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Langenfeld
Windräder erregen Reusrather

Langenfeld: Diskussion über Windräder
Langenfeld: Diskussion über Windräder FOTO: Matzerath, Ralph
Langenfeld. "Die Energiewende erreicht Langenfeld" lautete das Thema einer "Moment mal"-Aktion der RP im Reusrather Schützenheim. Vertreter auf dem Podium und Publikum diskutierten in einem vollen Haus. Von Thomas Gutmann

Über die tatsächliche Leistungsstärke von Windkraft lässt sich trefflich streiten, eines aber hat sie: die Power, Menschen zu Diskussionen anzuziehen. In Reusrath kamen mehr als 150 Interessierte zu einem "Moment mal" der RP ins Schützenheim an der Brunnenstraße. Das Thema: "Windräder vor der Haustür? Die Energiewende erreicht Langenfeld". Auf dem Podium: Bürgermeister Frank Schneider (CDU), der Vorsitzende des städtischen Planungs- und Umweltausschusses, Dr. Günter Herweg (Grüne), und Matthias Saturnus, Vorsitzender des Vereins "Ruhiger Horizont Reusrath". Stephan Meisel, Leiter der RP-Lokalredaktion, moderierte.

Anlass der Debatte sind die inzwischen auch von der Verwaltungsspitze mit Wohlwollen betrachteten Pläne von Betreibern von Windkraftanlagen (WKA), auf den Feldern südlich der Ackerstraße bis zu fünf rund 150 Meter hohe Windräder zu errichten. Noch besteht für die 48 Hektar große "Windkraft-Konzentrationszone" eine Anlagenhöhenbegrenzung von 100 Metern. Doch diese könnte infolge des städtischen Klimaschutzkonzeptes, das die zuständigen Ratsausschüsse gestern beschlossen ("Windkraft ermöglichen"), in der zweiten Jahreshälfte 2012 aufgehoben werden. Ein Gutachten soll laut Bürgermeister Schneider bis dahin klären, ob dort und wo noch in Langenfeld WKA's mit einer Höhe von 150 Metern und mehr zulässig sind. Als Alternativen zum südlichen Reusrath in Frage kommen demnach noch Berghausen (südlich der Wasserski-Seen), Richrath (südlich des Garather Waldes) und die Stadtgrenze zu Monheim (nördlich des Autobahnkreuzes A 59/A 542).

Der damalige Bürgermeister Magnus Staehler (CDU) hatte vor wenigen Jahren noch zufrieden festgestellt, das Thema Windräder sei mit der Konzentrationszone und der Begrenzung auf eine unwirtschaftliche Anlagenhöhe von 100 Metern "erledigt". Sein Parteifreund und Amtsnachfolger erklärte beim "RP-Moment mal" nun die Kehrtwende im Rathaus: "Wir nehmen unsere Verantwortung wahr", sagte Schneider und erwähnte Deutschlands Klimaschutzziele (CO2-Reduktion bis 2020 um 40 Prozent) und Atomausstieg bis 2022 ("Fukushima"). Die Windkraft gehöre zu einem "Riesenstrauß" von Maßnahmen, um zum Klimaschutz beizutragen und zugleich genügend Energie in Langenfeld zu produzieren und so die "Energiepreise beeinflussen" zu können.

Gesundheitsgefährdend dürften Windräder nicht sein, befand der Verwaltungschef, aber ästhetische Einwände ("hässlich") seien für ihn "kein Argument mehr". Schützenhilfe im Sebastianer-Heim erhielt Schneider von Grünen-Ratsherr Herweg: "Als Nutzer von elektrischem Strom müssen wir es auch ertragen, dass dieser Strom bei uns erzeugt wird." Die Windkraft sei eine regenerative Energiequelle neben anderen und überdies "preisgünstig verfügbar".

Um die Nähe zu den Energieverbrauchern zu gewährleisten, sei er eher für WKA's in Gewerbegebieten als in "freier Landschaft", sagte Herweg und erinnerte an die Hochspannungsleitungen im Reusrather Süden als Preis für das bestehende System der Stromversorgung durch Großanlagen. Bei einem Besuch in einem Windpark in Aachen habe er sich davon überzeugen können, wie leise Windräder tatsächlich seien: "Am lautesten war noch die Transformatorenstation mit ihrem Surren."

Anwohner Saturnus von der Bürgerinitiative gegen Windräder in Reusrath sprach hingegen von gesundheitlichen Gefahren unter anderem durch Schattenwurf. Vor allem aber sieht er das "Naherholungsgebiet" im Stadtsüden durch die "rotierenden Anlagen" bedroht, die hoch wie der Kölner Dom seien. Er wolle nicht mit Blick auf solche Windräder wohnen, werde aber sein Häuschen nur noch weit unter Wert verkaufen können, falls dort WKA's hinkämen, sagte Saturnus unter dem Beifall zahlreicher Zuhörer. Für das weitere Planungsverfahren mahnte er Transparenz und Bürgerbeteiligung an: Sein Verein verlange Einblick in die Kriterien der Gutachterwahl und Einbeziehung in die Entscheidungsfindung.

 

Quelle: RP
 
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