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Monheim
Wespen-Attacke: Kinder wollen heute wiederkommen

Monheim: Wespen-Attacke: Kinder wollen heute wiederkommen
Die Gruppe des Monheimer Waldkindergartens an einem ganz normalen Kindergarten-Tag. Die Pädagogische Leiterin, Sabine Schwandt, sitzt mit den Kindern auf der Hängematte. FOTO: Waldkindergarten
Monheim. Nach der Wespen-Attacke auf eine Kindergartengruppe in Monheim blieb am Dienstag jedes zweite Kind des Waldkindergartens zu Hause, heute wollen die meisten wiederkommen. Ein Kind war lebensgefährlich am Ohr verletzt worden.  Von Thomas Gutmann

Kopf, Hals, Arme, Rücken - Larissa hat es am ganzen Oberkörper erwischt. Etwa 15 Wespenstiche hat ihre Mutter gezählt. Damit gehört Larissa zwar nicht zu den Kindern, die es bei der Attacke eines aggressiven Wespenschwarms auf die Gruppe des Monheimer Waldkindergartens am schlimmsten getroffen hat, doch gestern, einen Tag nach dem Unglück, ist die Fünfjährige erst mal zu Hause in Baumberg geblieben. "Einige Stiche tun ihr noch weh. Aber die Kühlung der Schwellungen schlägt gut an, und sie freut sich schon wieder, morgen zu ihren Kindergarten-Freunden zurückzukehren", sagte ihre Mutter (41).

Monheim: Wespenschwarm greift Kindergartenkinder an FOTO: Patrick Schüller

Schnell zurück in den Knipprather Wald - diesen Wunsch haben nach Einschätzung von Marthas Mutter und Waldkindergartenleiterin Sabine Schwandt (44) die meisten Kinder, die gestern zu Hause blieben. Damit war nach dem dramatischen Zwischenfall von Montagvormittag nicht unbedingt zu rechnen. Nachdem die Drei- bis Sechsjährigen auf einem Waldweg einem Erdnest der Insekten zu nahe gekommen waren, wurden 17 von ihnen und zwei ihrer Betreuerinnen Opfer einer "aggressiven Reaktion", wie sie Erzieherin und Waldpädagogin Schwandt nach eigenen Worten zuvor noch nie erlebt hat: "Einige waren nachher so zerstochen, dass die Schwellungen am Baum aussahen wie eine Gürtelrose", berichtet die Kita-Leiterin.

Vier Notärzte und 33 Feuerwehrleute mit insgesamt 13 Fahrzeugen waren im Einsatz, um die Opfer zu versorgen. Zwei Kinder (5 und 6) mussten sogar ins Krankenhaus: "Das eine wurde etwa 30 Mal gestochen, das andere erlitt einen gefährlichen Stich im Ohr", sagt Schwandt. Beide Kinder seien aber noch am Montag aus dem Krankenhaus entlassen worden. "Es geht ihnen wieder besser."

Hintergrund: Wespenstiche - Das müssen Sie wissen FOTO: AP

Die Hälfte der 18 Kinder aus der Gruppe blieb gestern zu Hause. Und diejenigen, die kamen, blieben auf dem offiziellen "Gelände" des Kindergartens mit dem Bauwagen am ehemaligen Forsthaus. "Am Mittwoch oder Donnerstag wollen wir aber schon wieder den Wald erkunden", sagte Schwandt, die damit rechnet, dass spätestens morgen auch fast alle wieder an Bord sein werden.

In Internet-Kommentaren wurde vereinzelt der Vorwurf erhoben, "Kita-Ideologen" setzten die "Waldkinder" fahrlässig Risiken aus, weil ihnen der "Respekt vor der Natur" fehle. Dem widersprechen nicht nur etliche andere User bei RP Online - auch Schwandt weist die Anwürfe zurück: "In diesem Fall war das Wespennest einfach nicht zu erkennen, und die Tiere griffen aus heiteren Himmel an. Sonst hätten wir uns natürlich davon ferngehalten oder es mit Seilen abgesperrt. Die Kinder lernen bei uns vom ersten Tag an, wie man sich im Wald richtig verhält." Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband, der den von einem Elternverein getragenen Waldkindergarten fachlich berät, hält pauschale Kritik am Konzept der Waldpädagogik für abwegig: "Jeder Waldkindergarten benötigt eine Betriebserlaubnis des Landesjugendamts", sagt Susanne Meimberg, Pressesprecherin vom Landesverband NRW. "Natürlich kann selbst speziell geschultes Personal nicht alle Risiken komplett ausschließen, aber das gilt auch für herkömmliche Kindergärten."

Tipps gegen Wespen FOTO: AP

Das findet auch Larissas Mutter, deren ältere Tochter (8) ebenfalls den Monheimer Waldkindergarten besucht hat: "Wir sind seit sieben Jahren dabei - und bis Montag ist noch nie etwas Gravierendes passiert." Die Erzieherinnen hätten nach ihrem Eindruck sehr besonnen auf die Wespen-Attacke reagiert und so noch Schlimmeres verhütet, sagt die Sprachheilpädagogin aus Baumberg: "Die Erfahrung der ganzen Gruppe im Umgang mit der Natur hat in diesem Extremfall gewiss genützt."

Quelle: RP
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