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Monheim
Wege in Rheinnähe versinken im Wasser

Monheim: Wege in Rheinnähe versinken im Wasser
Gestern Mittag ließ sich die Senke vor der Zufahrt zum Campingplatz am Urdenbacher Weg zumindest noch mit dem Fahrrad passieren: Pfarrer Peter Becker wagte die Überfahrt. FOTO: Matzerath
Monheim. Die Zufahrt zum Campingplatz wurde gestern geflutet. Die Feuerwehr suchte nach einer Person im Rhein. Von D. Schmidt-Elmendorff

Ein Tankschiff gleitet - trotz Fahrverbots - vorüber und da, wo man eben noch trockenen Fußes die Treppen zur DLRG-Wacht hätte hochgehen können, rollen jetzt Wellen über das Pflaster. Das Rheinufer grenzt nun direkt an die Schranke zum Campingplatz Rheinblick, Wellen schlagen an das Gebäude mit der Anmeldung. Der Stellplatz liegt längst unterm Wasserspiegel, nur die Boje und der Ausguck der DLRG markieren, wo das Flussbett eigentlich verläuft. Karsten Janiszewski, Leiter Einsatz beim Ortsverein Monheim des DLRG, kontrolliert nochmal die Lage an der Wacht.

Am Sonntag hatte das Wasserrettungsteam alle Fahrzeug auf das Gelände des Arbeiter-Samariter-Bundes transportiert, um auf sie im Einsatzfall auch zurückgreifen zu können. Denn der Urdenbacher Weg vollzieht am Ortsausgang Baumberg eine Senke, die bei Hochwasser regelmäßig vollläuft. Gestern Mittag stand sie bereits unter Wasser, wobei aus dem Wald fortwährend weiteres nachströmte. Vor der Zufahrt zum Parkplatz des Campingplatzes wäre einem Wagen, der keinen so hohen Radstand hat wie der Geländewagen des DLRG, schon der Motor abgesoffen, so hoch steht das Wasser. Janiszewski zieht kurzerhand Schuhe und Strümpfe aus, um die Sperrkegel beiseite zu räumen. Der Kölner Pegel zeigt zu diesem Zeitpunkt 8,76 Meter an. "Für unsere Wache sehe ich aber keine Problem", sagt der Wasserretter. Allerdings sind die Ausrüstungsgegenstände im Kellergeschoss nur durch Zaunelemente gesichert.

Rainer Fester, in der Stadtverwaltung für den Hochwasserschutz zuständig, gleicht in den letzten Tagen regelmäßig die Angaben auf seiner Hochwasser-App mit dem Bild vor Ort ab. "In Köln zeigt der Pfeil noch nach oben, während er stromaufwärts schon waagerecht liegt", sagt er. Am Wochenende habe das Hochwasser unzählige Schaulustige ans vorgerückte Rheinufer angezogen. Er habe immer wieder einige Menschen zurückpfeifen müssen, die die Absperrungen umgingen, um quasi mit dem Hosensaum in Wassernähe zu kommen. "Das kann den aufgeweichten Deich schädigen." Auch der alte Deich ist gesperrt. Nicht nur, weil das gut 55 Jahre alte Bauwerk, das nicht mehr instandgehalten wird, unter dem Wasserdruck brechen könnte. Es dient - als einzige Erhebung - auch den Wildtieren als Rückzugsraum vor der Flut.

Heiner Müller-Krumbhaar interessiert vor allem, wie der Schiffsanleger mit den neuen Strömungsverhältnissen zurechtkommt. "Der Mittelponton ist jetzt aufgeschwommen", sagt er. Er habe am Wochenende viele Ruderer und Kanuten beobachtet, die nicht nur die schiffsverkehrsbefreite Wasserstraße, sondern auch die überfluteten Rheinwiesen für eine Paddeltour nutzten. "Also bei uns herrscht Ruderverbot", sagt Petra Bremer vom Ruderverein Monheim. Die starke Strömung und vor allem das Treibgut seien sehr gefährlich. "Von einem Baumstamm kann ein Boot zum Kentern gebracht und die Insassen erschlagen werden", sagt sie. Nicht einmal Feuerwehrchef Torsten Schlender schickt seine Mannen aus nichtigen Gründen aufs Wasser. Als gestern eine Person gemeldet wurde, die ins Wasser gefallen ist, ließ er zwar die Bootsbesatzung zum Anleger ausrücken. "Dann aber wurde gemeldet, dass die Feuerwehr Köln die Person bereits geborgen hat", sagt er. Das Team zog erleichtert ab. "Bei diesen Pegelständen muss nur ein Stück Holz den Antrieb treffen und das Schiff treibt manövrierunfähig auf dem Wasser. Das ist lebensgefährlich."

Regelrecht evakuiert werden mussten die Gänse und Hühner, die der Imker Detlev Garn auf seiner kleinen Farm in Nähe des Parkplatzes Klappertorstraße hält. Seit Anfang des Jahres hat er die Fläche gepachtet, auf der er gemeinsam mit einer anderen Familie seltene Nutztiere darbieten, einen Lehrbienenstand errichten und einen Schulgarten anlegen möchte. "Seit Freitag, als die Pferdekoppel volllief, haben wir 360 Sandsäcke herangeschafft und zu einem Schutzwall aufgetürmt und mit 500 bis 600 Pflastersteinen befestigt", berichtet Garn. Natürlich wisse er, dass das Rheinvorland gefährdet sei, aber er setzt für sein Projekt darauf, dass große Hochwasser nur alle sieben Jahre stattfinden. "Ich hoffe, dass wir jetzt die nächsten Jahre erst einmal Ruhe vor dem Hochwasser haben."

Quelle: RP
 
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