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Monheim
Wo Monheimer Bücher verschenken

Monheim: Wo Monheimer Bücher verschenken
"Ein bis zwei Meter Bücher kommen und gehen jeden Tag": Der frühere Buchhändler Karl König ist Pate des öffentlichen Bücherschranks am Monheimer Busbahnhof. Fast täglich schaut er nach dem Rechten. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Urlaubsliteratur muss man nicht immer kaufen. Ein Besuch am Bücherschrank am Monheimer Busbahnhof. Dort gibt es Lesestoff gratis. Von Sabine Schmitt

Rücken an Rücken stehen sie da. "Die Antwort kennt nur der Himmel" neben "Gesundes Gift", "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Geliebter John" und "Briefmarken-Katalog Deutschland 1986/87". Insgesamt sind es zehn Meter Bücher. Fünf mal zwei Reihen. 30 Bücher pro Reihe - macht derzeit etwa 300 Bücher, alle gratis. Die Bücher kommen und die Bücher gehen - und in den Sommerferien ist der Bücherschrank am Monheimer Busbahnhof prall gefüllt.

Karl König zieht ein Buch raus - und schiebt es wieder rein. Jetzt steht es bündig im Regal. König, 81 Jahre alt, Brille, weißer Bart, grinst zufrieden. Der Bücherschrank am Monheimer Busbahnhof, der ist sein Patenkind. Die Monheimer Galeristin und Künstlerin Luda Liebe hatte die Idee zum Schrank und den Standort mit den Bahnen der Stadt Monheim abgeklärt. König hat sich kurz darauf als Pate des Bücherschranks gemeldet.

Dass der Schrank gebaut wurde, das ist jetzt gut zwei Jahren her. Seitdem kommt der pensionierte Monheimer Buchhändler jeden Tag mit dem Fahrrad vorbei und guckt, ob alles in Ordnung ist - jeden Tag, mit einer Ausnahme - "wenn es regnet". Dann komme er nicht, sagt König. Dass König so oft vorbeischaut, das ist auch gut so. "Die Leute kommen mit Kartons oder Handtaschen und liefern hier ab", sagt König. Manchmal sei der Schrank danach so voll, dass Bücher über den Reihen quer liegen. König bringt das dann in Ordnung, schaut, dass der Schrank ansprechend aussieht. Das bedeutet aber nicht gleich Ordnung schaffen. "Ich glaube, es ist auch dieses Durcheinander, dass die Leute reizt." Deshalb stehen Sachbücher neben Romanen, Taschenbücher neben Büchern mit festem Einband und historische Schätzchen neben moderner Literatur und Bestsellern. Neulich, erzählt König, da habe einer Karl May gebracht. "70 Bücher. Und in zwei Tagen waren alle weg." Überhaupt sei die Fluktuation groß. "Ein bis zwei Meter Bücher kommen und gehen jeden Tag."

Ja, und was außer Karl May ist noch schnell weg? "Romane" - und da gebe es eine Gattung, sagt der ehemalige Buchhändler, die habe er am Anfang völlig unterschätzt: Pfennig-Romane. Geschichten, in denen es etwa um Ärzte und die Liebe geht und die sich leicht lesen lassen. Trivialromane nennt König das. Und ganz früher habe er sogar mal welche in den Papiermüll geschmissen, weil er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass sie überhaupt gefragt sind. Das war ein Missverständnis, und heute würde er das nie wieder tun. Denn diese Romane, die sind extrem gefragt. Die würden nie länger als einen halben Tag im Schrank stehen. Dann seien sie schon wieder vergriffen. Gibt es auch denn auch Literatur, die gar nicht läuft? Nein, sagt König, das gebe es eigentlich nicht. Sogar die Fachzeitschriften zum Uhrengewerbe hätten irgendwann einen Abnehmer gefunden.

Wenn einer jeden Tag am Schrank vorbeischaut wie König, kommt man natürlich auch ins Gespräch. "Was ist mit dem Bücherregal, das es im Monheimer Tor gab?", fragt eine ältere Dame. "Das ist nicht mehr da, weil es da wohl nur Chaos gab", antwortet König. Für den Schrank sei er aber nicht zuständig gewesen. "Och, schade", sagt die alte Dame, greift schnell noch ein Buch, einen Liebesroman, und steigt in den Bus nach Langenfeld.

Quelle: RP
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