| 00.00 Uhr

Langenfeld
"Wir planen von Tag zu Tag unsere Hilfe"

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Langenfeld. 200 Bürger engagieren sich in der Flüchtlingshilfe Langenfeld für Neuankömmlinge. Von Dirk Neubauer

Torsten Fuhrmann aus Wiescheid hat neulich bei einem Umzug geholfen. "Das waren Flüchtlinge, die ich quasi von ihren ersten Schritten in Langenfeld an begleitet habe, die nun ihre Anerkennung im Asylverfahren bekommen und eine Wohnung in einer anderen Stadt gefunden hatten." Ein glücklicher Moment für Fuhrmann, der sich zusammen mit 200 weiteren Ehrenamtlern in der Flüchtlingshilfe Langenfeld einsetzt. Bei einem Gespräch mit der RP berichteten fünf Flüchtlingshelfer, wie wichtig diese Unterstützung ist. Dass die Willkommenskultur einen Knacks bekommen hat, schieben Beate Jentsch, Hans Herres, Frank Schöler, Rainer Schlatmann und Fuhrmann mit einem Satz zur Seite: "Wir haben viel erreicht, seit wir im März begonnen haben."

Fest steht aber auch: Im laufenden Jahr könnte sich die Zahl der Flüchtlinge, die nach Langenfeld kommen, von rund 900 auf mehr als 1600 erhöhen. "Wir brauchen auf jeden Fall noch Mitstreiter!" Jeder habe Fähigkeiten, die in der Flüchtlingshilfe gebraucht würden. Es gibt fünf Arbeitsgruppen. Hinter dem Titel "Sachmittel" steht eine Art Notkleiderkammer - manch einer kam schon in Flip-Flops und T-Shirt in Langenfeld an. Die Fahrradgruppe repariert gespendete Drahtesel. Beate Jentsch und ihre Mitstreiter von den "Ersten Schritten" organisieren Stadtrundgänge. Das Gros arbeitet als Schul- und Sprachpaten.

"Ausbildung und Qualifizierung ist das große Thema, um den Menschen eine Perspektive zu geben", sagt Frank Schöler. Lob gibt es für die Stadt, die als erstes jedem Flüchtling über die VHS einen Sprachkurs vermittle. Über die Arbeit mit den Sprachpaten und durch das mit Computern ausgestattete Selbstlernzentrum an der Stettiner Straße soll das Vokabel- und Grammatiktraining unterstützt werden.

Die Kinder und Jugendlichen sollen altersgerecht betreut werden. "Das klappt nicht bei den Kindern im Kindergartenalter. Da fehlen in Langenfeld rund 50 Plätze", schätzt Beate Jentsch. Die Grundschüler kamen bisher in spezielle Deutschklassen, deren Kapazitäten aber nun erschöpft sind. Und auch in den weiterführenden Schulen ist die Sprache die größte Hürde.

"Besonders wenn man das Potenzial der Kinder sieht, möchte man denen am liebsten allen eine Chance geben", sagt Schöler nachdenklich. Stattdessen würden manche Mädchen und Jungen gerade dann aus den Klassen herausgerissen und im Falle eines negativen Bescheids in die Heimat zurückgeschickt, wenn sie sich gerade eingelebt und erste Freunde gefunden hätten.

Man kann nur von Tag zu Tag planen. Das ist das Schwierigste für die Mitglieder der Langenfelder Flüchtlingshelfer: "Niemand weiß, wie rasch so ein Anerkennungsverfahren abgewickelt wird. Das ist jedes Mal unterschiedlich." Zur Untätigkeit verdammt in einer Gemeinschaftsunterkunft ohne Privatsphäre und im Ungewissen leben zu müssen - viele Neuankömmlinge hatten sich das Leben in Deutschland anders vorgestellt. "Wir versuchen, deutlich zu machen, dass man diese Zeit bestmöglich nutzen soll. Um Deutsch zu lernen. Um das Leben hier kennenzulernen."

Wenn Flüchtlingshelfer kommen, werden sie freudig begrüßt. Klar: Handfest und kundig naht da praktische Hilfe. Was sagen die Langenfelder zu diesem Engagement? Torsten Fuhrmann zuckt mit den Schultern: "Manche Menschen grüßen mich nicht mehr. Dafür grüßen mich neuerdings andere."

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.