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Langenfeld
Wo Alt-68er sich wieder jung fühlen

Langenfeld: Wo Alt-68er sich wieder jung fühlen
Der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt Langenfeld "goes Rock". Viele Besucher erinnern sich an alte Zeiten. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Die Arbeiterwohlfahrt "goes Rock" im Siegfried-Dissman-Haus. Von Isabel Klaas

Die "Mädels" haben sich feingemacht. Die "Jungs" haben die Langhaar-Mähne zum Zopf gebunden oder unter einem Lederhut versteckt.

Auf dem Handrücken tragen sie einen roten Disco-Stempel, und als sie "Cocaine" und "Come together" hören, durchzuckt es die Körper voller Begeisterung. Ein Szenario wie vor 40 Jahren. Nicht ganz so wild vielleicht.

Und die Haarschöpfe sind grau, manchmal sogar weiß, speziell bei den Herren auch etwas gelichtet. "Awo goes Rock" erinnert die Gäste mit seinen Live-Konzerten an die Jugend der heute über 60-Jährigen.

Am Freitag hatte Klaus Kaselofsky von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Langenfeld gemeinsam mit Kollegin Marita Fuchs in die Begegnungsstätte Siegfried-Dissmann-Haus zum Konzert eingeladen. "Ja", sagt Marita Fuchs, "nachdem das Jugendwerk der Awo hier immer eigene Konzert machte, haben sich die Senioren auch mal ihren Rock gewünscht."

Während die über 70- und 80-Jährigen noch aus voller Kehle "Hoch auf dem gelben Wagen" und "Ännchen Tharau" schmettern, wenden sich die Alt-68er mit Grausen. Wie Peter Ruß (64), der Mann mit Bart und langen Haaren, ein Rocker aus Leidenschaft, der, wie er sagt, "immer schon etwas aus dem Rahmen fiel" und sich über den rockigen Abend ganz besonders freut. Glücklich ist er, als die Band Double Mission seinen Liebling Rory Gallagher spielt. Da geht ihm das Herz auf. "So was gibt es viel zu selten hier für uns in Langenfeld", sagt er. Einer, der mit Deep Purple, Led Zeppelin und Hendrix aufgewachsen ist, braucht es auch im fortgeschrittenen Alter musikalisch mitunter etwas härter.

Auch Elke Strate, Monika Hüttenbügel und Annemarie Hoffmann schwelgen in der Musik ihrer Jugend und freuen sich über alte Bekannte wie Clapton und U2. Als Lou Reeds "Ride Sally Ride" den Begegnungsraum mit den 60 Besuchern erfüllt, singen die Gäste begeistert mit.

Die Band So-What sattelt noch eins drauf auf die schönen Erinnerungen an wilde Zeiten und bringt dem Publikum eine Menge "Good Vibrations". "Ein Glück, dass unsere Bands hier umsonst spielen und nur eine kleine Aufwandsentschädigung kriegen", sagt Kaselofsky. Die Atmosphäre ist einfach prima und bei weitem nicht "so alt, wie man denken könnte", wie es Marita Fuchs formuliert. Und genau das will die Awo den Besuchern geben.

Quelle: RP
 
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