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Serie Monheim und der Rhein (1)
Wie Dampf die Pferdestärken ersetzt hat

Serie Monheim und der Rhein (1): Wie Dampf die Pferdestärken ersetzt hat
Dieter Sturm, Vorsitzender des Heimatbundes, erklärt die Geschichte der Schifffahrt im Deusser-Haus Monheim anhand von verschiedenen Modellen. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Die RP stellt in loser Folge Wissenswertes rund um die Schifffahrt vor. Von Daniel Gehrmann

Dort, wo der Deichweg sich von der Straße trennt, unweit des Anlegers des Piwipper Böötchens, steht das Deusser Haus. Es beherbergt eine Heimatkundliche Sammlung, und hier kommen montags die Mitglieder des Heimatbunds zusammen. Im großen Raum rechts von der Eingangstür sind verschiedene Modelle von Schiffen ausgestellt, wie sie früher auf dem Rhein bei Monheim zu sehen waren. Denn als Stadt am Ufer hat die Gänselieselgemeinde eine lange Beziehung zum Fluss und seiner Schifffahrt.

"Man muss verschiedene Arten von Schifffahrt unterscheiden", erklärt Dieter Sturm, Vorsitzender des Heimatbundes: Da ist der Fährverkehr, dann der Transportverkehr, also die so genannten "Längsfahrten", und schließlich der Tourismus, wobei die längeren Flusskreuzfahrten neueren Datums sind. "Die Fischerei musste schließlich wegen der Verschmutzung des Flusses eingestellt werden."

An den Schiffsmodellen in der Vitrine lassen sich diese unterschiedlichen Arten der Schifffahrt und die zugehörigen Schiffstypen mit ihrer Entwicklung verfolgen. Da sind etwa die breiten und flachen Schaluppen, auch Nachen genannt. "Der Ausdruck ,Schaluppe' kommt aus dem Französischen", erläutert Sturm. "Es waren Beiboote, mit denen man von einem Rheinschiff ans Ufer rudern konnte, etwa um einzukaufen."

Die Längsfahrten übernahmen lange Zeit Treidelschiffe, die von Pferden auf Uferpfaden an Seilen stromaufwärts gezogen wurden. "Es gab verschiedene Treidelstationen, wo die Pferde gewechselt wurden", sagt Wilhelm Pesch, Ehrenmitglied des Heimatbundes. Einer der Treidelpfade begann etwa dort, wo sich heute die Baumberger Rheinterrassen befinden. Auf diesem Pfad gelangte man in die Nähe des Anlegers des heutigen Piwipper Böötchens. Die Geschichte der frühen Schifffahrt bei Monheim hat Professor Heiner Müller-Krumbhaar, Vorsitzender des Vereins "Piwipper Böötchen", erforscht. Dazu gehörte auch die Geschichte des Fährbetriebs Monheim-Piwipp, der 1981 eingestellt wurde; im September 2012 wurde dieser Fährbetrieb, jetzt nahe Rheinkilometer 714, wieder aufgenommen.

"Um 1830 wurde das Treideln durch die Dampfschifffahrt verdrängt", berichtet Pesch. Fortan zogen Raddampfer, "Raderkasten" genannt, an Schlepptauen eine Reihe von Kähnen. Der Raderkasten, dessen Miniatur im Deusser Haus steht, konnte sechs Kähne ziehen. Später wurden die Raddampfer durch Schraubendampfer ersetzt, die so genannten "Schrauben". Sturm zeigt das Modell der "Rheingold", einer "Schraube" aus der Zeit um 1940. "Solche Schrauben schleppten auch Kähne, aber nicht so viele, weil sie nicht so stark waren", erklärt der zweite Vorsitzende des Heimatbundes Bernhard Gehrmann. "Sie verschwanden in den 1960er Jahren."

Ebenfalls verschwunden sind die Aalschokker, wie sie ein Modell in der Vitrine an der Wand zeigt. Gefischt wurden im Rhein Aale, Lachse und Maifische, wie Sturm berichtet. Mit den Aalschokkern verschwanden auch die Korbflechter, die Körbe und Reusen geflochten hatten.

Quelle: RP
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