geofact-Untersuchung mit einer Spende von über 2000 Euro ermöglicht hatte.

Quelle: RP
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