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Horst Stolzenburg
Wischen, tippen, pauken mit dem iPad

Horst Stolzenburg: Wischen, tippen, pauken mit dem iPad
Oberstufenkoordinator Horst Stolzenburg freut sich auf das Unterrichten mit dem iPad an der Monheimer Gesamtschule. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. An der Monheimer Peter-Ustinov-Gesamtschule lernen Oberstufenschüler ab Herbst mit IPads.

Herr Stolzenburg, Sie sind Oberstufenleiter der Peter-Ustinov-Gesamtschule und koordinieren mit ihrem Kollegen Mustafa Akpepe die neuen iPad-Klassen - und Sie finden also, Schüler sollten mehr Wischen und Tippen als Blättern.

Stolzenburg Das Eine sollte das Andere nicht ersetzen. Beides ist wichtig. Am Tablet können Schüler zum Beispiel im Netz zu neuen Themen recherchieren, ein Erklär-Video bei Youtube angucken oder sich Texte in Muttersprache vorlesen lassen. So was kann ein Buch nicht leisten.

Wer soll alles ein iPad bekommen und wann geht es los?

Stolzenburg In der Einführungsphase der Oberstufe (elftes Schuljahr) soll es zwei iPad-Klassen mit insgesamt 54 Schülern geben. Die wird uns Monika Niehaus von der Stadt Monheim im Herbst in die Klassen bringen. Dann wird ausgepackt, eingerichtet. Die zwölf Lehrer bekommen ihre schon vor Schuljahresbeginn, damit sie schon mal ein bisschen ausprobieren können.

Wie wird das dann in den Unterricht eingebunden - zum Beispiel bei Ihnen? Sie unterrichten ja Mathe.

Stolzenburg In Mathe könnte ich mir zum Beispiel die App Geogebra vorstellen. Damit können wir Graphen von Funktionen darstellen, und geometrische Körper sichtbar machen. In Mathe ist es bisher auch ein Problem, wie man präsentiert. Über Apple-TV zum Beispiel können wir dann bald Rechenwege an digitale Tafeln werfen - und so auch zeigen, dass es oft mehrere richtige Rechenwege gibt. Das wird dann endlich mal transparent und motiviert die Schüler.

Haben Sie keine Sorge, dass die Schüler fudeln, wenn die immer auch online sind?

Stolzenburg Nein. Ich kann das W-Lan zeitweise sperren - und natürlich auch kontrollieren, wer was macht. Wenn ich mich dazuschalte, sehe ich sofort, wenn jemand im Internet surft, statt zu rechnen. Es ist auch ein Vorteil dieser Geräte, dass wir beschränken können, was Schüler dürfen und was nicht. Wir können zum Beispiel Seiten sperren und bestimmen, welche Apps auf dem iPad sind.

Ist das, was da kommt, auch eine Herausforderung für die Lehrer?

Stolzenburg Auf jeden Fall. Das fängt dabei an, dass es technisch klappt. Es geht aber auch um Dinge wie richtiges Speichern und Präsentieren - oder auch darum, passende Apps zu finden. Zum Glück werden wir da alle intern und auch extern geschult.

Die Schüler sind ja mit diesen Medien aufgewachsen. Nervös, dass die sich besser auskennen als die Lehrer?

Stolzenburg (lacht) Nein, das ist eine Bereicherung. Nennen wir es mal gegenseitiges Lernen - und das ist gut. Früher gab es ja auch immer schon einen Schüler, der den Videorekorder bedient hat.

Sie haben gesagt, Arbeiten am iPad bereitet die Schüler gut auf den Berufund das Studium vor.

Stolzenburg Ja, auf jeden Fall. Meine Tochter studiert gerade. Die erste Powerpoint-Präsentation, die erste Excel-Tabelle - da war sie schon am Rotieren. Darauf können wir unsere Schüler vorbereiten.

Das waren ja aber früher Dinge, die Studenten sich auch mal selbst erarbeiten mussten.

Stolzenburg Es wird auch weiterhin viele Dinge geben, die Schüler sich an der Uni selbst erarbeiten müssen. Aber Digitalisierung ist so wichtig, dass wir es als Chance sehen. Wie ermöglichen einen Einblick, der ihnen hilft, es weiterzuentwickeln.

Was ist ihre Vision in Bezug auf digitales Lernen?

Stolzenburg Wir proben das jetzt erst mal. Es ist unser Wunsch, dass irgendwann einmal jeder unserer Schüler ein iPad hat und Multimedial lernen und arbeiten kann.

Wird Bücherschleppen irgendwann überflüssig?

Stolzenburg Das kann gut sein. Wenn wir Bücher digital abrufen können. Das müssten die Verlage dann anbieten. Im Moment ist das ein rechtliches Problem.

Nur ein rechtliches Problem? Kein Plädoyer für das Buch?

Stolzenburg Nein. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn alle Buchinhalte auf dem iPad sind. Als Vater denke ich da an meine Kinder. Was die jeden Tag schleppen müssen und ständig fehlt ein Buch - zuhause oder in der Schule. Das würde entstressen und wäre einfach nur praktisch.

DAS INTERVIEW FÜHRTE SABINE SCHMITT

Quelle: RP
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