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Kolumne Calm Down (4)
Wo das Gedankengetöse verstummt

Langenfeld. Die Marienkapelle kann jederzeit besucht werden. Den Schlüssel gibt es im "Vater Rhein" gegenüber.

monheim (og) Wie eine Trutzburg steht sie am Ende der Rheinpromenade. Erbaut vor 501 Jahr, als es noch keinen Deich gab und der Weg von der Kirche gleich hinunter zum Ufer führte: die Marienkapelle in Monheim. Sie hat etliche Hochwasser, Stürme und Kriege überstanden, ebenso wie das Gnadenbild der "Schmerzhaften Mutter", die Pieta, die schon dreimal verschwunden war und immer wieder aufgetaucht ist. Unverwüstlich. Beharrlich. "Eine Kraft, die für viele spürbar wird", sagt Hans Schnitzler, Mitbegründer und Vorsitzender des Marienkapellenvereins. "Ich komme oft hierher, genieße die Ruhe in dem Kirchenraum", sagt er, beseelt von Ausstrahlung des Marienbildes.

Es ist ruhig unter dem spitz gewölbten Kirchenhimmel, dessen Deckenstreben rostrot gestrichen sind. Scheinwerferlicht der vorbeifahrenden Autos blitzt durch die Fenster. Der Blick fällt unweigerlich auf die aus Holz geschnitzte Maria, die ihren toten Sohn in den Armen hält. Ein Bild der Trauer, das Hoffnung birgt. Die Gedanken schweifen ab. Aus welchen Orten die Menschen wohl früher zur Mutter Gottes gepilgert sind? Zu Fuß, zu Pferd, mit dem Schiff sind sie gekommen, bei Wind und Wetter. Menschen, die weite Strecken zurücklegten, um Trost zu finden. Heute ist es meist die Sehnsucht nach Ruhe, die Menschen in die kleine Kirche führt - egal ob katholisch, evangelisch oder konfessionslos. Ruhe finden, wenn im Kopf ständig die Wunschzettel der Familie gecheckt, die "To-do-Listen" am Arbeitsplatz noch einmal durchgegangen werden - und und und . . . das Gedankengetöse langsam leiser wird. Aufatmen.

Jeden Sonntag ist die Marienkapelle zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet. Jeweils am ersten Sonntag im Monat gibt es ein Klangwellenkonzert in dem Raum mit der sensationellen Akustik. "Das ist phänomenal", sagt Schnitzler, und verweist auf ein kleines Pult mit Tablet-PC und Kopfhörern. Mit oder ohne Musik spüren Besucher, wie der Alltagsstress von ihnen abfällt, bedeutungslos wird. "Chillen" nennt Schnitzler es, der jede Minute genießt, die er in dem Raum verbringen kann. Wer eine Auszeit sucht, kann die Kapelle jederzeit besuchen. Der Schlüssel für die Tür der Kirche An d'r Kapell ist gegenüber im Restaurant "Zum Vater Rhein" deponiert. Die Gänseliesel, die vor der Tür steht, weist ebenfalls im Rahmen der Mon-Chronik daraufhin.

Das Klangwellenkonzert "And the angels sing..." mit dem Monheimer Kinder- und Jugendchor, Leitung Dana und Oliver Drechsel beginnt am Nikolaus-Sonntag um 16 Uhr.

Quelle: RP
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