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Analyse
Windräder kommen jetzt ohne Getöse

Langenfeld. Seit Jahren erhitzt das Thema Windkraftanlagen auf Feldern in Reusrath die Gemüter. Bislang schreckte die festgelegte Obergrenze den Betreiber. Nun hat ein Investor vier niedrigere Windräder beantragt - und er dürfte zum Zuge kommen. Von Stephan Meisel

Es kommt, wie es kommen musste: Vier Windkraftanlagen werden aller Voraussicht nach Anfang 2017 im südlichen Reusrath in Betrieb gehen. Nach dem politischen Schlagabtausch der vergangenen Jahre, der zuweilen an Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen erinnert hatte, scheint bei diesem vormaligen Reizthema zumindest im Stadtrat die Luft raus zu sein. Wie berichtet, hat die Firma SL Naturenergie GmbH (Gladbeck) den Bau von vier jeweils 99,5 Meter hohen Windrädern in der 2006 nahe der Acker-/Rennstraße für diesen Zweck ausgewiesenen Konzentrationszone beantragt. Und aufgrund der Faktenlage möchte nunmehr keine der Ratsfraktion bei diesem Projekt Sand ins Getriebe streuen.

Warum hat das Projekt diesmal beste Erfolgsaussichten? Weil SL nunmehr die vor zehn Jahren vom Stadtrat auf 100 Meter festgeschriebene Höhengrenze einhalten wird. Bei früheren Anträgen hatte das Unternehmen mit zwei 150 Meter hohen Anlagen deutlich über diese Obergrenze hinausgehen wollen. Mit dem Argument, dass nur bei solch einer Höhe Windräder wirtschaftlich zu betreiben seien, klagte SL gegen die 100-Meter-Grenze. Das Verwaltungsgericht lehnte im August 2015 die Klage ab. Parallel zum laufenden Berufungsverfahren hat SL beim Kreis Mettmann nun den Bau von vier Windrädern beantragt, die allesamt die Höhengrenze um einen halben Meter unterschreiten. Weil SL zwei dieser Anlagen an einem seiner deutschlandweit etwa 80 Windkraft-Standorte abbaut und dort durch profitablere Anlagen ersetzt, rechnet sich laut Firmenchef Klaus Schulze Langenhorst "in der Mischkalkulation" nun in Reusrath auch unterhalb der 100-Meter-Marke. Bürgermeister Frank Schneider (CDU) war 2015 im Stadtrat mit seinem Vorstoß, die Höhengrenze von 100 auf 150 Meter anzuheben, an seiner eigenen Partei gescheitert. Da SL diesmal alle vorgegebenen Kriterien erfülle, betrachtet Schneider die bis Ende Juni eingeforderte Stellungnahme "als laufendes Geschäft der Stadtverwaltung".

Das sagen die Ratspolitiker Für die Mehrheitsfraktion CDU versicherte deren Vorsitzender Jürgen Brüne in einer Umfrage unserer Redaktion, keine neuerliche Windkraftdebatte anstoßen zu wollen. "Der Stadtrat hatte sich im Klimaschutzkonzept ja grundsätzlich positiv gegenüber Windkraft ausgesprochen. Wenn der Investor die 100-Meter-Grenze nun einhält, dann haben wir das zu akzeptieren. Auch wenn es ärgerlich ist, dass statt zwei nunmehr vier Anlagen gebaut werden sollen." In dieser Hinsicht sei es, so Heike Lützenkirchen (SPD), "aus Sicht derer dumm gelaufen, die dachten, durch das Beharren auf die 100-Meter-Grenze Windkraft ganz verhindern zu können". Die SPD freue sich, dass im Sinne des Klimaschutzes solche Anlagen nun auch in Langenfeld gebaut würden. Ähnlich äußerte sich Günter Herweg (Grüne), der indes zwei oder drei moderne 150-Meter-Windräder dort lieber gesehen hätte. "Wir befürworten diese vier Windräder nicht, müssen sie aber akzeptieren", sagt Gerold Wenzens (BGL). "Bei dieser Umsetzung rot-grüner Politik sind uns als Kommunalpolitiker die Hände gebunden. Immerhin haben wir den Bau von 150 Meter hohen Windrädern verhindern können, die sich laut Gutachten definitiv nicht in die Landschaft integrieren lassen." Auch Frank Noack (FDP) sieht keinen Grund für eine neuerliche politische Windkraft-Debatte.

Das sagt die Bürgerinitiative "Wir werden die von SL eingereichten Gutachten zum Umwelt-, Arten- und Wasserschutz mit Argusaugen durchforsten", kündigte Matthias Saturnus von der Bürgerinitiative "Ruhiger Horizont Reusrath" an. Bisher hatten die Windradgegner vor allem mit der überschrittenen Höhengrenze gegen das SL-Projekt argumentiert. Doch die ist als Hinderungsgrund entfallen.

Quelle: RP
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