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Langenfeld/Monheim
Wo Kinder toben und Altbier fließt

Langenfeld/Monheim. Brunnen verschönern das Stadtbild. In Langenfeld und Monheim haben sie auch einen wichtigen Zweitnutzen. Von Dirk Neubauer

An heißen Sommertagen ist der gut 450 Quadratmeter große Kreis einer der Anziehungspunkte in Langenfeld. Schnell fliegen Schuhe und T-Shirts in die Ecke. Und dann flitzen Kinder und Kind-Gebliebene zwischen den 26 Düsen hin und her: Die Fontänen auf dem Langenfelder Markt sind auch im sechsten Jahr ein Besuchermagnet. Langsam bauen sich die Wassersäulen auf - eine spezielle Schaltung des unterirdischen Pumpwerks, die verhindern soll, dass sich Kinder an einem harten Wasserstrahl verletzen. Eltern, die sich um die Wasserqualität sorgen, kann Bastian Steinbacher vom städtischen Betriebshof beruhigen: "Die Brunnen am Marktplatz werden täglich gereinigt und zwei Mal pro Woche gewartet." Filteraustausch inklusive. Trinken sollte man das Wasser allerdings nicht.

Obwohl genau das der ursprüngliche Sinn der Brunnen war: Mensch und Tier zu erfrischen. Darüber sind die leise plätschernden Wasserstellen mitten in der Stadt längst hinaus. In Langenfeld ebenso wie in Monheim verschönern sie das Stadtbild. Wobei sich Langenfeld eher sparsam gibt. Neben den Brunnen auf und am Marktplatz listet Steinbacher nur noch zwei weitere: Der Brunnen vor dem Rathaus ist bis auf weiteres still gelegt. Die Fontäne im Freizeitpark Langfort ist der älteste Brunnen der Stadt - und seit Pächter Dino Engelhard vor sechs Wochen das Café gleich daneben runderneuert wiedereröffnet hat - ein guter Punkt für die kleine Flucht aus dem stätischen Alltag. Deutlich verspielter und Brunnen-verliebter gibt sich die Nachbarstadt Monheim, wie Stadtarchivar Michael Hohmeier berichtet.

Der im gesamten Rheinland wohl einmalige Brunnen findet sich in Sichtweite des neuen Rathauses - am Doll Eck. Wer dort zum ersten Mal anhält, meint, das Wasser fließe über ein abstraktes Kunstwerk. Einen Schritt zurückgetreten - enthüllt der Brunnen seine wahre Gestalt: 14 übereinander gestapelte Melonen. "Bibis" sagt der Volksmund zu dieser Kopfbedeckung, die zum Markenzeichen des Monheimer Panikorchesters geworden ist. Von dessen Chef Emil Drösser stammt die Idee, von Bildhauer Bernhard Guski die Ausführung des 1992 entstandenen Bibi-Brunnens. Sein Geheimnis: An besonders tollen Tagen fließt Bier aus dem Brunnen. In halber Höhe kann ein Zapfhahn angeschraubt werden. Ob klassisch - wie der 1937 entstandene und 2013 runderneuerte Gänselieselbrunnen, oder modern - wie auf dem Marktplatz das "Ei", das 1993 vom Künstler Taco de Marie geschaffen wurde: Brunnen verwandeln ihre Umgebung, laden zum Verweilen ein. Auf dem Alten Markt an der Turmstraße gibt es den von Steinmetzmeister Heinz Püster geschaffene Marktbrunnen. Im Zentrum steht eine viereinhalb Meter hohe Säule aus Muschelkalk. Aus vier Hähnen tröpfelt Wasser in vier Bassins. Sein Vorgänger, 1859 erbaut, wurde 1906 anlässlich der Silberhochzeit von Kaiser Wilhelm II, um vier Becken erweitert.

Damit beweisen die Monheim einmal mehr rheinischen Pragmatismus. Zum einen ehrten sie den Monarchen. Zum anderen hatten die Zugtiere der Bauernkarren am Markttag genug zu saufen.

Quelle: RP
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