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Langenfeld
Wo Mediziner im Denkmal arbeiten

Langenfeld: Wo Mediziner im Denkmal arbeiten
Das alte Reusrather Pfarrhaus dient heute Ärzten als Praxisraum. FOTO: rm-
Langenfeld. Dr. Uwe Glaß hat das alte Reusrather Pfarrhaus als Praxis saniert - am liebsten würde er dort auch wohnen. Von Sabine Schmitt

Es ist jeden Morgen dasselbe. Dr. Uwe Glaß parkt sein Auto, aber kurz vorher, da guckt er immer noch mal schnell in den Garten. Dieser Garten. Der hat es ihm angetan. Er ist wohl das, was der Arzt an dieser alten, denkmalgeschützen Villa in Reusrath neben der Kirche St. Barbara mit am meisten liebt. Da stehen wunderschöne große und alte Bäume. Und wenn die reden könnten, würden sie vielleicht Geschichten erzählen. Über die mehr als hundert Jahre alte Geschichte dieses Hauses.

Die zweigeschossige Villa neben der Reusrather Kirche St. Barbara ist 1912 nach Plänen des Architekten Thoedor Roß (1864-1930) erbaut worden. In dem Haus an der Trompeter Straße wohnte über Jahrzente der jeweilige Pfarrer mit Verwandten oder Hausangestellten - zuletzt Pfarrer und Dechant Joseph Limbach. Doch dann, nach Limbachs Pensionierung im Mai 2009, ist das Pfarrhaus nicht mehr bewohnt gewesen. Das Haus war sanierungsbedürftig, die Kirche wollte das Geld dafür nicht aufbringen. Also wurde es versteigert.

Uwe Glaß erinnert sich noch gut daran. Mit einem Euro war die Versteigerung der 14-Zimmer-Villa damals 2012 losgegangen. Schließlich zahlte der Allgemeinmediziner und Sportarzt, der neue Räume für seine Praxis suchte, den Auktionspreis von 20 000 Euro. Mehr als eine halbe Million Euro hat der Arzt dann nach eigenen Angaben noch in den Umbau gesteckt. Denn der Umbau war aufwendig. Das Gebäude steht seit ein paar Jahren unter Denkmalschutz. Fenster, Türen und selbst der Fußboden mussten an die Richtlinien des Denkmalschutzes angepasst werden. Besonders schwierig war es, , den Stuck an den Wänden wieder herzurichten.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Uwe Glaß sagt, er würde das Haus jederzeit wieder kaufen. Seit Sommer 2013 hat der Allgemeinmediziner dort seine Praxis - auf etwa 280 Quadratmeter Fläche und mit 3,50 Meter Deckenhöhe mit Stuckelementen, bleiverglasten Fenstern im Eingangsbereich und Treppenaufgang, einem stilvollen Treppenhaus und geschnitzter St.-Barbara-Skulptur.

Wie ist es, die Tage in so einem Haus zu verbringen? "Traumhaft schön", sagt der Arzt und erzählt davon, wie er eine knarrende Treppe hochläuft und täglich den original alten Kronleuchter bestaunt, der so groß ist, dass man ihn nicht mit beiden Armen umarmen kann, und der auch schon immer da hing, an einer 4,5 Meter hohen Stange, die von der Decke kommt.

"Eigentlich", sagt Uwe Glaß und macht eine kurze, nachdenkliche Pause, "müsste man hier in diesem Haus auch wohnen." Ja, geht das denn nicht? "Nein", sagt er. "Alles voll. Alle Zimmer belegt. Zum Wohnen ist kein Platz mehr." Und so sind in den Räumen des ehemaligen Pfarrhauses mit den hohen Decken unter anderem sechs Behandlungsräume, ein Sporttherapieraum und ein Golfsimulator untergebracht. Und neben der privatärztliche Gemeinschaftspraxis Glaß liegt auch eine Physiotherapie-Praxis, das Medizinische Rücken-Zentrum Langenfeld.

Und was sagen die Patienten? "Die sind auch begeistert", sagt Uwe Glaß. Mancher soll wohl auch schon gefragt haben, ob er draußen im Garten behandelt werden kann. Das geht natürlich nicht. Aber im Garten warten. Das ist erlaubt. Und so wird der Garten des denkmalgeschützten Hauses an schönen Tagen schon mal zum überdimensionalen Wartezimmer.

Die Grundstücksfläche insgesamt beträgt 855 Quadratmeter. Der Mediziner Glaß hat die Fläche mitgepachtet - und so auch verhindert, dass auf dem Rasen des Kirchengrundstücks Reihenhäuser gebaut werden.

Quelle: RP
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